Mit Messer und Besenstiel: Angriffe im Geilenkirchener Rathaus

Von: Jan Mönch
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Rathaus Geilenkirchen
Das Geilenkirchener Rathaus gestern Nachmittag: Mehrere Mitarbeiter waren aufgrund der Attacken schon dienstunfähig. Foto: Jan Mönch
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In dieser Obdachlosenunterkunft in Kogenbroich war der 31-Jährige bislang untergebracht. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. Foto: K. Menne

Geilenkirchen. Der Randalierer, der die Mitarbeiter des Geilenkirchener Rathauses in den vergangenen Monaten wiederholt in Angst und Schrecken versetzt hat, sitzt in Untersuchungshaft. Grund dafür ist eine erneute Attacke des Mannes, dieses Mal war er bewaffnet: Mit einem Messer und einem Besenstiel soll er vor dem Rathaus auf den Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes losgegangen sein.

Heinsbergs Kreispolizei und die Staatsanwaltschaft bestätigten diese Woche entsprechende Informationen unserer Zeitung. Der Vorfall ereignete sich bereits am 12. Juli.

Bei dem Randalierer handelt es sich um einen 31 Jahre alten Deutschen, der drogenabhängig sein soll und außerdem offensichtlich hochgradig aggressiv ist. Er soll auch schon mindestens einen Aufenthalt in den psychiatrischen Einrichtungen in Gangelt hinter sich haben. Außerdem hat er Anspruch auf Sozialleistungen, was ihn regelmäßig dazu bewegt, im Rathaus vorstellig zu werden – je nach Bedarf unter Umständen allerdings auch dann, wenn ihm sein Geld bereits ausgezahlt worden ist. Die Mitarbeiter können dann freilich nichts für ihn tun.

Die folgenden Wutausbrüche sind derart gravierend, dass sich auch schon die Politik mit ihm beschäftigen musste. Im Juni hatte der Stadtrat nachträglich eine außerplanmäßige Aufwendung von 35.000 Euro genehmigt, die die Verwaltung dafür veranschlagt hatte, den besagten Sicherheitsdienst zu engagieren.

Vorangegangen war eine Attacke des Mannes im Mai: Damals zog er trotz bereits bestehenden Hausverbots durchs Rathaus, versuchte Türen einzutreten und zertrümmerte Möbelstücke. Verletzt wurde zwar niemand, doch nach Informationen unserer Zeitung waren mehrere Mitarbeiter anschließend dienstunfähig.

Die einzige Aufgabe des Sicherheitsdienstes besteht nun darin, während der kompletten Dienstzeit vor dem Rathaus herumzustehen, falls der Aggressor wieder erscheint. An jenem 12. Juli, einem Mittwoch, war es so weit: Der Mann kreuzte zunächst in der Mittagszeit am Rathaus auf. Als ihm der Zutritt verwehrt wurde, stieß er wilde Drohungen aus. Der Vorgang wiederholte sich gegen 15 Uhr.

Um 16.30 Uhr schließlich kehrte er bewaffnet zurück: Mit einem Besenstiel attackierte er den Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Außerdem soll er ein Klappmesser in der Hand gehalten haben, ohne jedoch damit zuzustechen. Es gelang, ihn in die Flucht zu schlagen. Unweit des Rathauses folgte die Festnahme. Der Besenstiel konnte sichergestellt werden, das Messer allerdings nicht.

Wollte das Rathaus vertuschen?

Unsere Zeitung wurde auf die neuerliche Attacke durch einen Hinweisgeber aufmerksam gemacht, der anonym bleiben will. Er wirft dem Rathaus vor, es habe die Sache vertuschen wollen. In der Tat hatten weder Stadt noch Polizei den Vorfall von sich aus öffentlich gemacht.

Die Polizei sagt dazu, die Meldung sei wohl „untergegangen“ und dadurch nicht im täglichen Polizeibericht aufgetaucht. Aus dem Rathaus heißt es, man habe keinen Grund gesehen, die Sache öffentlich zu machen. Nur die Kommunalpolitik, die ja möglicherweise weiterhin die Aufwendungen für den Sicherheitsdienst genehmigen muss, wurde durch die Verwaltung darüber in Kenntnis gesetzt, dass es einen neuen Vorfall gegeben hatte.

Dass die Behörden keinen Wert darauf gelegt haben, die Öffentlichkeit von sich aus zu informieren, könnte damit zusammenhängen, dass die Angelegenheit noch eine andere Dimension hat: Wie im Juni bekannt geworden war, ist der Mann in der Obdachlosenunterkunft in Kogenbroich untergebracht. Wer mit den Leuten in dem Dörfchen spricht, das nicht einmal 100 Einwohner hat, der erfährt, dass man dort Angst vor einzelnen Bewohnern der Unterkunft hat. Dies scheint angesichts der Tatsache, dass ein Mann in ihrer Mitte lebt, vor dem das Rathaus sich für einen erheblichen Geldbetrag schützen lässt, nachvollziehbar. Allerdings ist nichts über Vorfälle in Kogenbroich bekannt, die mit denen im und vor dem Rathaus vergleichbar wären.

Dies bestätigte auch Uwe Jöris (CDU), Ortsvorsteher von Kogenbroch und den drei benachbarten Dörfern Hoven, Kraudorf und Nirm, diese Woche. Von dem Mann sei bislang keine Aggressivität ausgegangen. „Da hatten wir schon Leute da, die sich schlechter benommen haben“, sagt Jöris. Bei diesen Fällen sei vor allem die abgeschiedene Lage Kogenbroichs problematisch, gerade was den ÖPNV betrifft. Dies führe dazu, dass die Bewohner der Unterkunft sich viel in Kogenbroich aufhielten. Bei den allermeisten spreche da selbstverständlich auch nichts gegen, so Jöris.

Viele weitere Anzeigen

Wegen des Vorfalls vom 12. Juli ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen schwerer Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und Hausfriedensbruch gegen den 31-Jährigen. Außerdem liegen je zwei Anklagen wegen Beleidigung, eine Anklage wegen Bedrohung, zwei Anzeigen wegen Körperverletzung und zwei Anzeigen wegen Bedrohung vor. Möglicherweise werden sämtliche Punkte in einer Hauptverhandlung zusammengefasst.

Der Mann kann zunächst bis zu sechs Monate festgehalten werden, er sitzt in der JVA Aachen. In der Vergangenheit ist er bereits herumgekommen: In verschiedenen Städten in NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen handelte er sich Vorstrafen wegen kleinerer Delikte ein. Er ist gebürtiger Heinsberger.

Käme er auf freien Fuß, sähen die Rathausmitarbeiter sich wieder in der bisherigen paradoxen Situation: Einerseits müssen sie sich vor dem Mann schützen, andererseits sind sie dazu verpflichtet, ihm zu helfen. Eine andere Obdachlosenunterkunft als die in Kogenbroich gibt es nicht.

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