Mit Arbeitshandschuhen auf den Glockenturm

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Ortsvorsteherin Theresia Hensen beiert zum ersten Mal mit auf dem Grotenrather Kirchturm. Foto: Friedel Heinen

Geilenkirchen. Es ist der Samstag vor Kinderkommunion im kleinen Heidedorf Grotenrath, und um 16 Uhr läutet es im Uhrenturm der St. Korneliuskirche vier Mal... wie an jedem Tag. Doch kurz darauf ertönen die Glocken wieder. Dieses Mal in einer melodischen Reihenfolge.

Für die älteren Grotenratherinnen und Grotenrather oder für langjährige Bewohner des beschaulichen Ortes nichts Neues, aber doch jedes Jahr wieder schön zu hören. Es wird „gebeiert“. Einige Mitglieder des Trommler- und Pfeiferkorps sind dazu extra auf den Kirchturm gestiegen und läuten die Glocken am Vortag der Erstkommunion von Hand, als Gruß an die Kommunionkinder.

Erstmals ließ der damalige Tambourmajor Toni Gerards dieses schöne Glockenspiel vor fast fünf Jahrzehnten anlässlich der Kommunion seines Sohnes ertönen. Zwei weitere Mitstreiter aus den Reihen des Trommlerkorps waren dazu schnell gefunden.

Auch heute noch führt das Trommler- und Pfeiferkorps „Heimattreue“ Grotenrath 1921 diese Tradition fort. Mittlerweile ist die nächste Trommler-Generation jährlich auf dem Turm. Die Vorstandsmitglieder Friedel Heinen, Norbert Heinen und Andy Heinen sowie Louis Heinen und Mario Wirtz gehören schon seit vielen Jahren zum „Glöckner-Team“. Doch in diesem Jahr war Norbert Heinen verhindert – deshalb das Beiern ausfallen zu lassen, kam natürlich nicht infrage.

Ersatzfrau an den Glocken

Grotenraths Ortsvorsteherin Theresia Hensen stand spontan als „Ersatzfrau“ zur Verfügung. Jedoch ohne zu wissen, was sie wirklich auf dem Kirchturm erwartete. „Ich war schon etwas verdutzt, als mir geraten wurde, feste Schuhe und vor allen Dingen Arbeitshandschuhe mitzubringen“, sagt Hensen.

Dachte sie da noch, sie könnte entspannt zum Läuten einfach an einer Kordel ziehen, wurde ihr auf dem Turm schnell klar, warum insbesondere die Handschuhe nötig waren: Beim Beiern werden nämlich die schweren Klöppel von Hand gegen den dicken Glockenrand geschlagen und das in einer besonderen Reihenfolge, einem zügigen Tempo und mit zahlreichen Wiederholungen .

Ein kraftaufwendiges Unterfangen, das die erste Frau auf dem Glockenturm jedoch souverän meisterte.

Zur Belohnung gab es anschließend ein kühles Radler. Und nicht nur das: „Einen anständigen Muskelkater hatte ich am nächsten Tag obendrein“, lacht Theresia Hensen. Auf die Frage, ob sie denn trotzdem beim nächsten Mal wieder dabei sein möchte, antwortet sie: „Ja sicher.

Solch eine schöne Tradition muss erhalten bleiben, gerade auch vor dem Hintergrund, dass zukünftig leider nicht mehr in jedem Jahr eine Kommunionfeier in unserer Pfarrkirche stattfinden wird.“

Der Glockengruß des Trommler- und Pfeiferkorps an die Kommunionkinder soll aber weiterhin jedes Jahr über die Dächer von Grotenrath hinweg erschallen. Das Beiern ist besonders in einigen Gemeinden des Rheinlandes eine wichtige Tradition.

Je nach Klangfarbe und Anzahl der Glocken gibt es zahlreiche unterschiedliche Melodien, die meist vor katholischen Hochfesten erklingen. Das Wort „Beiern“ leitet sich vom altfranzösischen „baier“ ab, was soviel wie „anschlagen“ bedeutet.

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