Missklänge vor dem Weihnachtsfest

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:

Übach-Palenberg. Die Kirche begrüßt grundsätzlich das ehrenamtliche Engagement ihrer Gläubigen, wünscht es sogar angesichts wegschmelzender Pfarrer-Stellen und Gemeinden. In der Übach-Palenberger Großpfarre St. Petrus, die zum 1. Januar aus sechs Einzelgemeinden entstand, stößt die Eigeninitiative einiger Schäfchen bei den Pfarrverantwortlichen offensichtlich auf Widerstand.

Die Liturgiewerkstatt Übach-Palenberg und der 40 Frauenstimmen starke Kirchenchor TonArt planten, wie in den vergangenen zwei Jahren auch, eine zusätzliche, eine moderne Christmette an Heiligabend - sozusagen als Zugabe zu den übrigen sechs traditionellen Gottesdiensten in den sechs Gemeinden von St. Petrus.

Das Pastoralteam - bestehend aus Pfarrer Winfried Müller, Pater Boja und Pater Matthäus, einem Pastoralreferenten und zwei Gemeindereferentinnen - sagte Nein zur Ausweitung des liturgischen Angebotes an Heiligabend und schlug deshalb vor, die moderne Mette anstelle einer traditionellen in einer der sechs Gemeinden gestalten zu können. Winfried Müller argumentiert: „Mit sechs Metten haben wir zu Heiligabend bereits ein sehr umfangreiches Angebot. Die Gruppen, die einen Gottesdienst mitgestalten wollen, könnten dies im Rahmen einer dieser sechs Gottesdienste durchaus tun.”

Mit dieser Entscheidung wollen sich Felizitas Wassen von der Liturgierwerkstatt sowie Marlies Kinny, Anne Claßen von TonArt und dessen Leiter Herbert Günther nicht zufrieden geben. Felizitas Wassen: „Die Christmette, die wir gestalten wollten und die sich vor allem durch die musikalische Note von den herkömmlichen unterscheidet, sollte eine zusätzliche Offerte sein, für die Liturgiewerkstatt und TonArt allein verantwortlich zeichnen. Da auch ein auswärtiger Priester die Mette hätte übernehmen können, wäre weder eine personelle noch eine finanzielle Belastung für St. Petrus entstanden.”

Die Christmette in der Übacher Pfarrkirche habe in den vergangenen beiden Jahren viel Resonanz von Jung und Alt auch aus benachbarten Städten erfahren, es habe sich eine deutliche Zielgruppe mit Familien und ihren Kindern herauskristallisiert. „Vor diesem Hintergrund”, bedauert Chorleiter Günther, „ist es schon sehr traurig, dass das Angebot ausfällt.”

Dem Vorschlag des Pastoralteams folgen wollten Liturgiewerkstatt und TonArt nicht. Den Grund erläutert Marlies Kinny: „Wir wollten keiner Gemeinde ihre traditionelle Mette wegnehmen. Das wäre nicht gerecht.” Und Herbert Günther sieht die Brisanz aus der Sicht des Chorleiters: „Andere Chöre kämen so an Heiligabend gar nicht zum Einsatz. Das würde mit Sicherheit böses Blut geben.”

Sie seien „enttäuscht”, zuviel „Herzblut” hätten sie in der Vergangenheit in die Gestaltung der Mette gesteckt, klagen die engagierten Christen aus Übach. Und die Entscheidung des Pastoralteams stimme so gar nicht mit dem überein, was im Oktober-Pfarrbrief von St. Petrus zu lesen gewesen sei, kritisiert Felizitas Wassen. Dort stand: „... dass es in unseren Gemeinden um mehr als um Organisation, Strukturen, Geld ... geht. ... Es lohnt sich, sich für diese Kirche, für diese Gemeinden einzusetzen.” Angesichts eines solchen Appells konstatiert Anne Claßen verbittert: „Aber wie geht man hier mit ehrenamtlichem Engagement um?”

Pfarrer Winfried Müller indes verweist darauf, dass die sechs Gemeinden seit der Fusion eine „Einheit” bilden. Er wäre froh gewesen, betont er, wenn TonArt eine der sechs Metten liturgisch bereichert hätte. „Es kann aber nicht sein, dass ein Kirchenchor außerhalb dieses Angebotes eine eigene Messe organisiert”, spricht sich der Seelsorger gegen „Alleingänge” aus.
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