Mit elf PS der Arbeitslosigkeit entronnen

Von: Georg Schmitz
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Uwe Wemheuer ist stolz auf seine Würste, die er zudem auch noch gerne selber isst. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Nach neun Monaten kennt ihn eigentlich jeder Bürger in Geilenkirchen, allerdings nicht unter seinem echten Namen. Vielmehr ist die „Brat-Marie” das Aushängeschild von Uwe Wemheuer. Mit diesem dreirädrigen Gefährt ist der 55-Jährige zwischenzeitlich eine Institution in der Stadt geworden.

Seit dem 19. Oktober 2010 steht Wemheuer mit seiner mobilen „Würstchen-Verkostung” an fünf Tagen in der Woche auf dem Geilenkirchener Marktplatz. Hier, im Eingangsbereich des St.-Ursula-Gymnasiums verkauft der in Hünshoven wohnende Selbstständige seine allseits beliebte Brat- und Currywurst. Die eigenen Kreationen von pikanten Hausmacher-Soßen runden seine Currywurst geschmacklich ab und bilden das „Tüpfelchen” auf dem i. Das bestätigen die Schüler und Passanten immer wieder.

Eigentlich mehr durch einen Zufall stieß Uwe Wemheuer auf seine „Brat-Marie”. 32 Jahre lang war der Chemiearbeiter bei Enka in Oberbruch beschäftigt, bevor er dort arbeitslos wurde. „Die haben die Maschinen nach China verkauft, und schon standen Leute auf der Straße”, erinnert er sich an dieses dunkle Kapitel aus seinem Arbeitsleben. Beim gezielten Stöbern nach Arbeitsmöglichkeiten im Internet sei er dann auf das „Gourmet-Mobil” gestoßen, das zu diesem Zeitpunkt in Bochum lief, aber zum Verkauf stand. „Da habe ich die Brat-Marie gekauft und mich selbstständig gemacht”, erzählt Wemheuer.

Senk oder Tabasko?

Das damals zwei Jahre alte, elf PS-starke, Ein-Zylinder-422-Kubik-Dieselfahrzeug verfügt über nach beiden Seiten ausklappbare Dächer, die die Kunden beim Wursteinkauf nicht im Regen stehen lassen. Zum Inventar zählen auch drei Klapp-Stehtische, an denen die Kunden in die Wurst beißen können.

„Mein Alltag beginnt morgens um 5.30 Uhr, zuerst wird gefrühstückt, dann die Brat-Marie fertiggemacht”, erzählt der 55-Jährige. Kurze Zeit später steht er mit seinen frisch zubereiteten Soßen und Würsten vor St.-Ursula. Uwe Wemheuer achtet penibel auf Hygiene: „Sauber muss es schon sein, anders geht es nicht.” Kaum hat er sein Gefährt geparkt, die Soßencontainer ins heiße Wasserbad gestellt und die ersten Würste auf den Grill gelegt, kommen schon die ersten Schüler zielstrebig auf die Brat-Marie zu. Zuerst ist Chilli Con Carne gefragt, die Wemheuer ebenfalls im Programm hat. Doch dann geht es an die Wurst, und die möchte ein Schüler schön scharf haben. Dafür stehen mehrere Scharfmacher in Pulver- oder in flüssiger Form zur Auswahl. „Wer Senf haben will, bekommt Senf, wer Tabasko möchte, kriegt es”, sagt Wemheuer.

Für Feste gebucht

Der Geilenkirchener bietet zwei unterschiedliche Wurstrezepturen an. Da ist einerseits die besonders bei jungen Leuten beliebte feine Rezeptur für die Currywurst und andererseits die gröbere Thüringer Rostbratwurst. „Ich verkaufe nur das, was mir auch schmeckt, sonst stünde ich schon nicht mehr hier”, verweist Uwe Wemheuer auf seine frische Qualitätswurst Fleischlieferanten aus dem Kreis Heinsberg. Die sei zwar etwas teurer als andere Angebote, aber dafür schmecke sie den Menschen sehr gut.

An Wochenende wird seine Brat-Marie immer wieder gerne von Firmen oder Privatleuten für Feste gebucht. Darüber freut sich Wemheuer, auch wenn er manchen Sonntag opfern muss. Er liebt die Kommunikation, und da kommt ihm der Kontakt zu den Kunden gerade recht. Aus dem anfänglichen „Geheimtipp” wurde mittlerweile ein Dauerzustand und dafür ist er auch der Stadt Geilenkirchen dankbar, die ihm die Genehmigung für den Standort erteilt hat. Dies aber nur, weil das schwarz-grüne Gefährt unter den Bäumen eine bestimmte Größe nicht überschreitet und sich harmonisch in das Stadtbild einfügt, ist sich der 55-Jährige sicher.
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