Geilenkirchen-Immendorf - Mit dem Fremdenführer durch Immendorf

Mit dem Fremdenführer durch Immendorf

Von: Dettmar Fischer
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Veronika und Harald Lange (l.) sowie Friedrich Zimmer (r.) trafen sich mit dem Dorfführer Friedhelm Thelen (2.v.r.) zu einer informativen Tour durch Immendorf. An der Bushaltestelle ging es los. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen-Immendorf. Alles fing ganz harmlos an, und zwar mit der Bitte: „Kannst Du nicht mal eine Klasse übernehmen?“ Das war vor ziemlich genau zehn Jahren, so dass nun ein kleines Jubiläum gefeiert werden kann, und zwar das des Dorfführers Friedhelm Thelen.

Da Immendorf ein Haufendorf ist, sich also in der Fläche weit ausbreitet, statt sich schnurstracks entlang einer Straße zu entwickeln, hat Friedhelm Thelen bei seinen Führungen durch sein Heimatdorf schon ungezählte Kilometer zu Fuß mit den Teilnehmern seiner Dorfführungen zurückgelegt.

Er hat die Winkel und Gassen und auch die Umgebung des Dorfes, dessen Ortsvorsteher er auch ist, vorgestellt. Wie viele Teilnehmer es insgesamt waren? Friedhelm Thelen denkt kurz nach und schätzt grob: „Sehr viele, auch viele Schulklassen waren dabei.“

Eine kleine Gruppe trifft sich auch heute zur Dorfführung an der Bushaltestelle gegenüber dem Historischen Klassenzimmer, da wo alles begann. Denn die „Klasse“, die Thelen vor zehn Jahren übernehmen sollte, war eine Besuchergruppe des Schulmuseums gewesen, das alleine schon einen Besuch in Immendorf wert ist.

Zur Einführung vermittelt Friedhelm Thelen Historisches. Erste Erwähnung des Ortes Immendorf im 12. Jahrhundert, diverse Funde deuten sogar auf eine noch frühere Existenz hin. Und warum heißt Immendorf Immendorf? Thelen macht einen kleinen Schlenker, verweist auf Wappen und Fahne des Ortes, die zwei gekreuzte Schlüssel und vier Bienen zeigen. Wer jetzt über Bienen und Imker versucht, sich in Richtung Immendorf zu denken, geht fehl. Der Name leite sich von den Herren von Emyndorf ab, erklärt Thelen.

Giebelhäuser aus dem 17. Jahrhundert

Der Ortsname Immendorf entwickelte sich über Immindorf (1296), Ymmendorp (1484) bis zu Immendorf, erstmals 1666 erwähnt. Ganz großzügig waren die Immendorfer 1803, als sie sich noch ein zweites „f“ gönnten: Immendorff.

Die Herren auf Emyndorf lebten seit dem 13. Jahrhundert auf einer Burg, erst Gotthard Adolf von Mirbach zu Harff errichtete 1789 anstelle der Burg das heutige Gebäude, das vielen Immendorf-Besuchern als Landcafé bekannt ist.

Es wird ein wenig kalt an der Bushaltestelle, also weiter geht´s. Bei soviel Geschichte im Kopf werden die Häuser ganz genau angeschaut, ihr Alter taxiert. Da stehen schmucke Doppelhaushälften, die gerne an die Nato vermietet werden, und die Rundgänger treffen auf sehr schöne Giebelhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Eins der beiden, das freut den Ortsvorsteher besonders, wird von einer jungen Familie belebt.

An die Gaststätte Schillinger erinnert sich Thelen gerne: „Da habe ich noch lange getrunken.“ Es gab dort Labskaus vom Koch, der zu See gefahren war. Aber irgendwann schloss das Lokal. Kurzzeitig hatte Immendorf sogar einen Drive-Inn-Supermarkt, allerdings eher unfreiwillig. Eine Kundin war mit ihrem Auto ins Schaufenster des Nahversorgers gekracht. Nahversorgt wird seitdem wieder ganz konventionell, was ja leider nicht mehr in jedem Dorf geschieht.

Ganz altes Mauerwerk

Gleich gegenüber des Supermarkts öffnet sich die Pforte zur Pfarrkirche St. Peter automatisch. Friedhelm Thelen verweist auf die Marienfigur und die Kreuzigungsgruppe aus dem 15. Jahrhundert und macht die Besucher aufmerksam auf den Altarbereich.

Dieser konnte nach der Zerstörung der alten Kirche im Zweiten Weltkrieg erhalten und in das in den 1950er Jahren errichtete neue Kirchengebäude integriert werden. Den Aachener Architekten Friedrich Wilhelm Bertram und Elmar Lang gelang dieses Kunststück.

Ganz altes Mauerwerk im Kirchengebäude wurde bereits im 11. Jahrhundert gesetzt. Der kunsthistorisch vielleicht bedeutsamste Schatz der Immendorfer Kirche stammt von dem Alsdorfer Bildhauer Ludwig Schaffrath, dessen Glasmalerei Weltruhm erlangte. Ab 1958 gestaltete Ludwig Schaffrath die Kirchenfenster in St. Peter. Mit den Chorfenstern schloss er 1975 seine Arbeit in Immendorf ab. Auch im Aachener Dom ist Schaffraths Glaskunst zu finden.

Bei etwas besserem Wetter wird der vier Kilometer lange Strauch- und Baumlehrpfad rund um Immendorf zu einem weiteren Ziel des Dorfspaziergangs mit Friedhelm Thelen.

Thelen nimmt gerne alle, die Immendorf noch nicht kennen oder neu entdecken möchten, mit auf einen Rundgang. Einfach mal anfragen unter 02451/7647.

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