Geilenkirchen - Mit Kunst auf der Seite der Minderheiten

Mit Kunst auf der Seite der Minderheiten

Von: Andrea Schever
Letzte Aktualisierung:
11211838.jpg
Nach der Eröffnung betrachteten die Besucher die Bilder von Eva Pankok. Foto: Andrea Schever
11211842.jpg
Für die musikalische Untermalung sorgten Reuven Moskovitz, Friedhelm Lutzer und Bärbel Ehlert. Foto: Andrea Schever
11211905.jpg
In die Ausstellung führte Annette Dohrmann-Burger ein. Foto: Andrea Schever

Geilenkirchen. Bei der Eröffnungsfeier der Ausstellung „Er nannte mich seine Farbe“ der Künstlerfamilie Pankok am Sonntagmittag in Haus Basten herrschte reges Treiben zwischen den schwarz-weißen, aber auch bunten Werken.

Auch wenn die 90-jährige Eva Pankok aus gesundheitlichen Gründen an diesem Tag nicht anwesend sein konnte, waren die Verantwortlichen stolz auf die Ausstellung und zollten den Bildern von Eva Pankok und ihrem Vater Otto Pankok eine angemessene Würdigung.

Stolz begrüßte Bürgermeister Georg Schmitz die Gäste zu der von der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule initiierten Ausstellung und lobte den gelungenen Kontrast zwischen den zwei Malstilen. Auch Uwe Böken, Schulleiter der Gesamtschule, hieß die rund 60 Gäste willkommen und zeigte sich von der Lebensgeschichte des Künstlerehepaares Otto und Hulda Pankok beeindruckt, welche sich als prägend für Tochter Eva erwies.

Er sah in den Bildern, „mit welcher Hingabe Otto Pankok die Rechte der Minderheiten eingefordert hat“ und wünschte den Gästen, dass auch sie dies sehen mögen. Eine umfangreiche Einführung in Leben, Schaffen und Werk der Künstler gab Annette-Dohrmann-Burger, künstlerisch-pädagogische Leiterin des Pankok-Museums „Haus Esselt“.

Sie erklärte, dass „Eva Pankok stets im unmittelbaren Dialog mit ihrem Motiv steht“ und „nass in nass vor Ort an der Staffelei“ male, wodurch sowohl expressiv dynamische, aber auch vorsichtig einfühlsame Bildelemente entstehen können. Ihr Vater Otto Pankok bewahre „mit mahnendem Appell an die Zukunft in vielen Bildnissen die lebendige Erinnerung an das erlittene Leid der Juden, aber auch der Sinti und Roma“ eine Erinnerung an die Menschen,

„denen man das Recht auf ihre bloße Existenz absprach“. Zudem sah Dohrmann-Burger in der Ausstellung einen Bezug zur heutigen Situation und einen großen Aussagewert gegenüber allen Menschen in großer Not. Das Ende der offiziellen Eröffnung übernahm überraschend Reuven Moskovitz, der „Widerständler mit der Mundharmonika“, der eine Psalmmelodie und ein Ghettolied zu Gehör brachte.

Musikalisch umrahmt wurde das Eröffnungsprogramm von zwei jungen Pianisten der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule: Vievien Babor aus der Jahrgangsstufe 10 spielte neben ihrer Eigenkomposition „Ein Blick in dein Herz“ auch ein Thema aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“. In seiner Eigenkomposition „In Memoriam“ verarbeitete der Abiturient Kian Moghaddamzadeh die Eindrücke, die er bei einem Besuch der Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau gesammelt hatte.

Der eine oder andere Besucher konnte eine ernste bis bedrückte Miene beim Betrachten der Bilder nicht verstecken. So gestand auch Leonard Kuhn, stellvertretender Bürgermeister: „Wenn ich mir diese Bilder ansehe, kommt viel wieder hoch. Ich war unter anderem einmal in Auschwitz – und diese Eindrücke, die man dort sammelt, kommen bei diesen Motiven einfach wieder hoch.“

Gleichzeitig bot die Ausstellung im oberen Teil des Hauses Basten auch eine andere Seite der Pankok-Kunst. Dort präsentierten sich nämlich die Bilder von Tochter Eva, die im Gegensatz zu Otto Pankok zur hellen, intensiven Farbpalette griff. Diese Ausschließlichkeit bei der Farbwahl veranlasste ihren Vater zu der Äußerung „Du bist meine Farbe“, wodurch die Ausstellung ihren Namen erhielt.

Diese hellen, lebendigen Farben begeisterten die Gäste der Vernissage ebenso wie die ernste Aussagekraft der schwarz-weißen Bilder. Während Vater Otto sich auf verschiedenste Porträts und größere Werke mit ausdrucksstarken Menschen fokussierte, brachten Tochter Eva über Jahre hinweg viele Reisen ihre großen Leidenschaft: die Landschaftsmalerei. „Die Landschaften der Provence bedeuteten für sie und ihren Vater „eine Oase des Friedens und der Unzerstörtheit“, erklärte Annette Dohrmann-Burger.

Für eine zweite kleine Überraschung sorgte Reuven Moskovitz nach dem offiziellen Teil noch einmal zusammen mit Bärbel Ehlert und Friedhelm Lutzer. Gemeinsam mit den beiden Vaalser Musikern griff Moskovitz zu Geige und Akkoredon und erklärte „Ich kann keine Noten, und mein Geigenspiel ist genauso wie mein Leben eine Improvisation.“ Für die spontanen Darbietungen erhielten die drei Musiker reichen Applaus der Gäste.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert