„Mein Kampf“: Buchhändler bestellen nur auf Wunsch

Von: jkü
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Im Regal keinen Platz: Buchhändlerin Kathrin Lyne von de Berg sieht die Veröffentlichung der kommentierten Fassung von „Mein Kampf“ kritisch. Foto: Jessica Küppers

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Seit Freitag soll es eigentlich in den Regalen der Buchhändler stehen. Adolf Hitlers Propagandaschrift „Mein Kampf“ ist nun frei verkäuflich. Die Buchhändler in Geilenkirchen und Übach-Palenberg sehen das kritisch, erfüllen aber dennoch die Bestellwünsche ihrer Kunden.

Bis 1945 wurde „Mein Kampf“ in der Originalfassung mehr als zwölf Millionen Mal gedruckt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde jegliche Neuauflage verboten – bis jetzt. 70 Jahre nach dem Tode des Diktators laufen die Urheberrechte aus, so dass das Institut für Zeitgeschichte in München nun eine kommentierte Fassung veröffentlicht hat. Das bedeutet, kritische Passagen werden wissenschaftlich analysiert und erläutert.

Das Interesse an diesem Werk ist so groß, dass die erste Auflage bereits am Tag des Erscheinens komplett ausverkauft war. Eine zweite Auflage wird voraussichtlich nicht vor dem 1. März erhältlich sein. Auch Buchhändlerin Kathrin Lyne von de Berg von der Geilenkirchener Buchhandung hat einige Exemplare auf Kundenwunsch bestellt. Wann sie die bekommen wird, weiß sie noch nicht. „Wer was bekommt, ist immer die Frage“, sagt sie. Die Nachfrage bestehe bereits seit Oktober, als bekannt wurde, dass es dieses Buch geben wird. Im Schaufenster oder in den Regalen wird es dennoch nicht stehen, weil sie mit der Bestellung lediglich Kundenwünsche erfüllt und keine Werbung für die Propagandaschrift machen will.

So handhabt es auch Irmgard Wild-Freisleben, Historikerin und Inhaberin der Buchhandlung Wild in Geilenkirchen. Die Nachfrage sei da und sie habe bereits eine Teillieferung bekommen, sagt sie. „Dafür interessieren sich vor allem Geschichtslehrer, Pädagogen und politisch Interessierte“, sagt sie. Neonazis seien aus ihrer Sicht bisher nicht dabei gewesen. „Die wären wahrscheinlich überrascht, wenn sie sich mit dem schweren Band wissenschaftlich auseinander setzen müssten, weil sie immer die kleine Version von damals im Kopf haben“, sagt die Buchexpertin. Dass die Neuauflage verkauft werde, hält sie dennoch für richtig.

Den Verkauf befürwortet auch der Deutsche Lehrerverband. Präsident Josef Kraus sagt in einer Presseerklärung, dass „eine Behandlung von Auszügen daraus im Schulunterricht empfohlen“ werde. Auch der Zentralrat der Juden spricht sich auf seiner Homepage dafür aus, das Buch im Unterricht zu verwenden: „Gegen eine wissenschaftlich-kommentierte Ausgabe von ‚Mein Kampf‘, die den Originaltext kritisch einordnet und der historisch-politischen Bildung dient, ist nichts einzuwenden.“

Ob sie das Buch ins Sortiment nehmen oder nicht, damit müssen sich die Mitarbeiter der Buchhandlung Funken in Übach-Palenberg nicht beschäftigen. „Bei uns hat keiner danach gefragt“, sagt die 65-jährige Verkäuferin Gerda Friedrichs. Deshalb werde es auch nicht bestellt. Sie selbst werde es auch nicht lesen, ist sie sich sicher. Ähnlich ist die Situation in der Buchhandlung Mesche in Birgden. Auch dort gab es bislang keine Nachfrage. Verkäuferin Susanne Vieten vermutet, dass es sein kann, „dass der hohe Preis von 59 Euro eine Rolle spielt“.

Diejenigen, die sich für den Band interessieren, müssen jedenfalls mit langen Lieferfristen rechnen. So sorgt die Propagandaschrift auch 70 Jahre nach dem Tod ihres Verfassers noch für Aufsehen.

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