Messer ragt aus der Brust des Toten

Von: Georg Schmitz und Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
6644007.jpg
Zwei Gerichtsmedizinerinnen und eine Kollegin von der Spurensicherung haben ihre Arbeit aufgenommen. Foto: Georg Schmitz
6644001.jpg
Um sieben Uhr am Sonntagmorgen wird die Leiche abtransportiert und in die Gerichtsmedizin nach Köln gebracht. Foto: Georg Schmitz
6643982.jpg
In diesem Asylbewerbercontainer am Geilenkirchener Bahnhof wird in der Nacht zum Sonntag ein Toter gefunden. Aus seiner Brust ragt ein Brotmesser. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Es ist wenige Minuten nach Mitternacht, als am Sonntag ein Anruf bei der Polizei eingeht. Im Asylbewerbercontainer am Bahnhof liege ein lebloser Mann, und der habe sich wohl selber umgebracht. Beim Eintreffen von Polizei, Notarzt und Rettungsdienst liegt tatsächlich ein Mann regungslos in einem der Zimmer auf dem Bett. Aus seiner Brust ragt ein Brotmesser.

 In dem Container leben Flüchtlinge aus Osteuropa und Afrika. Der Tote ist ein Weißer älteren Jahrgangs.

Alle Bewohner vernommen

Innerhalb der nächsten Minuten erscheinen fünf Streifenwagen auf dem Vorplatz sowie ein Zivilfahrzeug der Kriminalpolizei der Kreispolizeibehörde Heinsberg. Nach einer ersten Inaugenscheinnahme des Toten sieht es für die Polizeibeamten überhaupt nicht nach Selbstmord aus. „Wir gehen von einem Kapitalverbrechen aus“, erklärt dann auch Dr. Jost Schützeberg, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Aachen, am Sonntagmittag. Genaueres müsse die Obduktion am Montagvormittag ergeben, so dass frühestens am Montagnachmittag Erkenntnisse über Hintergründe und Motiv vorliegen würden.

Spurensicherung

Die Bewohner, die sich in der Nacht zum Sonntag in dem Container aufhalten, werden zur Vernehmung zur Polizeiwache nach Geilenkirchen gebracht. Rund zwei Stunden später erreicht der Kleintransporter der Spurensicherung des Polizeipräsidiums Aachen den Tatort.

Die Frauen und Männer ziehen ihre weißen Overalls, Mundschutz und Handschuhe an und beginnen mit ihrer Arbeit. Am frühen Morgen erscheinen noch zwei Gerichtsmedizinerinnen, die die Kollegen von der Mordkommission unterstützen. Durch ein Fenster ist von außen zu beobachten, wie die Ermittlerinnen sich über das Opfer beugen und Spuren sichern. Es ist genau sieben Uhr, als der Leichenwagen vorfährt.

Die beiden Bestatter müssen ebenfalls weiße Schutzanzüge anziehen, bevor sie den Container betreten dürfen und den Toten in einen Leichensack legen, nach draußen bringen und in das Fahrzeug verfrachten. Der Tote wird anschließend zur Gerichtsmedizin nach Köln gefahren. Nach rund einer Stunde versiegeln die Aachener Beamten die Eingangstüre, und der Container darf nun nicht mehr betreten werden.

Der Erste Beigeordnete der Stadt Geilenkirchen, Herbert Brunen, und der Leiter des Sozialamtes, Wilfried Schulz, sorgen noch am frühen Morgen für die Unterbringung der Container-Bewohner. Die Polizei hat zuvor den Bereitschaftsdienst des Geilenkirchener Ordnungsamtes über die Vorfälle informiert.

In dem Container sind 15 Plätze für Asylbewerber eingerichtet, derzeit wird er von zwölf Männern aus Tschetschenien, Georgien, Marokko, Ghana und Eritrea bewohnt.

Bewohner im Hotel untergebracht

In der Nacht zum Sonntag halten sich sieben Bewohner und der Getötete in dem Container auf. Nachdem die sieben Asylbewerber von der Polizei verhört wurden, bringen Brunen und Schulz sie in einem Geilenkirchener Hotel unter. Außer der Kleidung, die sie tragen, haben sie nichts dabei.

Brunen und Schulz rechnen damit, dass der Container in zwei bis drei Tagen von der Staatsanwaltschaft freigegeben wird. Dann können die Asylbewerber hier wieder ihre Unterkunft beziehen. Der Container steht seit etwa 15 Jahren auf dem Gelände. „Gravierende Vorfälle hat es in dieser Zeit hier noch nicht gegeben“, erklärt Wilfried Schulz.

Der Rest der derzeit in Geilenkirchen lebenden 85 Asylbewerber ist in Wohnungen in der Bauchemer Gracht, in der Flurstraße und im Limitenweg in Süggerath untergebracht.

Die Staatsanwaltschaft Aachen hat zwischenzeitlich die Öffentlichkeitsarbeit im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt übernommen und will erst am Montag nach der Obduktion nähere Auskünfte erteilen. Auch die Frage, ob es sich bei dem Toten um einen in dem Wohncontainer lebenden Mann oder um einen Besucher handelt, beantwortet Staatsanwalt Dr. Jost Schützeberg am Sonntag noch nicht. „Die Ermittlungen dauern an“, erklärt er.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert