Minderjährige Flüchtlinge backen in der „KraCh“-Küche

Von: Markus Bienwald
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Dass die Kekse schmecken, und die Arbeit Spaß macht, das sieht man den Jungs an: Birgit Gerhards (3.v.l.) von der Stadtverwaltung Geilenkirchen und Flüchtlingsberaterin Yvonne Wolf (3.v.r.) überzeugten sich davon. Foto: Markus Bienwald
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Backten ihre ersten Kekse: Die beiden Jungs hatten trotzdem kein Problem damit, die richtigen Zutaten zu finden.

Geilenkirchen. Ganz leise raschelt die kleine Kunststofftüte, als der junge Mann danach greift, um ein paar Kekse einzufüllen. Weiß verzierte Sterne, rot gezuckerte Herzen und anderes Spritzgebäck rutschen zügig in die Tüte.

Die kann dann zugehalten und mit roter wie grüner Schleife zugebunden werden und sich zu den anderen rund 60 Kekstüten gesellen. Auf dem Etikett ist in verschiedenen Sprachen die Aufschrift „Dankeschön“ zu lesen, fein säuberlich wurden die Tüten zuvor beschriftet.

So wie hier in der Küche des Jugendhilfeträgers „KraCh“ im Geilenkirchener Gewerbegebiet „An Fürthenrode“ geht es sicherlich derzeit in vielen Einrichtungen zu. Dennoch hat diese „Backstube“ etwas ganz Besonderes zu bieten, wie schon der Sprachen-Wirrwarr beim Betreten der Küche deutlich macht. Man hört ein paar Brocken Arabisch, dazwischen Farsi und viel Englisch. Hände kommen auch zum Einsatz, um mit großen wie kleinen Geste zu erklären, was gerade gemacht werden muss.

Erklären ist übrigens nicht ganz einfach, aber das ist die einzige wirkliche Barriere für die 15 Jungs aus Afghanistan, Irak, dem Iran und Syrien, die hier gemeinsam backen. Und das tun manche zum ersten Mal. In mancher Sprache gibt es dem Vernehmen nach kein Wort für Plätzchen, aber es macht offensichtlich viel Spaß. „Es handelt sich dabei ausschließlich um sogenannte minderjährige, unbegleitete Jugendliche“, berichtet Birgit Gerhards, Koordinatorin der Sozialen Dienste im Geilenkirchener Rathaus.

Im Vorfeld des kommenden Nachmittags für Ehrenamtler, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren, entwickelte sie gemeinsam mit der Flüchtlingsberaterin Yvonne Wolf und dem Team des Trägers „KraCh“ (Krise als Chance) die Idee zum gemeinsamen Backen. „Die Jungs waren sofort Feuer und Flamme“, sagt Yvonne Wolf, die nicht müde wird, zu betonen, dass die Flüchtlinge alle sehr lernbegierig sind, und sich über gemeinsame Aktivitäten sehr freuen.

Bevor allerdings die selbst gebackenen Kekse am Freitag ab 15.30 Uhr in der „Oase“ am Geilenkirchener Markt an die Freiwilligen übergeben werden können, war das richtige Rezept gefragt. Zum einen mussten die Zutaten für die Koordination stimmen, was aber kein Problem war. „Die Jugendlichen werden ohnehin in dieser Einrichtung betreut“, so Wolf. Bis sie zur Schule gehen dürfen, ist das eine der Beschäftigungen, mit denen sie ihre Zeit sinnvoll verbringen können.

Die zweite Zutat, das Miteinander, ist augenscheinlich auch kein Problem. Denn Gegensätze, wie sie in ihrer Heimat vielleicht zwischen konkurrierenden Volksgruppen an der Tagesordnung sind, gibt es hier nicht. „Selbst Sprachbarrieren werden kreativ überwunden“, freut sich Gerhards. Übrigens feiern zwei der Jungs gerade, dass sie jemanden gefunden haben, der die Sprache des jeweils anderen spricht. „Wir hatten einen einzelnen kurdischen Jungen dabei, der fühlte sich bisher ein wenig einsam“, so Gerhards. Doch seit Kurzem gibt es zwei Kurden, und gemeinsam geht es nun mal auch nicht nur beim Backen besser.

Die dritte Zutat, die tatsächlichen Utensilien und die Bestandteile der später so köstlichen Kekse, wurden zum einen von „KraCh“ gestellt, zum anderen von der Stadt bezahlt. Die Umsetzung der Keksrezepte schließlich war in der Gruppe überhaupt kein Problem mehr. So kneteten die einen den Teig, andere stachen mit Formen die Kekse aus oder bedienten den Teigwolf und wieder andere checkten, ob die Kekse auch wirklich schmecken. „Natürlich haben wir hier noch einen Probierteller“, sagt Yvonne Wolf lächelnd.

Der Teller ist eigentlich eine kleine Rührschüssel, und die Kekse machen nicht nur die Runde, sondern schmecken offensichtlich sehr gut. Gelacht wird auch bei dieser Backaktion, und sei es nur, weil Wörter wie „Wolf“ für den zum Teigwolf umfunktionierten Fleischwolf oder eine „Mühle“ spontan manchmal ungewollt holprig übersetzt werden, und so aus kleinen Holprigkeiten Momente des Spaßes werden können. „Da unsere Flüchtlingsexpertin Wolf heißt, hat das heute schon mal zu lustigen Verwechslungen geführt“, sagt Brigitte Gerhards lächelnd.

Ein Lächeln wird die freiwillige Arbeit der Jungs am Freitag sicherlich auch hervorrufen. Selbstverständlich sind die selbstgebackenen Kekse keine große Gabe oder Entschädigung für die unzähligen Stunden freiwilligen Einsatzes. „Sie sind aber ein Dankeschön an diejenigen, die sich mit Herzblut für die Flüchtlinge engagieren“, schließt Wolf.

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