Mit der Kettensäge in Baumkronen für ein Naturparadies

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
6292314.jpg
Ein Virtuose an der Kettensäge: Thomas Henkens in Aktion. Den Traktor fährt wie immer Hardy Tholen. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Wenn die Tochter als Vatertagsgeschenk den Papa mit einem anderen Liebling als Mutti malt, sind üblicherweise gewisse Spannungen vorprogrammiert. Muss man es für bedenklich halten, wenn das Bild den Vater Thomas beim fast zärtlichen Umgang mit der Kettensäge zeigt? Nicht im Hause Henkens. Denn Thomas Henkens ist nicht nur ein NABU-Mann mit Leib und Seele. Er liebt die Arbeit mit der Kettensäge.

Für die Naturschützer ist er spätestens dann unentbehrlich, wenn wie in jedem Jahr der Schnitt der Kopfweiden im grenzüberschreitenden Naturpark im Bereich Gangelt und Selfkant ansteht. Einer alleine kann aber in den Kronen der teils ausladenden Bäume nicht arbeiten.

So ist es seit vielen Jahren Hardy Tholen, ebenfalls NABU-Urgestein, der den Traktor mit der Hebebühne bedient, während Thomas Henkens wie ein Chirurg mit groben wie feinen Schnitten dem Baum zu einem längeren Leben, natürlich im Dienste des Natur- und Artenschutzes, verhilft. „Wir verstehen uns blind“, fasst Henkens die Arbeit mit dem Mann auf dem Trecker zusammen.

„Wir brauchen uns manchmal nur anzuschauen, und schon fährt er den Korb genau dorthin, wo ich hin möchte. Reicht das nicht, bedienen wir uns beim Lärm der Motorsäge und des Traktors der Zeichensprache.“ Bei der Motivation für diese viele Tage dauernde Arbeit geht es Thomas Henkens und seinen Mitstreitern einfach um den Erhalt dessen, was das Rodebachtal zu einem Naturparadies macht.

Da sind die Kopfweiden landschaftsprägend. „Ohne unsere regelmäßige Pflege würden die Bäume auseinanderbrechen. Nach der Pflege faulen sie an den Schnittstellen, dadurch entstehen wertvolle Höhlen und Löcher für Höhlenbrüter. Im Mulm gibt es Nahrung für Pflanzen, Heimat für Käfer und Insekten.“

An der Leistungsgrenze

750 Kopfweiden gilt es zu pflegen. Auch wenn jede Weide nur alle vier bis fünf Jahre geschnitten wird, sind die ehrenamtlichen NABU-Helfer längst an ihrer Leistungsgrenze angekommen. „Auf Dauer werden wir uns unter Umständen die Kopfweiden aussuchen müssen, die ökologisch vielleicht am wertvollsten sind“, fasst der Vorsitzende Franz Oschmann die pragmatische Lösung des Problems zusammen.

Da werden dann das Alter, eine ruhige Lage, oder eine leichte Erreichbarkeit den Ausschlag geben. Nicht wenige der knorrigen Bäume stehen nämlich so ungünstig an einem Graben oder Bachverlauf, dass sie nur sehr zeitaufwändig erreichbar sind und das Schnittgut mühsam an Land gezogen werden muss. Speziell bei dieser Arbeit geht es dann um die Zahl der Helfer.

Der NABU ist immer auf der Suche nach Freiwilligen, die vielleicht nur einmal an einem Samstag helfen. Wenn es davon reichlich gibt, geht die Arbeit wesentlich schneller von der Hand. Parallel laufen Überlegungen, eine Fachfirma aus Niederkrüchten in die Pflegeprojekte mit einzubinden.

Wanderern und Radfahrern fällt seit einigen Jahren auf, dass scheinbar willkürlich immer wieder einzelne Kopfweiden nicht geschnitten werden. „Alternierend“ nennt das Franz Oschmann. „Wenn wir nicht alle im selben Jahr schneiden, wird vermieden, dass der Eindruck von grünen Wänden entsteht. Vor allem aber wird verhindert, dass den auf den Bäumen lebenden Insekten auf einen Schlag die Lebensgrundlage entzogen wird.“

Franz Oschmann und seine Mitstreiter wünschen sich, dass möglichst viele Menschen ihre Ziele, die Kopfweiden zu erhalten, unterstützen. „Es wäre schön und lohnenswert, wenn zum Beispiel Jugendgruppen wie Jugendfeuerwehr oder ältere Pfadfindergruppen oder andere Vereine ab und zu mal mit anpacken würden.“

Thomas Henkens jedenfalls freut sich schon wieder auf die neue Herausforderung. „Ich finde es einfach toll, was wir schon alles geschafft haben, wie sich das Gebiet im Gangelter Bruch positiv verändert hat.“

Auf die Kunst des Kopfweidenschnittes angesprochen, erläutert der Selfkänter: „Beim Kopfweidenschnitt gibt es tatsächlich Dinge, die man unbedingt beachten muss. Kopfweiden reißen sehr schnell. Und wenn man sie falsch ansägt, kann es sein, dass sie aufreißen und wie ein Katapult auf einen zukommen. Es sind schon viele Menschen bei dieser Arbeit schwer verletzt worden. Respekt vor den Bäumen ist daher wichtig!“

Gespannt ist Thomas Henkens darauf, was auf dem Bild seiner Tochter zum Vatertag 2014 zu sehen sein wird.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert