Geilenkirchen - Mobbing steht beim Theaterstück „Reich und schön” im Mittelpunkt

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Mobbing steht beim Theaterstück „Reich und schön” im Mittelpunkt

Von: Danielle Schippers
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Ein Blick in ein typisches Kla
Ein Blick in ein typisches Klassenzimmer: in der ersten Reihe die „Streber”, dahinter die „Coolen”, alle in ihren Cliquen. Foto: Danielle Schippers

Geilenkirchen. „Du bist nicht reich! Du bist nicht schön! Was willst du hier?” So beginnt das Theaterstück „Reich und schön”, das der Literaturkurs der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule einstudiert und mitreißend, tragisch und auch lustig aufgeführt hat.

Das Thema Mobbing begegnet uns fast täglich in den Medien. Aber was bedeutet es für die Betroffenen und wie sehen das Jugendliche?

Das Theaterstück behandelte genau dieses empfindliche Thema, und zwar aus einer sehr authentischen Sicht von Schülern der 12. Klasse. Wo Cliquenbildung aufhört und wo aggressive Ausgrenzung Einzelner anfängt, ist für Außenstehende schwer zu sagen. Besonders in der Schule haben viele Jugendliche unter destruktiven Mobbing und den psychischen Folgen zu leiden. Sie haben aber auch mit vielen anderen Problemen zu kämpfen, die Erwachsenen so nicht bewusst sind.

In dem Theaterstück geht es um „X”. „X” könnte jeder Mensch sein, jeder Mensch hat ein kleines x in sich. X wurde von den Klassenkameraden gedemütigt und ausgegrenzt und will sich umbringen. Sehr einfühlsam zeigt diese Geschichte, wie jeder Schüler mit seinen eigenen Problemen zurechtkommen muss. Alle Klassenkameraden gehen ihrem alterstypischen Alltag mit Lernen, Sport, Shoppen und Partys nach. Es bildet sich in der Klasse eine Dynamik heraus, die X, von den anderen unbemerkt, in den Selbstmord treibt.

Jasmin Gregorz (18) spielt die schwierige Rolle X: „Ich fand das Stück direkt so gut, weil es die Realität in den Schulen zeigt. Ich wurde früher auch gemobbt und konnte mich deswegen mit meiner Rolle identifizieren. Ich wünsche mir, dass es öfter so ein Happy End gibt wie hier.” In der Klasse gibt es verschiedene Stereotypen mit ihren eigenen Problemen und Sorgen, die in jeder Gruppen von Jugendlichen zu finden wären. Beispielsweise den stylischen Sportler (gespielt von Marvin Sonntag), der natürlich mit der reichen und verzogenen Tussi (Alyssa Kleffner) zusammen ist, die obligatorischen Streber (Franz Tröster u. Jaqueline Engels), die übergewichtige „BigMac” (Isabell Jansen) und den bekifften Chiller (Oliver Peters).

Die schüchterne Rita (Sarah Odenkirchen) versucht den ihren zickigen Klassenkameradinnen alles recht zu machen und die anzügliche Carmen (Jeanette Wiese) spannt gerne Freunde aus. Diesen Rollen, und vor allem den Dialogen, merkt der Zuschauer sofort an, dass sie zwar stereotypisch überspitzt sind, aber von Jugendlichen selber sehr feinfühlig konstruiert sind. „Es gibt diese Rollen wirklich in jeder Klasse, leider auch X, das Opfer”, bestätigt Oliver Peters (18).

Zeitgleich versuchen Engel (Jasmin Rosenkranz) und Teufel (Marvin Barz), das verzweifelte X (Jasmin Gregorz) zum Selbstmord zu bewegen oder davon abzuhalten. Auch die Neue in der Klasse (Edith Mayungululu) die auch noch von einer Waldorfschule kommt, wird ausgegrenzt. Außerdem üben die unfähigen Lehrer (Andy Willems u. Sarah Jaschok) Druck auf die Schüler aus, anstatt sie bei ihren alltäglichen Problemen zu unterstützen.

In weiteren Rollen spielten Ann-Christin Welters, Sebastian Kolb, Amanda Ohlenforst, Angelika Miller, Franz Tröster und Christina Streich. Geschrieben wurde das Theaterstück vor zwei Jahren von Eva Vieth für einen Literaturkurs einer 12. Klasse aus Solingen. Die Schüler, ebenfalls aus der 12. Klasse, von der Gesamtschule, haben es dann für ihre Gruppe angepasst. Unterstützt wurden sie bei den Proben, die schon im September 2011 begonnen haben, von ihrer Lehrerin Annalena Bachmann-Wilms.

Bei der Premiere hatte der Zuschauer das Gefühl, mitten in ein deutsches Klassenzimmer oder auf den Schulhof zu gucken, erschreckend, wie alltäglich Mobbing hier ist. Neben den Schauspielern, die alle überzeugend und mit viel Spaß an der Sache ihre Rollen gespielt haben, sorgten Maitreya Kempen und Lukas Obst für das Licht. Besonderer Dank ging an Bernd Neffgen, der den Literaturkurs mit der Tontechnik unterstützt hat, die Kursleiterin Annalena Bachmann-Wilms und die Soufleuse Irina Broedel.

„Zum Nachdenken anregen”, das ist eigentlich eine aussagelose Floskel. Aber genau dies tut dieses Stück. „Mir kamen die Szenen aus dem Stück beim ersten Lesen direkt bekannt vor. Ich würde mir wünschen, dass Schüler mehr darüber nachdenken wie sie sich verhalten. Wir haben selber viel gelernt dadurch und ich hoffe, dass es dem Publikum auch bewusst wird, was Mobbing bedeutet und für schlimme Folgen haben kann”, sagt Sarah Odenkirchen (18).

Spannend, emotional, lehrreich und lustig gespielt war das Theaterstück. Trotz kleiner sympathischer Versprecher und lustigen Pannen eine gelungene Premiere als Belohnung für die langen Proben für die Schüler. Und zum Ende hat ja sogar die Klingel funktioniert.
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