Mit 45 gilt der Imker noch als Jungspund

Von: Stefan Schaum
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Fleißige Bienchen bei der Arbeit: Auch die Plege der Bienvölker bedeutet Mühe. Und die wollen immer weniger Imker auf sich nehmen. Foto: Stefan Schaum
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Platz für Maja: Auch die wohl berühmteste Biene hängt im Schuppen von Hans-Willi Dohmen.
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Blick in das Winterquartier: Derzeit bewegt sich kaum etwas in den Bienenstöcken von Hans-Willi Dohmen.
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Fleißige Bienchen bei der Arbeit: Die Pflege der Bienenvölker bedeutet auch Mühe. Und die wollen immer weniger Imker auf sich nehmen. Foto: Stefan Schaum

Geilenkirchen. Das Alter ist bei Imkern ein dehnbarer Begriff. Da muss man sich nicht wundern, wenn Hans-Willi Dohmen von zwei Jungimkern schwärmt und dann sagt: „Sind beide schon locker Mitte 40“. Er muss dabei ja selbst schmunzeln. Aber die Freude über den Coup sieht man ihm an: Gleich zwei Männer aus Grotenrath hat der Bienenfreund jüngst für sein Hobby begeistern können. Ein wahrer Glückstreffer!

Es ist schließlich fast ein Wunder, dass sie überhaupt noch auf den Geschmack an der Honigproduktion gekommen sind. Denn der Nachwuchs macht sich in der Region an den Waben rar.

Das war mal anders. Damals, als die Bienenzucht bei den Dohmens ganz klar Familiensache war. Großvater Wilhelm trat 1908 dem Imkerverein Rheinland bei, Sohn Theo übernahm 1962 dessen Bienen, seit 1994 pflegt Hans-Willi die Imkerei. Doch mit ihm wird die Tradition wohl enden. „Mein Jüngster würde sich nur dann für Bienen interessieren, wenn man die mit der PC-Tastatur steuern könnte.“

Ganz schön spitze Hintern

Auch die Tochter will nichts von Papas Hobby wissen, beim älteren Sohn hat er ebenfalls starke Zweifel. Im Grunde kann er das verstehen. Ihm selbst erging es auch nicht anders. „Ich wollte lange Zeit nichts von Bienen wissen – die hatten mir zu spitze Hintern.“ Deshalb wollte er nach dem Tod des Vaters alles verkaufen: die Bienenkästen, die Rahmen, die Honigschleudern.

Doch gab es schon damals kaum Interessenten. „Die Sachen waren 5000 Euro wert, doch ich habe nur einen gefunden, der mir 300 Euro dafür zahlen wollte – und dafür hätte ich das auch noch in den Westerwald fahren müssen!“ Das war ihm dann doch zu schade. Also behielt er die Sachen und kaufte sich stattdessen Fachbücher.

Bereut hat der 57-Jährige das nicht. Nicht bloß, weil er Honig sehr mag und alles, was er daraus machen kann: Kerzen, Seifen, Liköre. Ihn reizt es vor allem, etwas für die Umwelt zu tun. „Ohne Bienen keine Blumen“, nennt er einen vielzitierten Satz. Der gilt jedoch auch andersherum. „Hier in der Region wird das Imkern zunehmend schwerer“, sagt Dohmen.

Denn die Bauern setzen auf Monokulturen: Mais, Getreide, Rüben. „Alles, was nach Unkraut aussieht, wird weggespritzt.“ Damit fehlen den Bienen nötige Anflugstationen. Streifen mit Wildblumen, wie Landwirte sie andernorts neben ihre Felder setzen und dafür Förderungen kassieren, sehe man hier kaum. „Die Böden sind bei uns zu hochwertig, da lohnt der Anbau anderer Pflanzen mehr.“ Nicht nur das macht ihm zu schaffen. Auch die Varroa-Milbe hält sich hartnäckig. Der Parasit, der sich nur aufwändig durch das Verdunsten von Ameisensäure aus den Bienenstöcken vertreiben lässt, hat schon einige Völker von Hans-Willi Dohmen dahingerafft.

Es macht ja auch Spaß

Warum sollte sich jemand freiwillig diese Mühen antun? Ein paar Sekunden überlegt der Imker, bevor er sagt: „Weil es auch Spaß macht“. Das will er zeigen. Seit längerem müht er sich darum, sein Hobby nicht nur den Mittvierzigern schmackhaft zu machen, die ihr Häuschen gebaut haben und auf der Suche nach einer Freizeitbeschäftigung sind. Immer wieder lädt er daher Kindergärten und Schulklassen ein und zeigt ihnen die Waben, lässt sie an der Honigschleuder drehen und von seinen Produkten kosten.

„Einen Grundstock legen“, nennt er das. „Aus den Kindern werden sicher nicht gleich Imker. Aber vielleicht erinnern sie sich ja später mal an den Besuch und wollen es versuchen.“ Hoffentlich, sagt er. „Wenn es nur einer von 100 ist, können wir nicht aussterben.“ Was die Familientradition betrifft: Seine Enkelin will er in ein paar Jahren mit zu den Bienen nehmen. Noch ist sie erst drei Monate alt und schreibt sich Maya, nicht Maja. „Aber die Maya, der Willi und der Honig – das muss doch was werden...“

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