Minimal-invasiv ist im Geilenkirchener Krankenhaus heute fast alles möglich

Von: Udo Stüßer
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Dr. Günter Haselow
Operiert seit 1990 laparoskopisch: Dr. Günter Haselow. Millimeter große Optiken führt er dabei in den Bauchraum ein. Foto: Schmitz

Geilenkirchen. „Für die minimal-invasive Chirurgie gibt es in der Bauchhöhle keine Grenzen mehr!” Dr. med. Günter Haselow, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie im Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhaus, verweist nicht ohne Stolz darauf, dass er in den vergangenen sieben Jahren diese Operationsmethode, im Volksmund „Knopflochchirurgie” genannt, hier etabliert hat.

Dass die Geilenkirchener Chirurgen mit kleinen Schnitten und dadurch nur mit kleinsten Verletzungen von Haut und Weichteilen operieren, ist in der ganzen Region bekannt.

Von Heinsberg bis Aachen kommen mittlerweile die Patienten.

Aber nicht nur diese zieht es zum Geilenkirchener Hospital, auch Ärzte bewerben sich gerade hier um eine Stelle, weil sie viel lernen können. „Mit dem Spektrum, was wir anbieten, und mit der Operationshäufigkeit können wir uns in der ganzen Region, aber auch überregional sehen lassen”, erklärt Haselow.

Der Leitende Oberarzt Dr. Sven Hansen und die Oberärzte Dr. Markus Cober und Dr. Christoph Huschens und fünf Assistenzärzte stehen ihm zur Seite. Häufig sind es täglich sechs bis sieben laparoskopische Operationen, die die Ärzte in den beiden Operationssälen vornehmen, in Einzelfällen können es über zehn am Tag sein.

Haselow betont die Vorteile der Operation mit kleinsten Schnitten: „Ein eindeutiger Vorteil ist die besondere Schonung des Patienten.” Aber auch geringere Schmerzen nach der OP, eine kürzere Verweildauer im Krankenhaus, schnellere Mobilität und kürzere Arbeitsunfähigkeit seien Argumente für die minimal-invasive Chirurgie.

1986 wurde in Deutschland erstmals minimal-invasiv operiert. Anfangs waren es nur Blinddarm und Galle, die durch kleinste Schnitte erreicht wurden. Haselow selbst operiert seit 1990 laparoskopisch. „Heute können wir den ganzen Dickdarm minimal-invasiv entfernen.” Während früher dafür der ganze Bauchraum aufgeschnitten werden musste, bleiben kleinste fünf bis zehn Millimeter große Narbe übrig.

„Wir trauen uns an Dinge heran, die wir vor fünf Jahren nicht gemacht hätten”, weist der Chefarzt auf die Fortschritte in der Medizin hin. Laparoskopische Milzentfernungen, komplizierteste Gallenblasenoperationen, schwere Blutungen im Bauchraum nach Notfällen, Dickdarmdurchbrüche und Magenteilentfernungen sind heute für den Chefarzt Routine. „Wir operieren sogar Patienten minimal-invasiv, die den Magen in den Brustkorb verlagert haben. Durch eine kleine Öffnung versetzen wir den Magen wieder zurück in den Bauchraum.” Der erfahrene Chefarzt operiert mittlerweile auch Schilddrüsen minimal invasiv.

24 Stunden rund um die Uhr kann im Geilenkirchener Krankenhaus laparoskopisch operiert werden. „Allerdings ist das mit einem großen technischen Aufwand verbunden. Und wir haben ein Superequipment”, verweist der Chefarzt auf zwei perfekte Operationstürme und neueste digitale Technik mit HD-Qualität.

„Auf Wunsch können wir unseren Patienten die Operation auf DVD mitgeben.” Und die technische Entwicklung geht auch im Operationssaal immer weiter: „Für Kinder und schlanke Frauen sind fünf Millimeter große Optiken entwickelt worden, die in den Bauchraum eingeführt werden”, sagt Haselow. Die Folge: Manche Patienten können bereits einen Tag, manche nach zwei oder drei Tagen nach der Operation das Krankenhaus verlassen.

Sind damit die Grenzen der Medizin erreicht? Oder wird es bald die Möglichkeit geben, dass der Chirurg überhaupt nicht mehr schneiden muss? „Eine Weiterentwicklung der laparoskopischen Chirurgie ist ,Notes. Dabei versucht der Chirurg, die Bauchwand noch weniger zu beeinträchtigen. Die Operationsinstrumente werden durch natürliche Körperöffnungen, durch Mund, After oder Vagina eingeführt. Diese Methode ist in Europa allerdings noch im experimentellen Stadium”, sagt Haselow.

Bislang, so der Chirurg, wurden in Deutschland 300 Operationen nach „Notes” vorgenommen. Als Kontrollplattform wurde eigens ein Notes-Register eingerichtet, in dem sich Krankenhäuser eintragen können.

„Auch wir sind im Register angemeldet, machen allerdings noch keine Operationen nach ,Notes. Ich möchte diese Methode und die Ergebnisse ein bis zwei Jahre beobachten.” Noch ist der Chefarzt ein wenig skeptisch, besuchte allerdings bereits Kongresse und will bei Chirurgen hospitieren, die nach „Notes” operieren. Sicherlich: Haselow will auf dem neuesten medizinischen Stand sein. „Aber ich muss sicher sein, dass sich ,Notes als wissenschaftlich fundiert erweist.”

„Notes” biete für den Patienten kosmetische Vorteile. „Aber die Sicherheit fehlt noch, und die Instrumente müssen noch weiterentwickelt werden. Wenn aber alles wissenschaftlich fundiert ist, möchte ich dabei sein.”

Aber die Industrie sei dabei, innovative Instrumente zu entwerfen. „Den Rest muss man abwarten.” Zunächst hat Haselow ganz andere Pläne: Durch seine Erfolge in der laparoskopischen Dickdarmchirurgie wurde ein Zertifizierungsverfahren eingeleitet. Voraussichtlich wird Ende April die Deutsche Krebsgesellschaft die Geilenkirchener Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie zum Darmzentrum zertifizieren.
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