Übach-Palenberg - Mit Freunden auf Jagd nach Schweinchen

Mit Freunden auf Jagd nach Schweinchen

Von: Christina Kolodzey
Letzte Aktualisierung:
Jede Teilnehmerin, jeder Spiel
Jede Teilnehmerin, jeder Spieler ist von der eigenen Wurftechnik beim Pétanque oder Boule (Bild) überzeugt. Das sorgte auch für fröhlichen Flachs unter den konkurrierenden Teams, die in Übach-Palenberg um Medaillen und Preise rangen. Foto: Christina Kolodzey

Übach-Palenberg. Haben Sie schon einmal versucht, ein kleines Schweinchen mit einer Eisenkugel zu treffen? Was sich anhört wie herzlose Tierquälerei, wurde im Naherholungsgebiet Übach-Palenberg mit wahrer Begeisterung zelebriert.

46 Mitglieder der Städtepartnerschaften Rosny-sous-Bois, Landgraaf und Übach-Palenberg trafen sich, um - wie es der Technische Leiter des Spektakels, Diemo Barthmann, drastischer formulierte - „die Sau zu treffen”.

Doch nicht nur für das „Schweinchen” wurde die Sache brenzlig. Ein Schauspiel wie im nervenaufreibenden Wilden Westen konnte man im beschaulichen „Westzipfel” beobachten. Gleich dutzendweise flogen Kugeln durch die Luft, und jeder versuchte, seine Gegner mit allen Tricks zu besiegen. Im Unterschied zum Western wurden die Geschosse jedoch nicht aus Revolvern abgefeuert, sondern präzise von Hand geworfen, und ihr Ziel waren nicht Menschen, sondern die kleine Kugel.

So ist es beim Boule-Turnier. Und einem „Schweinchen” wird dabei keine Borste gekrümmt, denn Schweinchen - auf Französisch „cochonnet” - ist schlicht die kleine Kugel aus Holz oder Kunststoff, auf die man bei diesem vor allem in Frankreich verbreiteten Freizeitspiel mit den größeren Eisenkugeln zielen muss.

Ein Jahr Vorbereitung

Stefan Starek, Vorsitzender des „Vereins zur Pflege internationaler Städtepartnerschaften Übach-Palenberg e. V.”, ist es zu verdanken, dass das Boule-Turnier - wie in jedem Jahr um diese Zeit - in Übach-Palenberg stattfinden konnte. Er hatte die Einladung an die Freunde aus Rosny-sous-Bois und Landgraaf zu diesem sportlichen Wettkampf ausgesprochen. Neun Franzosen sowie 17 Niederländer folgten ihr gerne; von deutscher Seite nahmen 20 Mitglieder des Partnerschaftsvereins teil.

Da beim vorigen Turnier ein Teilnehmer aus Rosny-sous-Bois gewonnen hatte, war es das erklärte Ziel der ehrgeizigen niederländischen Mannschaft, die Franzosen dieses Mal zu besiegen. In ihrem Boule-Club „JBC Streeperkruis Landgraaf” hatten sie sich ein ganzes Jahr lang intensiv auf dieses wichtige Ereignis vorbereitet.

Das Turnier wurde über drei Runden gespielt. Die Teilnehmer wurden durch das Los in Teams mit je sechs Spieler aus allen drei Ländern geschickt, so dass man sich spielerisch kennenlernen konnte. Alle Altersklassen waren vertreten, der jüngste Wettkämpfer mit elf Jahren aus Übach-Palenberg, der älteste aus den Niederlanden mit 78 Jahren.

Wie die Freunde aus Rosny-sous-Bois erklärten, laute die korrekte Bezeichnung für dieses Geschicklichkeitsspiel „Pétanque”, das Wort „Boule” gelte lediglich der Kugel. Und die muss auf losem Untergrund gespielt werden, wie im Umkreis des Musikpavillons, vor dem Split gestreut ist; Pétanque spielt man nicht auf Rasen.

