Mit Tim und Tula gegen das Gewaltgefühl

Von: Wilfried Rhein
Letzte Aktualisierung:
„Kindergarten plus”, eine be
„Kindergarten plus”, eine besondere Form pädagogischer Gewaltvorbeugung, hält Einzug in die Tagesstätten der Stadt. Am Wochenende beginnen die Schulungen der Erzieherinnen. Foto: imago/Jens Koehler

Geilenkirchen. Tula und Tim gehen jetzt häufiger in den Kindergarten. Die kleine Blonde mit Mittelscheitel und blauer Latzhose taucht immer zusammen auf mit ihrem braunhaarigen Gefährten im Ringelpulli.

Auch an das Gesicht mit den lustigen Sommersprossen wird man sich in den elf Kindertagesstätten der Stadt Geilenkirchen gern gewöhnen. Tim und Tula sind eine Art Botschafter. Sie sind buntgezeichnete Repräsentanten für ein frisches pädagogisches Programm in den Kitas, ein Mehrwert für die Erziehung. In einem Wort: Kindergarten plus.

Entwickelt von der „Deutschen Liga für das Kind” - zu den mehr als 250 Mitgliedsorganisationen gehören wissenschaftliche Gesellschaften, kinderärztliche- und psychologische Vereinigungen, Familien- und Jugendhilfeverbände - , nimmt das Jugendamt der Stadt Geilenkirchen die Chance gerne wahr, die Vorteile des Projekts für sich zu bewahren. Die Realisierung ist jedoch neben persönlichem Engagement auch mit Aufwand für Materialien verbunden. Dafür hat man einen lokal sehr aktiven Förderer gefunden - den Lions Club.

In der Praxis erprobt

Der Vorstand der Lions im Verein Geilenkirchen/Übach-Palenberg und Daniela Bercke, im Jugendamt der Stadt Fachberaterin der städtischen Kindertageseinrichtungen, hatten die Idee aufgegriffen und die elf Einrichtungen motivieren können, an „Kindergarten plus” teilzunehmen.

Daniela Bercke über den sachlichen Inhalt: „Ein wissenschaftlich fundiertes, praktisch erprobtes und bundesweit erfolgreiches Bildungs- und Präventionsprogramm zur Stärkung der kindlichen Persönlichkeit. Das Programm richtet sich an vier- bis fünfjährige Kinder in Kindertageseinrichtungen. Es fördert die sozialen und emotionalen Kompetenzen und beugt dadurch Sucht und Gewalt wirksam vor.”

Ein Lernerfolg in der Kindertagesstätte soll unverzichtbare Basisfähigkeiten für das Leben entwickeln helfen: Selbst- und Fremdwahrnehmung, Einfühlungsvermögen, Kommunikations-, und Konfliktfähigkeit, Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit und Eigenkompetenz, Motivationsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und Beziehungsfähigkeit, heißt es in der Projektbeschreibung: „Kindergarten plus verfolgt einem ganzheitlichen Bildungsansatz, der alle Sinne anregt, sowie emotionales, soziales und geistiges Lernen ermöglicht.”

Wie viel Aufwand generell nötig sein wird, sei im Einzelfall noch zu prüfen, sagt Daniela Bercks. Das muss sich auch erklären bei der Schulung der an „Kita plus” beteiligten rund 60 Mitarbeiterinnen der Tagesstätten. Ab dem kommenden Wochenende werden sich die Erzieherinnen in Gruppen auf die Ziele fortbilden lassen.

Mit neun „Bausteinen” sollen sich die Kinder in ihrer Persönlichkeit stärken. Je Modul wird eine Woche Zeit investiert, „was aber auch länger ausfallen darf”, lenkt Daniela Bercks vor pädagogischem Hintergrund ein. Die Arbeit in der Tagesstätter lässt sich in den Bereichen Sprache oder Musik und anderen später fortsetzen. Die Basis soll gelegt werden in kleinen Gruppen von acht bis zwölf Kindern ohne Ausschluss von Behinderungen. Die Eltern der Kita-Kinder werden auf verschiedene Weise über das Projekt informiert.

Daniela Bercks sieht für „Kindergarten plus” eine „positive Ausgangsposition für nachhaltige Effekte”. Nachhaltig auch die Lösung des finanziellen Aufwands: Der Lions Club stützt mit mehr als 10 000 Euro. „Wir übernehmen auch den Eigenanteil, der sonst von den Einrichtungen gezahlt werden müsste”, erläutert Charles Russel. „Das schaffen wir auch dank einer sehr erfolgreich gelaufenen Adventskalender-Aktion.”

Sollte „Kita plus” ebenso gut in den Tagesstätten angenommen werden, sagt Charles Russel, stellt sich der Lions Club eine Fortsetzung dieser Zusammenarbeit vor. So werden aus Tula und Tim vielleicht noch Stammgäste.
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