Geilenkirchen - Mobile Jugendarbeit: Ghettoblaster ist ein Schlüssel zur Jugend

Mobile Jugendarbeit: Ghettoblaster ist ein Schlüssel zur Jugend

Von: Udo Stüßer
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Mit Ghettoblaster, Fuß- und Basketball in Geilenkirchen unterwegs: Sozialpädagoge Dragan Samardzic betreibt mobile Jugendarbeit für die evangelische Kirche. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Wenn Dragan Samardzic mit seinem Kleinwagen am Sportzentrum Bauchem, am Wurmauenpark, auf dem Marktplatz oder in den Parkhäusern am Bahnhof und hinter dem Rathaus auftaucht, ist das Hallo oft groß. Mittlerweile ist der 28-Jährige bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen recht bekannt.

Und wenn er dann Ghettoblaster, Fuß- oder Basketball auspackt, ist von Langeweile keine Spur mehr. Und wenn mal keine Action gefragt ist, kann man mit dem jungen Mann auch einfach nur mal reden. Getränke, Knabbereien und frisches Obst hat er auch immer in seinem Kofferraum. „Das ist mein Schlüssel zur Jugend“, sagt er.

Seit zwei Monaten ist Dragan Samardzic als Sozialpädagoge für die mobile Jugendarbeit in und um Geilenkirchen im Auftrag der evangelischen Kirche im Einsatz. Während Diplom-Sozialarbeiterin Sibilla Gärtner im evangelischen Jugendheim Zille seit Jahren schon den Jugendlichen Freizeitangebote anbietet, ist Samardzic nun auf der Straße unterwegs.

Er macht den Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 27 Jahren kreative und sportliche Angebote und sucht das Gespräch. Es sind junge Menschen aus sozial schwachen Familien, die er auf der Straße trifft, aber auch Mädchen und Jungen aus bürgerlichem Haus, die Langeweile haben. Und so wird gemeinsam Fuß- oder Basketball gespielt, werden Tricks auf dem Skateboard ausgetauscht, und wenn keiner Lust auf Aktivitäten hat, kann man auch einfach mal chillen.

Dann erzählen die Jugendlichen auch von ihren Sorgen. Sie erzählen von Problemen im Elternhaus und in der Schule. Es sind, so hat Samardzic erfahren, nicht nur die Noten, die zu schaffen machen. Auch Mobbing ist ein ganz großes Thema. Der Sozialarbeiter hat in seiner kurzen Zeit auf der Straße schon beide Seiten kennengelernt: die Mobbingopfer und die Täter.

Zunächst geht es ihm darum, Vertrauen zu schaffen: Seit November stellt er sich im öffentlichen Raum den Jugendlichen vor und gibt seine Kontaktdaten weiter. „Anfangs standen die Kinder und Jugendlichen mir natürlich kritisch gegenüber. Doch das Eis ist schnell gebrochen. Meine Gesprächsthemen wurden schnell aufgegriffen. Die Jugendlichen haben keine Hemmungen mehr. Nun rede ich mit ihnen über ihre Hobbys“, freut sich Samardzic über erste Erfolge.

Musste er anfangs die jungen Leute noch auf der Straße ansprechen, so kommen sie jetzt schon auf ihn zu. „Sie sollen verstehen, dass es um Vertrauen geht, dass ich keine Kontrollfunktion habe, dass ich weder Polizei noch Ordnungsamt bin. Schweigepflicht ist ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit.“

Geht es in einer ersten Phase um den Aufbau von Vertrauen, so hofft Samardzic, dass sich die Jugendlichen später ihm gegenüber öffnen. Er sieht sich nämlich keineswegs als Entertainer auf der Straße: Er will künftig bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz helfen, bei Problemen in der Schule unterstützen und Kontakte zur Drogenberatung vermitteln.

Er will helfen, wenn sein Rat gefragt hat. Auch bei heiklen Themen. Für den Notfall hat er sogar einige Packungen Kondome im Kofferraum, falls auch diese Hilfe erfragt wird. „Manchen Jugendlichen fehlt sogar dafür das Geld“, hat er festgestellt.

Mittelfristig will er natürlich manche Verhaltensweisen ändern, beispielsweise wenn es um Drogen geht oder wieder einmal Autos mit quietschenden Reifen durch das Parkhaus gesteuert werden. „Dafür muss man aber viel Geduld aufbringen“, sagt er.

„Schwerpunkt meiner Arbeit ist Bauchem, weil dort der größte Teil meiner Klientel lebt“, erklärt der Sozialpädagoge, der dort etwas für die Jugend aufbauen möchte. Aber auch in den Dörfern will er Jugendarbeit aktivieren, beispielsweise in Teveren, Gillrath und Süggerath. „Laut einer Sozialraumanalyse gibt es dort für die Jugendlichen kaum Angebote.“ Den Mittwochnachmittag hat sich Samardzic deshalb für den Besuch in Teveren und Neuteveren freigehalten.

Über den Sport und über den kreativen Bereich will der junge Mann an die Jugend herankommen. Jeden Samstag hält er sich im Wurmauenpark auf und bittet die Jugend zum Fußball, Basketball oder Skaten. „Die Skaterszene habe ich bereits gut kennengelernt, mit den Skatern plane ich ein Turnier“, erklärt der Sozialpädagoge der selbst bis zur A-Jugend die Fußballschuhe für die SG Süggerath-Tripsrath geschnürt hat.

In Bauchem, so hat er festgestellt, gibt es mit dem FC Germania einen in der Jugendarbeit besonders engagierten Verein. Hier will er über den kreativen Bereich die Jugend für sich gewinnen. Im März und April will er hier ein Graffiti-Projekt starten. Nach einem Workshop, in dem die Teilnehmer den richtigen Umgang mit der Spraydose erlernen, sollen triste Wände in der Stadt bunt gestaltet werden. Erste Ausflüge mit Jugendlichen hat er ebenso geplant.

Auch will er auf die Angebote des evangelischen Jugendheims „Zille“ aufmerksam machen, in dem unter anderem auch Sprachkurse, Nachhilfeunterricht, Tanz- und Fitnesskurse angeboten werden. Dabei ist er sich sicher, bald in Bauchem ein eigenes Büro zu bekommen. Aber auch dann noch wird er mit Ghettoblaster, Fußball und Knabbereien auf der Straße sein.

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