Mit dem Planwagen auf den Spuren der Ahnen

Von: Dettmar Fischer
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Hans-Josef Bürsgens (links) beantwortet gerne alle Fragen zu seinem historischen Landgut Zumdahl. Foto: Dettmar Fischer
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Auch Alfred von Vreede (Mitte) übernimmt auf Schloss Leerodt gerne die Gästeführung zum Tag des offenen Denkmals. Foto: Dettmar Fischer
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Um das Bodendenkmal im Hover Busch aus der Jungsteinzeit zu entdecken, mussten Besucher schon genauer hinschauen und auf die Hinweistafeln vertrauen. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen-Kraudorf. „Such nach, hör an, was sey gethan / Vorzeiten bey den Alten, / Sonst wirst allzeit unwissenheit / Gleich einem Kind behalten.“ Wer beim Tag des offenen Denkmals unterwegs war und sich auch von etwas abseits des Weges liegenden, leicht schlammigen Pfaden nicht abschrecken ließ, der fand mit ein paar bunten Luftballons markiert im Hover Busch dieses Zitat des Gangelter Stadtchronisten Jacobus Kritzraedt aus dem Jahr 1654, wiedergegeben im Heimatkalender des Jahres 1955.

Der Hover Busch beherbergt einen jungsteinzeitlichen Erdwall, ein Bodendenkmal, das soweit in die Zeit zurückdenken lässt, dass es selbst Jacobus Kritzraedt sicherlich ein wenig schwindelig geworden wäre im Angedenken an diese „Alten“.

Die Interessengemeinschaft der Pfarre Kraudorf hatte die Hinweistafel mit Kritzraedts Mahnung, das Erbe der Vorfahren für die eigene Identitätsfindung zu nutzen, im Hover Busch beim Örtchen Hoven errichtet. Den Spuren im Matsch zufolge hatten etliche Besucher, ob nun zu Fuß, per Rad und, was wohl am bequemsten war, im Planwagen den Weg zurück in die steinzeitliche Geschichte unserer Region auf sich genommen.

Gut - man muss zugeben, Busch gab es im Hover Busch reichlich. Das Bodendenkmal ließ sich nur mit erläuternden Worten erahnen. Die Vegetation hatte am Denkmaltag 2017 noch die Oberhand. Im Winter soll das Bodendenkmal aber besser zu sehen sein.

Stärkung an St. Gertrud

Gleich im Nachbardorf Kraudorf hatte die Interessengemeinschaft der Pfarre Kraudorf Start und Ziel ihrer Denkmaltouren eingerichtet. Im Schatten von St. Gertrud gab es für alle, die sich auf die Spuren der Ahnen begaben, eine Stärkung. Hier startete der von Hans-Josef Cremer gesteuerte Planwagen zu den Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung.

Von hier waren es nur ein paar Schritte, um die Kirche St. Gertrud zu besichtigen und auch mal einen Blick in den Dachstuhl und Glockenturm zu werfen. Erstmalig hatte sich die Interessengemeinschaft in diesem Jahr entschlossen, in Zusammenarbeit mit der Stadt Geilenkirchen das traditionelle Brunnenfest mit dem Tag des Offenen Denkmals zu kombinieren. Geboten wurde den Besuchern ein gut organisiertes Programm, das hoch gelobt wurde. Auch viele, die ihre Wurzeln in der Region haben, fanden den Weg zurück in die alte Heimat und stiegen zum ersten Mal hinauf in den Glockenturm von St. Gertrud.

Günter Heinrich, Vorsitzender der Interessengemeinschaft, passte auf, dass niemand die steile Treppe hinauf in den Turm gleich wieder rücklings hinunter fiel. Oben läuteten jede Viertelstunde die Glocken, glücklicherweise nur mit dem Hämmerchen des Uhrwerks intoniert und nicht mit dem großen Klöppel.

Vielleicht noch spannender war die Begehung des schmalen Bretterstegs, der oberhalb des Gewölbes von St. Gertrud verlegt ist. Schleiereulen ziehen hier ihre Brut groß. Auf dem Friedhof nebenan haust die Waldohreule.

Guido Peters ist Kassierer der Interessengemeinschaft und überaus sachkundiger Dorfarchivar. Er führte die Besucher durch das Kirchenschiff, erläuterte die erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1451, die Erweiterung von der einfachen Saalkirche zum heutigen dreischiffigen Kirchenbau. Die Spuren des Weltkrieges an den Kirchenpfeilern sind noch heute zu sehen.

Hausherr beantwortet Fragen

Mit dem Planwagen konnten die Besucher auch Schloss Leerodt und Gut Zumdahl ansteuern. Auf Leerodt gab Hausherr Alfred von Vreede Einblicke in die Geschichte des ehemaligen Wasserschlosses und in die Zusammenhänge von Landwirtschaft, Natur und dem Tun der Menschen. „Geh bloß nicht nach Leerodt“, habe man ihr als Kind eingetrichtert, bemerkte eine Besucherin lachend. In fortgeschrittenem Alter, obwohl in der Nähe lebend, betrat sie nun zum ersten Mal das Schloss. Der Warnruf der Eltern, so die Besucherin, habe dem Hofhund gegolten, der damals die leckeren Kastanien im Schlossgarten verteidigte.

Hans-Josef Bürsgens führte durch Gut Zumdahl, dessen Ursprünge auf das 15. und 16. Jahrhundert zurückgehen. Der markante, viereckige Turm des einst von Wasser umgebenen Vierkanthofes gehört sicherlich zu den Wahrzeichen des Wurmtals.

Nach dem schönen Erfolg beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ war der Denkmaltag für die Interessengemeinschaft der Pfarrei Kraudorf sicherlich wieder ein Plus in der Dorfchronik.

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