Das „Schweinchen” wird möglichst weit von einer Linie aus ins Spielfeld geworfen, und dann gilt es, die im Durchmesser 73 Millimeter großen und 710 Gramm schweren Eisenkugeln auf oder möglichst nahe an das „cochonnet” zu werfen. Die Wettkämpfer gingen in die Hocke, um „das Gelände zu lesen” und brüsteten sich lautstark, um den Gegner einzuschüchtern: Und man zeigte Können, indem man die Boules nicht schleuderte, sondern mittels einer besonderen Wurftechnik „legte”.

Natürlich waren die Neckereien nicht ernst gemeint, doch die Spieler hatten einen Riesenspaß miteinander. Schon von weitem hörte man lautes Lachen und Rufe wie „Neuf, neuf, comme un cochon” (Neun, neun, wie ein Schwein), da sich „neuf, neuf” lautmalerisch wie Schweinegrunzen anhört. Jedes Spiel endete mit anerkennendem Händeschütteln.

Am Schluss jeder Runde wurde neu gelost, so dass nie Wettkämpfer zusammenspielten, die schon einmal ein Team gebildet hatten. Durch dieses „Supermêlée”, das Zusammengewürfeln, wurden die Spieler einander immer vertrauter.

Vor der dritten Runde, als manchen doch die Kräfte verließen, forderte Dieter Jöris, Mitarbeiter des Partnerschaftsvereins, verstohlen zum „Doping” auf, indem gehaltvolle Gummibärchen und „Topimabur”, Kartoffelschnaps mit 48 Volumenprozent, herumgereicht wurden. Die Wirkung trat augenblicklich ein, so dass die Wettkämpfer, wie verwandelt, mit viel Kraft durchstarten konnten.

Die Punkte geteilt

„Jetzt kommen die Nerven”, klagte eine niederländische Teilnehmerin, und Dominique aus Frankreich rief nach kurzer Zeit aufgeregt: „Ihr müsst Halbzeit machen, Nico spielt mit fünf Frauen, er braucht eine Pause.” Auch Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, der sich über den Stand des Turniers informierte, tat sein Bestes und sprach allen Mut zu. Organisator Stefan Starek stellte überaus zufrieden fest: „Das ist gelebtes Europa.”

Endlich winkte die wohlverdiente Siegerehrung. Die Goldmedaille erkämpfte sich Otto Reinckens, der in Übach-Palenberg aufgewachsen und Mitglied des „Boule-Treff Bad Breisig” ist. Frauenpower zeigte sich bei den Silbermedaillen, denn gleich zwei von ihnen gingen bei Punktegleichstand an die Niederländerinnen Thea Gorissen und Ria Rapnik. Der 3. Platz wurde sogar dreifach vergeben, nämlich an die Niederländer André Rapnik und Pierre Theunissen sowie den Präsidenten der „Amis du jumelage” aus Rosny-sous-Bois, Serge Denneulin.

Leider waren nur zwei Bronzemedaillen vorhanden, doch man einigte sich darauf, dass die niederländischen Preisträger statt zwei nur eine Medaille für Ihren Verein mitnahmen. Sachpreise vom Sekt bis zum Flaschenhalter gingen an die Nachplatzierten. Die Vorsitzenden der französischen und niederländischen Delegationen bedankten sich herzlich bei den deutschen Organisatoren und betonten, dass das Zusammentreffen auf sportlicher Ebene viel Spaß gemacht habe und man sich schon auf das nächste Mal freue.

Bei den Niederländern steht nun wieder „üben, üben, üben” auf dem Programm, denn sie hatten zwar das angestrebte Ziel, die Franzosen zu besiegen, erreicht, den ersten Platz aber schnappte ihnen dieses Mal ein Deutscher weg. Doch fürs nächste Jahr wird „erbittert” Revanche angekündigt, wie man heute schon preisgab. Nicht ohne ein breites Grinsen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert