Mit Sport und frischer Kost gegen den Speck

Von: Udo Stüßer
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Fitness-Trainer Sebastian Müller mit Sabrina Jandousek, die dreimal in der Woche im Studio trainiert. Auf dem Crosstrainer will die 28-Jährige ihre Kondition verbessern und Stress abbauen. Foto: Udo Stüßer
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Sie empfiehlt frische Kost: Ernährungsberaterin Helga B. Mommer Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Jetzt nehme ich ab!“ Oder: „Jetzt treibe ich Sport!“ Wer kennt nicht die guten Vorsätze zum Jahresbeginn. Diäten und Erfolg versprechende Pillen sind oft die Folgen. „Nur etwa 25 Prozent der Bevölkerung treiben regelmäßig Sport, 30 Prozent gelegentlich, und 45 Prozent machen keinen Sport“, erklärt der in Geilenkirchen niedergelassene Internist und Sportmediziner Dr. Horst Gillessen.

Zu den 25 Prozent, die regelmäßig Sport treiben, gehört auch die 28-jährige Sabrina Jandousek. Dreimal in der Woche besucht sie das Fitness-Studio im Sportpark Loherhof. „Es ist ein gutes Gefühl, es ist gut für die Ausdauer, und es ist ein guter Ausgleich für einen stressigen Beruf“, begründet die Restaurantfachfrau ihr jeweils einstündiges Training. Studioleiter Sebastian Müller stellt derweil fest: „Man sieht jetzt viele neue Kunden, und auch die ‚Karteileichen‘ haben gute Vorsätze für das neue Jahr gefasst.“

Der Diplom-Sportökonom kennt auch die Gründe: „In der Weihnachtszeit haben viele Menschen zu viel gegessen und wollen mit Blick auf den Sommer den Winterspeck abbauen. Gründe für Sport treibende Menschen seien Stressabbau, Gesundheit und Prävention. Gerade in einem Fitnessstudio spiele auch der soziale Aspekt eine große Rolle. „Man kann beim Sport neue Leute kennenlernen, das Gruppen-Fitness-Training bei guter Musik unterstützt hier ebenfalls die Motivation.“ Wichtig sei, so betont Müller, der Spaß am Sport. „Gerade die Kurse zwingen zu einem einstündigen Fitnesstraining, egal ob Kraft- oder Herz-Kreislauftraining.

Krafttraining nicht vergessen

Doch wie lange halten die guten Vorsätze an? „In der Fitness-Branche gibt es eine Kurve: In den ersten drei Monaten erfahren wir einen großen Schub, von März bis Juni geht es etwas zurück, dann steigt es wieder etwas an.“ Auch hier kennt der Sportökonom den Grund: „Am Anfang sind die Leute übermotiviert. Sie kommen fünfmal in der Woche und erwarten schnelle Erfolge, die aber oft nach drei Monaten nicht in dem Maße sichtbar sind, wie sie es sich erhoffen.“

Der Schweiß fließt in Strömen, und trotzdem purzeln die Pfunde nicht wie gewünscht? „Nein, viele beschränken sich auf ein reines Konditionstraining und vergessen dabei das Krafttraining. Durch das Krafttraining wächst der Grundumsatz, der Körper hat einen höheren Kalorienbedarf und verbrennt den ganzen Tag über“, empfiehlt Müller ein Gleichmaß an Kraft- und Ausdauertraing. Kraft und Ausdauer führen zum Erfolg.“ Und damit die Motivation bleibt, setzt er auf immer neue Ziele: Gewichte erhöhen und dadurch Trainingserfolge zu erzielen und die Kondition steigern. „So macht Sport Spaß.“

Der Allgemeine Turnverein Geilenkirchen hingegen erfährt zum Jahresbeginn nicht mehr und nicht weniger Zulauf. Dafür ist die Mitgliederzahl mit 1300 konstant. „Dass wir bereits in der Vergangenheit neue Mitglieder gewonnen haben, liegt auch an unserem Kursangebot. Yoga- und Aerobic-Power-Kurse haben die Leute angezogen. Viele scheuen vielleicht auch eine ständige Vereinsmitgliedschaft, und wollen sich uns nur für die Dauer eines Kurses anschließen“, sagt Hartmut Esen, Vorsitzender des ATV.

