Geilenkirchen-Gillrath - Mit dem Ferrari in Gillraths Boxengasse

Mit dem Ferrari in Gillraths Boxengasse

Von: Jan Mönch
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Geilenkirchen-Gillrath. Pferdestärken sind sein Ding. Und auch sonst alles, was so zu einem vernünftigen Sportwagen gehört. In der Formel 1 war Thomas Dickmeis also eigentlich da angekommen, wo Leute wie er hinwollen. Doch sein Team, Panasonic Toyota Racing, hat sich aus der Königsklasse des Motorsports zurückgezogen und Thomas Dickmeis ebenfalls.

Es gab ja kein anderes Formel-1-Team mit Sitz in Deutschland, selbst Mercedes operiert von England aus. „Und nach England ziehen wollte ich nicht, das war mir zu krass“, sagt er. Man findet Thomas Dickmeis nun da, wo man mit einer Werkstatt für Sportwagen eigentlich nicht rechnet: im Geilenkirchener Ortsteil Gillrath. Hier hat Thomas Dickmeis vor rund vier Jahren sein eigenes Unternehmen gegründet: Dickmeis Motorsport heißt es.

Dornröschenschlaf

Momentan stehen unter anderem ein BMW Z3M Coupé, ein Maserati Ghibli aus den 90ern und ein Audi RS5 auf dem Hof und in den Hallen. Ein VW Buggy wird auf Kundenwunsch mit frischen Front- und Seitenbügeln aus Eigenproduktion versehen. Und ein Ferrari Testarossa wurde neulich erst mit überholtem Motor abgeholt. Das Z3M-Coupé hingegen wird in Gillrath überwintern.

So ein Fahrzeug ist ja eh nichts, um durch Schnee und Eis zu rodeln. Die kalte Jahreszeit bietet Zeit für einen Dornröschenschlaf. Zeit, in der eine Leistungsverbesserung und überhaupt eine Generalüberholung vorgenommen wird. „Besonders bei Achsvermessung und Fahrwerkseinstellung kann ich glänzen“, sagt Thomas Dickmeis. Um Autodiebe macht er sich keine Sorgen. Erstens ist das Gelände gesichert, zweitens müsste der Dieb wissen, wie man in sehr kurzer Zeit ein Auto zusammenbaut.

Momentan schmeißt Dickmeis den Laden noch allein mit seiner Freundin Stephanie Plum (die neben einem regulären Job aushilft). Kommendes Jahr soll eventuell erstmals ein Mechaniker in Vollzeit angestellt werden. Dickmeis Motorsport wächst langsam. Das klappt auch deswegen, weil Dickmeis als Rennsportmechaniker kann, was die Angestellten der großen Werkstätten nicht können – beziehungsweise dürfen. „Dort ist sehr strikt vorgegeben, was man machen kann und was nicht“, erklärt Stephanie Plum, die selbst aus der Automobilbranche kommt.

Und in dem, was man in den offiziellen Werkstätten von Daimler, BMW und Audi nicht macht, hat Dickmeis seine Nische gefunden. Einmal fuhr ein Mann mit einem Sportwagen einer deutschen Premium-Marke vor. Mit dem Wagen wollte er noch ein paar Zentimeter tiefer durch die Kurven räubern als ohnehin schon, doch in der Vertragswerkstatt hatte man ihm erklärt, dass der Wagen schon so tief liege wie möglich. „Und der hat mich dann gefragt: ‚Kannste das?‘“, erzählt Thomas Dickmeis. Er konnte. Seitdem bringt der Mann seinen Sportwagen auch für reguläre Eingriffe vorbei. So gewinnt man wohl Kunden.

Bei Sportwagen, besonders den alten und seltenen Modellen, gehen die Reparaturen natürlich schnell ins Geld. Dickmeis klopft gegen den halb auseinandergebauten Ghibli: „Ein einzelner neuer Scheinwerfer kostet 3000 Euro, wenn ich direkt bei Maserati bestelle“, sagt er. „Und die Jungs von Maserati sind nicht blöd: Die behaupten dann natürlich, es gebe nur noch drei oder vier Stück.“

Überhaupt ist es etwas anderes, bei einer kleinen Firma zu bestellen als bei den Marktführern. „Wenn man da anruft, ist vielleicht gerade der einzige Mitarbeiter im Urlaub, der sich im Lager für die Altmodelle auskennt.“ Dann heißt es warten.Nach dem Scheinwerfer will der gelernte Industriemechaniker und staatlich geprüfte Kraftfahrzeugtechniker jedenfalls erst mal woanders suchen.

Übrigens sind nicht nur Besserverdiener mit ihrem Wochenend-Testarossa willkommen. Auch bei Kleinwagen und Kombis für Normalverbraucher geht Thomas Dickmeis den Mängeln auf den Grund und behebt sie. Spezialgebiet sind und bleiben aber Fahrzeuge mit PS-Zahlen weit im dreistelligen Bereich.

Das Firmengelände in Gillrath ist spartanisch, aber zweckdienlich eingerichtet. Momentan wird noch zwischen Werkbank und Hebebühne bequatscht, was zu tun ist. Immerhin gibt es schon eine Kaffeemaschine und eine Website. Ansonsten ist Beiwerk noch Mangelware. Demnächst will er sich trotzdem einen Kundenbereich einrichten.

In der Formel 1 hat Thomas Dickmeis gelernt, die Probleme nicht nur zu erkennen, sondern ihnen auch auf den Grund zu gehen – und sie zu lösen. „Die Rennwagen werden ja praktisch nach jeder Veranstaltung komplett auseinandergebaut und wieder zusammengesetzt“, erzählt er. Und das mitunter in einem Affenzahn. In Gillrath geht es gemächlicher zu, schon weil Thomas Dickmeis immer noch auf den Rennstrecken der Welt unterwegs ist, in China, Brasilien oder Abu Dhabi – als Fahrzeugbetreuer, diese Saison bei Lotus in der FIA World Endurance Championship.

Auf Dauer will er dieses Standbein aber quitt werden: „So ein Wochenende auf der Piste ist zwar super, aber wenn man dann Montagnacht mit Jetlag in Düsseldorf landet und Dienstagfrüh wieder in der Werkstatt sein muss, ist das schon krass.“

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