Geilenkirchen/Gangelt - Milder Winter: Kein Stress, kein Stillstand

Milder Winter: Kein Stress, kein Stillstand

Von: Robert Baumann
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In den vergangenen Wochen waren Mensch und Maschine aufgrund des milden Winters nur fünf Mal wegen Schnee und Glätte im Einsatz. Für einen Wintereinbruch sei der Bauhof Geilenkirchen aber „maschinell und personell gut gerüstet“, sagt Leiter Wolfgang Jansen. Foto: Robert Baumann
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Warten noch auf ihre Entleerung: Die drei Silos auf dem Bauhof Geilenkirchen fassen zusammen rund 100 Tonnen Salz. Foto: Robert Baumann

Geilenkirchen/Gangelt. Der Wecker von Wolfgang Jansen klingelt früh. Sehr früh. Auf vier Uhr stehen die Zeiger, wenn er aus dem Bett kriecht. Den Wecker braucht Jansen aber in der Regel nicht, er ist schon kurz vorher wach. „Wenn ich Bereitschaftsdienst habe, kann ich mich auf meine innere Uhr voll verlassen“, sagt er. Um vier Uhr kontrolliert der Leiter des Bauhofes in Niederheid die aktuelle Wetterlage, vergleicht dazu Wetterdaten im Computer.

Droht Glatteis oder starker Schneefall, schlägt er Alarm. Dann sind sechs Mann ab sofort im Einsatz. Gefährlich wird es in der Regel, wenn Temperaturen von zwei Grad oder weniger gemeldet sind. In den vergangenen Wochen ist dieses Szenario allerdings nur selten vorgekommen. Von Dezember bis jetzt verzeichnet der Bauhof nur fünf Einsätze wegen Schnee oder Glatteis. Der Winter ist zu mild und so gut wie schneefrei. Für Jansen könnte diese Wetterlage ruhig so bleiben, nicht nur, weil er sich nach vier Uhr wieder ins Bett legen kann. „Ich bin froh, dass es nicht schneit. Das bedeutet für uns deutlich weniger Stress“, sagt Jansen, der seit 29 Jahren auf dem Bauhof arbeitet, seit 15 Jahren als Leiter. „Aber wir haben erst Januar. Da kann noch einiges kommen“, weiß er aus Erfahrung.

Sollte es noch einen Wintereinbruch geben, sei der Bauhof vorbereitet. „Wir sind maschinell und personell gut gerüstet“, betont Jansen. 100 Tonnen Salz liegen dafür in den drei Silos bereit. Und die würden auch bei längerer Lagerung nicht schlecht werden, scherzt Jansen. „Das Salz ist vor Feuchtigkeit gut geschützt und kann mehrere Jahre verwahrt werden“, erklärt der 55-Jährige.

Bereits in den Sommermonaten ordert der Bauhof gemeinsam mit den Bauhöfen Übach-Palenberg und Gangelt die nötigen Salzvorräte bei der Duisburger Firma Eurosalz. „Bei solch einer Sammelbestellung bekommen wir bessere Preise“, so Jansen. Eine Tonne Salz würde um die 80 Euro kosten. Gehen die Vorräte zur Neige, lässt sich innerhalb weniger Tage neues Salz nachbestellen. Selbst in milden Wintern würden allein in Geilenkirchen rund 300 Tonnen Salz verbraucht.

Langeweile kommt trotz des milden Winters am Bauhof in Niederheid nicht auf. Stattdessen kümmern sich die Mitarbeiter überwiegend um Pflegeschnitte, beispielsweise von Bäumen, die die Straßen zuwuchern. „Solche Arbeiten würden bei Frostgraden normalerweise liegenbleiben“, sagt Peter Sentis, stellvertretender Bauhofsleiter. Bei einem Wintereinbruch würden die Fachleute des Bauhofes, wie Gärtner, Tief- und Straßenbauer, dann den Winterdienst übernehmen.

Drei große Fahrzeuge stehen für den Streudienst bereit, Fassungsvermögen zwischen zwei und sechs Tonnen Salz. Zusätzlich gibt es einen sogenannten Kleinschlepper für die Radwege, und zwei Mann werden für Bushaltestellen und Brücken abgestellt. Nach einer Prioritätenliste wird das Stadtgebiet dann abgearbeitet. Erst die Haupt-, dann die Nebenstraßen. Vor allem die Landesstraße 42 Richtung Flugplatz sei sehr stark befahren und schnell glatt. Für mögliche bevorstehende Einsätze hat Jansen noch eine große Bitte. „Die Leute sollen auf die Parkordnung achten. Viele parken falsch, so dass wir mit unseren Streufahrzeugen nicht durchkommen. Das behindert unsere Arbeit“, appelliert der Bauhofleiter an die Vernunft der Autofahrer.

Die schnee- und frostfreien Tage erfreuen nicht nur die Mitarbeiter des Bauhofs. Auch in der Baubranche reibt man sich die Hände. „Schlechtes Wetter kostet uns bares Geld“, sagt Hubert Schlun, Senior-Chef des gleichnamigen Bauunternehmens in Gangelt-Niederbusch, und erinnert sich mit Grauen an die harten Winter. „Vor drei Jahren war es besonders schlimm. Da ging nichts mehr. Keine Produktion. Aber die Fixkosten bleiben ja“, sagt der Senior-Chef. Wenn Schlun Petrus spielen könnte, würde er an der Wetterlage in diesem Winter erstmal nichts ändern. „Für uns ist es das beste, was passieren kann. Wir wollen nicht den Schnee angucken, sondern produzieren.“ Bis fünf Grad Minus seien Baumaßnahmen noch durchführbar, danach ginge nichts mehr, erklärt Schlun. Sobald Schnee liegen bleibt, sei sowieso Feierabend.

Auch Michael König, Geschäftsführer des mittelständischen Familienunternehmens Baukönig mit Sitz in Geilenkirchen, hat Gefallen am Wetter. „Es gibt keinen Leerlauf. Wir können durcharbeiten“, sagt er. Bedenken hat er dennoch. Auch im vergangenen Jahr hätten viele Unternehmer schon im Januar mit Arbeiten begonnen, die normalerweise später angegangen würden. „Im Frühjahr waren viele Objekte schon fertig, und wir hatten im Sommer eine richtige Flaute“, erinnert er sich. Ob sich solch eine Situation in diesem Jahr wiederhole, weiß König nicht. „Das hängt immer von der Auftragslage ab.“ Und wie die sich entwickelt, ist in etwa so vorhersehbar wie das Wetter.

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