„Mobbing“ in der CDU: Lust auf Wahlkampf sinkt

Von: Udo Stüßer
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„Entsetzt“ über den Vorwurf von Slupik, es werde Öffentlichkeitsarbeit à la Honecker von ihr verlangt: Geilenkirchens CDU-Parteivorsitzende Theresia Hensen. Foto: Udo Stüßer
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Sah sich vor ihrem Rücktritt als Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes kaltgestellt: Ex-Pressesprecherin Barbara Slupik. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Nachdem Barbara Slupik als Pressesprecherin und Mitglied des geschäftsführenden CDU-Stadtverbandsvorstandes Geilenkirchen die Brocken hingeworfen hat, geht der Knatsch hinter den Kulissen weiter.

In dem E-Mail-Verkehr zwischen führenden Christdemokraten, der unserer Redaktion vorliegt, ist unter anderem von Mobbing, destruktivem Verhalten und mangelnder Geschlossenheit die Rede.

Barbara Slupik war zurückgetreten, weil man aus ihrer Sicht ihre Kompetenzen beschnitten hatte. „Entsetzt“ zeigt sich die Geilenkirchener CDU-Parteivorsitzende Theresia Hensen über den Vorwurf von Slupik, es werde Öffentlichkeitsarbeit à la Honecker von ihr verlangt. „Meine Bitte, von ihr verfasste Presseberichte mir vor der Veröffentlichung vorzulegen, veranlasste sie zu dieser erschreckend polemischen Äußerung“, schreibt Hensen an die Vorstandsmitglieder des CDU-Stadtverbandes.

Slupik zur Seite steht in dieser Auseinandersetzung der langjährige CDU-Stadtverordnete Karl-Peter Conrads.

Dass Hensen eine gewisse Richtlinien- und Themenkompetenz besitze, liege in der Natur der Sache, schreibt er. Aber dass Barbara Slupik jedes Wort von ihr oder von dem für Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Wilfried Kleinen abzeichnen lassen müsse, sei „schlicht lächerlich“. Im weiteren Verlauf seines Schreibens kritisiert Conrads einen unfairen Umgang in einem zusammenarbeitenden Team und einen nicht offenen und nicht transparenten Umgang mit den übrigen Mitgliedern des Gremiums.

„Ich fühle mich im Nachhinein schlicht hintergangen, und als Intention kommen mir da ganz andere Gedanken als die der Teamarbeit. Auf dem Schulhof und im Arbeitsleben käme sicherlich die Begrifflichkeit des Mobbing auf. „Soll nun mit jedem, der nicht auf Linie ist, so umgegangen werden?“, fragt Conrads. Der Versuch der Teamarbeit dürfe zunächst als gescheitert angesehen werden und das „Rette-sich-wer-kann“ bald losgehen.

„Glauben Sie ernsthaft, dass unter solchen Bedingungen ein erfolgreicher Bürgermeister-Wahlkampf zu führen ist?“ Bei Fragen und Aussagen wie „Was habt ihr euch denn dabei gedacht?“ oder „Den, nie“ könne von großer Zustimmung in der Bevölkerung keine Rede sein. „Darüber hinaus überflüssige interne Mobbingveranstaltungen steigern auch nicht die Lust zum Mitmachen.“

Barbara Slupik sah sich vor ihrem Rücktritt, wie sie in einem Schreiben an Parteikollegen schildert, als Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes kaltgestellt. Kleinen habe ihr mitgeteilt, dass die Öffentlichkeitsarbeit nun komplett über seinen Schreibtisch laufe, sie selbst habe ihm zuzuarbeiten. „Des weiteren erklärte mir Herr Kleinen, was ich generell als Pressesprecherin dürfe, was ich zu unterlassen hätte und was vielmehr in seinen Händen bzw. denen Frau Hensens und Herrn Wolffs liege. So hätte ich mich beispielsweise nicht gegenüber der Presse bezüglich Fraktion oder Stadtverband zu äußern.“

Destruktives Verhalten

Kein Verständnis für das Geschehen der vergangenen Wochen und für die Umgangsweise miteinander hat Friedhelm Thelen, Ortsvorsteher von Apweiler, Immendorf und Waurichen. Der eher zurückhaltende CDU-Mann schreibt: „In den mehr als 30 Jahren meiner aktiven Teilnahme am kommunalpolitischen Geschehen habe ich ein solch destruktives Verhalten noch nicht erlebt.“ Dass die hier praktizierte Vorgehensweise nicht nur dem Erscheinungsbild der CDU insgesamt, sondern auch dem Bürgermeister Ronnie Goertz schade, scheine eine untergeordnete Rolle zu spielen.

„Nur weiter so, dann wird es (ich hoffe, dies wird nicht geschehen) unter Umständen nicht nur bei der Bürgermeisterwahl ein böses Erwachen geben, sondern die CDU bei der nächsten Kommunalwahl die Quittung erhalten.

„Einigkeit und Geschlossenheit, auch was die Unterstützung von Ronnie Goertz betrifft, scheinen für einige Parteimitglieder Fremdwörter zu sein.“ Reaktionen in der Form „Kann man von einer zerstrittenen CDU denn eine erfolgreiche Politik erwarten“ habe er zu Genüge aus den Reihen der Bevölkerung erhalten.

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