Mordrohungen und Mistgabeln: Ein Leben als Gerichtsvollzieher

Von: Annika Wunsch
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Gerichtsdirektorin Corinna Waßmuth dankte Peter Welter für seinen langjährigen Einsatz.
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50 Jahre im Dienst der Justiz: Peter Welter.

Geilenkirchen. Wie viel Wert ein Bauer auf seinen Traktor legt, erfuhr Peter Welter, als er eines Tages mit einer Mistgabel angegriffen wurde. In seiner Funktion als Gerichtsvollzieher hatte er die unangenehme Aufgabe bekommen, dem Bauern den Traktor wegzunehmen. Vorsorglich hatte ihn die Polizei begleitet, und auch die musste sich mit dem Mann auseinandersetzen, und zwar körperlich.

Offenbar bereute der Landwirt seine emotionale Reaktion wenig später: Drei Tage nach dem Vorfall erhielt Peter Welter eine Entschuldigung – und zwar in Form eines Fasans in einer Plastiktüte. „Wahrscheinlich illegal geschossen“, vermutet er.

Bis heute nicht bereut

Das alles ist viele Jahre her. Am Freitag feierte Welter sein 50-jähriges Dienstjubiläum – eine außergewöhnliche Zahl, die vor allen Dingen aus zwei Gründen möglich ist. Erstens trat Welter im Alter von gerade mal 13 Jahren in den Dienst der Justiz. Und zweitens macht ihm sein Beruf bis heute großen Spaß, wie er beteuert.

Bezeichnenderweise war bei der Feierstunde im Amtsgericht am Freitag von Ruhestand noch nicht die Rede. „Der 1. April 1966 war der erste Arbeitstag des damals erst 13 Jahre alten kleinen Peters, der als Kanzleilehrling bei der Justiz NRW anfing, sicher mit bangem Herzen in Erwartung der neuen Anforderungen“, begann Corinna Waßmuth, Direktorin des Amtsgerichts Geilenkirchen, ihre Rede zum Dienstjubiläum. „Aber, so wie wir alle ihn kennen, sicher auch mit der Zuversicht, alles zu meistern, was auf ihn zukommt.“

Sichtlich gerührt nahm Welter die Dankes- und Anerkennungsurkunde des Justizministers des Landes NRW an, die Waßmuth ihm mit dem Dank des Oberlandesgerichtspräsidenten Kamp überreichte. Er habe es „bis heute nicht bereut“, vom Justizbeamten zum Gerichtsvollzieher geworden zu sein. Das Beste an seiner Arbeit sei für ihn, die Schuldner dabei zu unterstützen, ihre Schulden loszuwerden, und den Gläubigern zu dem ihnen zustehenden Geld zu verhelfen. Es gehöre auch dazu, jederzeit bereit zu sein, zu einem Einsatz gerufen zu werden oder einen Schuldner oder Gläubiger im Büro in seinem Wohnhaus zu beraten.

Dabei sei ihm besonders wichtig, alle gleich zu behandeln. „Da sind Sachen, die sind unangenehm, aber die muss man ja auch machen“, gibt er zu. Und er verschweigt auch nicht, dass man sich mitunter auch wirkliche Feinde machen kann. Über die Geschichte mit dem reuigen Landwirt kann er heute lachen. Das gilt nicht, wenn er sich daran erinnert, dass er und seine Familie einmal Morddrohungen erhielten. Dies sei die schlimmste Zeit seiner Laufbahn gewesen. „Zahllose schlaflose Nächte“ habe die Sache ihm damals bereitet. Die Freude an seinem Beruf als Gerichtsvollzieher konnte dies nicht dauerhaft trüben.

Dass er diesen Job stolze 36 Jahre lang ausüben würde, stand noch gar nicht fest, als er als 13-Jähriger ins Berufsleben trat. Genau drei Jahre nach Beginn schloss Welter seine Ausbildung erfolgreich ab. Lange konnte die Tätigkeit als Justizangestellter ihn aber nicht befriedigen, so dass er sich schon 1970 zum Justizassistenten weiterbilden ließ. Für Welter immer noch nicht genug: Im Laufe der nächsten sieben Jahre wechselte er zur Staatsanwaltschaft Aachen und wurde erst zum Justizsekretär, dann zum Justizobersekretär und schließlich mit erst 25 Jahren zum Justizhauptsekretär befördert.

Erst 1977 schließlich wurde Welter auf den Aufruf aufmerksam, dass Gerichtsvollzieher gesucht würden. „Mein Vorgesetzter meinte: ‚Stellen sie sich vor, Sie müssen den armen Müttern die Kinder wegnehmen. Das können sie doch gar nicht‘“, lacht Welter heute darüber. Damals ließ er sich nicht davon entmutigen und legte zwei Jahre später erfolgreich die Prüfung zum Gerichtsvollzieher ab. Der Wechsel von Köln nach Geilenkirchen und die Beförderung zum Obergerichtsvollzieher folgten. Seit 1992 unterrichtete er noch zusätzlich seine jüngeren Kollegen in Monschau.

In den Jahren als Gerichtsvollzieher in Geilenkirchen haben viele Kollegen Welter schätzen gelernt, dies zeigten schon die zahlreichen Besucher, die zu Ehren seines Dienstjubiläums gekommen waren. Einer brachte sogar ein großes Ballonkunstwerk mit.

Auch Direktorin Waßmuth dankte ihm nicht nur für seine langjährige Treue zur Justiz, sonder auch für den einen oder anderen Ratschlag, denn Welter ihr in ihrer Anfangszeit als junge Richterin gegeben habe. Die 50 Jahre hätten ihn „zu einem erfahrenen und nicht nur bei Gläubigern, sondern auch bei Schuldnern geschätzten Mann“ gemacht, so Waßmuth. „Das lässt sich nur durch ein energisches, souveränes, aber auch menschliches und verständnisvolles Auftreten erreichen.“

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