Dass die Menschen sportlich motiviert an den Start gehen, spürt Sven Cüppers, Inhaber des „Sportsfreund“ in Geilenkirchen. „Zum Jahresbeginn ist der Andrang in meinem Geschäft wesentlich größer, weil sich viele Kunden im Fitnessstudio angemeldet haben oder laufen wollen“, sagt er. „Die Kunden sagen auch, dass sie fitter werden wollen.“

Es sind neue Kunden, die sich hier erstmals einkleiden, aber auch „alte Kunden“, die wieder richtig loslegen wollen. Gerade für die Kunden, die erstmals mit Sport beginnen, sei eine ausführliche Beratung wichtig. „Denn wenn man den falschen Laufschuh kauft, kann das sogar gesundheitsgefährdend sei“, sagt Sven Cüppers und denkt dabei an mögliche Rücken- und Kniepro–bleme oder Schmerzen in der Achillessehne. „Eine halbe Stunde Zeit muss sich der Anfänger für den Kauf eines Schuhs schon nehmen. Dafür gibt es bei uns dann auch eine Zufriedenheitsgarantie“, erläutert er.

Was sie von Diäten und Erfolg versprechenden Pillen hält, sagt uns Dipl.-Oecotrophologin Helga B. Mommer.: „Diäten und Pillen fördern die Gewichtzunahme. Sicherlich kann man sich kurzfristig durch einseitige Diäten quälen, beispielsweise durch eine Kohlsuppendiät oder durch eine Eierdiät. Man verliert dann auch ein paar Pfunde. Wenn man dann aber wieder „normal“ isst, sind die Pfunde, die man sich abgehungert hat, schnell wieder drauf, und es kommen noch einige mehr dazu.

Das Gleiche gilt auch für Pillen. Was abnimmt, ist lediglich das Portemonnaie.“ Sicherlich würden viele Menschen daran glauben, weil es viel einfacher ist, Pillen zu nehmen, als das eigene Essverhalten zu ändern“. Die Ernährungsberaterin erklärt, wie man vernünftig und dauerhaft abnimmt: „Indem man die Ernährung professionell umstellt. Das heißt, dass man sich ausgewogen ernährt und die Ernährungsgewohnheiten dauerhaft verändert. Übergewichtige machen kleine Fehler im Alltag. Manche essen zu schnell, andere zu wenig, wieder andere das Falsche. Auch zu geringe Nahrungsaufnahme kann Ursache einer Gewichtszunahme sein, weil der gleiche Effekt wie bei Diäten entsteht.“

Die meisten Menschen glauben, sie dürften sich nur nach Kalorien ernähren. Sie gehen davon aus, dass sie abnehmen, wenn sie weniger Kalorien zu sich nehmen. Da allerdings ist Helga Mommer ganz anderer Meinung: „Wer wenig isst, nimmt auch nur wenige Nährstoffe auf. Die Nährstoffe dürfen aber nicht reduziert werden, weil der Körper sie über den ganzen Tag verteilt braucht.“ Sie vergleicht das gerne mit einem Auto: Wenn Benzin, Öl oder Luft im Reifen fehlt, kann es nicht fahren.

„Und wenn dem Körper Nährstoffe fehlen, kann das System nicht funktionieren. Der Körper benötigt mehrere Mahlzeiten am Tag, damit er arbeiten kann. Und nur wenn der Körper arbeitet, kann er überflüssiges Fett verbrennen.“ Jedes Jahr gibt es neue Diäten und neue Theorien. Eigentlich müsse man nur die Summe dessen sehen, was man am Tag zu sich nimmt. „Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, dem Körper die Nährstoffe über frische Lebensmittel zur Verfügung zu stellen. Fertigprodukte sollte man meiden, weil die Kaloriendichte höher ist und weniger Nährstoffe enthalten sind“, empfiehlt sie.

Für ein gesundes Essen müsse man nicht lange in der Küche stehen. Man könne schnell gesund und preiswert kochen. Aber viele Frauen könnten heute gar nicht mehr kochen. „Wenn Frauen ganztägig berufstätig sind, abends noch den Haushalt und Organisatorisches erledigen müssen, haben sie abends oft keine Lust und auch keine Zeit zu kochen. Dann wird schnell mal eine Pizza in den Ofen geschoben oder an der Ecke die berühmte Portion Pommes geholt. Und die Töchter dieser Frauen lernen es gar nicht mehr. In der Schule wird das Kochen auch nicht mehr unterrichtet.“ Manche Verbraucher seien bei den vielfältigen Angeboten in den Supermärkten überfordert.

„Sie wissen nicht, was gesund ist, weil alles als gesund deklariert wird. Eines sollte man sich merken: Frisch ist am besten.“ Eine Gewichtsreduktion bedeute nicht gleichzeitigig, auf Genuss verzichten zu müssen. „Man sollte dabei ganz normal leben und feiern können. Aber vieles sollte man nur in Maßen tun. Ein großes Thema ist dabei Alkohol. In unserer Gesellschaft wird reichlich Alkohol getrunken. Dabei hat Alkohol sehr viele Kalorien. Außerdem fordert er die Leber sehr und kann zur Leberschädigung führen. In der Zeit, in der die Leber Alkohol abbaut, kann sie kein Fett abbauen.“

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