Gangelt - Mit Plätzchen und Keyboard gern auf Tour

Mit Plätzchen und Keyboard gern auf Tour

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
Jonas präsentiert stolz eines
Jonas präsentiert stolz eines der vielen Backbleche, auf denen die Plätzchen für den Besuch von den vielen Aktiven der Gruppe (Bild) hergestellt werden. Rechts Hauptschul-Lehrer Hans-Jürgen Schweer, daneben Frank Remarque. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Jonas ist der jüngste Teilnehmer, Papa Frank der älteste, wenn es darum geht, alten und kranken Menschen in der Gemeinde in der Vorweihnachtszeit eine Freunde zu machen.

1973 war es, als Hans-Jürgen Schweer, Lehrer an der Gangelter Hauptschule, im Religionsunterricht dem „guten Reden” auch „gute Taten” folgen lassen wollte. Daraus wurden, mit der ersten Klasse, Besuche bei Leuten aus dem Bekanntenkreis der Schüler.

Mitgebracht wurden Apfelsinen, Saft oder Kaffee, der von zuhause beigesteuert wurde. Irgendwann kam man dann auf die Idee, in der großen Schulküche Plätzchen zu backen und diese dann bei einem kurzen Besuch zu verteilen.

Große Dankbarkeit

Es sind immer wieder ergreifende Momente, die er und seine Schüler bei den alten Menschen erleben, erzählt Jürgen Schweer. Ob es die Tränen beim gemeinsamen Singen sind, ob es die Hoffnung der Kranken ist, sich im nächsten Jahr bei besserer Gesundheit wiederzutreffen, oder immer wieder die große Dankbarkeit, wenn da Jugendliche kommen, die ein bisschen zuhören, die etwas zu erzählen haben, die einfach Zeit mitbringen.

An der Aktion beteiligt sind heute Schüler aus allen Klassen. Damit nicht genug: Frank Remarque ist ein Relikt aus ganz alten GHS-Zeiten. Der heute 36-Jährige ist immer dabei gewesen, auch über die Schulzeit hinaus. Jonas ist sein Sohn, der zumindest beim Backen Vaters rechte Hand ist. Anja Grotthaus hat die Schule lange gegen einen Beruf getauscht und ist seit 15 Jahren immer wieder ein gerne gesehener Gast bei den Besuchen.

Im kommenden Jahr wird sich Jürgen Schweer wohl zum letzten Mal auf die „Reise” machen. Dann, vor seiner Pensionierung und zum 40. Jubiläum, würde er sich freuen, wenn möglichst viele der ehemaligen Schülerinnen und Schüler dabei sein könnten, wenn es wieder heißt, Freude, Zeit und Plätzchen zu schenken. Und all diejenigen, die auf dieser Jubiläumstour dabei sein wollen, können sich ja im Sekretariat der Hauptschule melden, hofft Jürgen Schweer auf Resonanz.

Es hat sich im Lauf der vielen Jahre zudem herumgesprochen, dass die Jugendlichen gerne die Briefmarken aus Korrespondenzen mitnehmen, die über das Jahr angefallen sind. Selbst damit wollen sie noch Caritatives erwirken.

„Bei unseren Besuchen hören wir dann immer wieder, dass man das ganze Jahr an uns gedacht hat, dass sogar Marken in der Verwandtschaft und bei Freunden gesammelt wurden”, erzählt Jürgen Schweer eine weitere Geschichte. Mittlerweile ist es so, dass auch Firmen und Unternehmen der Hauptschulgruppe ihre Briefmarken zur Verfügung stellen.

Lange Jahre hat die Gruppe es abgelehnt, Geld für ihre Besuche anzunehmen. Vor fünf Jahren hat sich das geändert und das gesammelte Geld wird nun der Aktion „Lichtblicke” zur Verfügung gestellt, die damit Straßenkinder in Ghana unterstützen.

Die Besuche bei den älteren und kranken Mitmenschen sind allen Teilnehmern freigestellt und finden nachmittags in der Zeit von 14.45 Uhr bis in den frühen Abend statt, manchmal wird es sogar nach 19 Uhr. Beteiligt sind im Durchschnitt acht bis 13 Kinder. Andere Lehrer der Hauptschule bieten sich dann als Fahrer an und bringen am Abend alle Teilnehmer wieder bis vor die heimische Haustür.

Trommeln und Trompeten

Da einige der Schüler ein Instrument spielen, kann das Singen immer wieder von Flöten, Mundharmonika, Trommeln, Trompeten, Gitarren und vor allem von einem Keyboard begleitet werden. Die Verbindung zu einigen der Besuchten ist so groß, dass für die Gäste extra gebacken wird. Und es kommt auch vor, dass die Aktiven aus der Gruppe zu Beerdigungen eingeladen werden, sollte einer der alten Menschen aus dem Besuchskreis verstorben sein.

Besondere Geschichten

Auch Sonderwünsche weiß die Gruppe zu erfüllen: „Die Tochter einer Bettlägerigen, die wir schon häufig besucht hatten, war zu unserem Termin anderswo beschäftigt” erzählt Hans-Jürgen Schweer. „Die Mutter wollte deshalb mit uns eine neue Besuchszeit arrangieren, so dass wir mit einer Autoladung voll Kinder auf dem Weg zu einem anderen Ort noch schnell dort vorbeifahren konnten.”

„Eine ganz besondere Geschichte habe ich jetzt gehört”, erinnert sich Lehrer Schweer schmunzelnd. „Da musste eine Tochter ihrer Mutter übers Jahr hinweg immer wieder die selbe Kassette abspielen. Es war die, die bei einem unserer Besuche heimlich aufgenommen worden war.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert