Medizinforum: Sport bringt Senioren pure Lebensfreude

Von: Udo Stüßer
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Bildnummer: 59738972 Datum: 28.05.2013 Copyright: imago/epd Fitnessstudios entdecken die Zielgruppe Senioren . Foto: Seniorinnen trainieren am 28.05.2013 im Fitnessstudio Punch in Essen (Nordrhein-Westfalen). Die Initiative Seniorensiegel Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Hürden im Alltag älterer Menschen zu beseitigen. Jetzt hat die Organisation dem Fitnessstudio Punch in Essen als erstem Anbieter das Qualitätssiegel Seniorengerechte Fitness verliehen. Offiziell übergeben wird das Prädikat am 13. Juni von NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Fitnessstudios entdecken Zielgruppe Senioren Gesellschaft Senioren Seniorensport Fitness Gesundheit xdp x0x 2013 quer Alter Fitness Fitnessclub Fitnessstudio Gesundheit Senioren seniorengerecht Training 59738972 Date 28 05 2013 Copyright Imago epd Gyms Discover the Target group Seniors Photo Senior citizens train at 28 05 2013 in Gym Punch in Eat North Rhine Westphalia the Initiative Germany has to to Target set possible many Hurdles in Everyday life Older People to Eliminate Now has the Organization the Gym Punch in Eat as first Manufacturer the Quality seal Fitness awarded official over will the Predicate at 13 June from NRW Schulministerin Sylvia Löhrmann green Gyms Discover Target group Seniors Society Seniors Senior sports Fitness Health XDP x0x 2013 horizontal Age Fitness Fitness Club Gym Health Seniors seniorengerecht Training

Geilenkirchen. Sport im Alter? Aber was ist Sport? Und was ist Alter? Während so manche 70-Jährige noch kraftvoll Bälle über das Tennisnetz schmettern, kommen etliche 40-Jährige auf der 100-Meter-Laufbahn nur mühsam ans Ziel. Mediziner und Physiotherapeuten geben beim Medizin-Forum guten Rat.

„Der Alterungsprozess des Menschen beginnt bereits mit 25 Jahren“, sagt der Geilenkirchener Internist und Sportmediziner Dr. Horst Gillessen.

Antworten auf alle Fragen zum Thema „Sport im Alter“ gibt das Medizin-Forum unserer Zeitung am Mittwoch, 18. März, 18 Uhr, in der Aula des Geilenkirchener St.-Ursula-Gymnasiums.

Auf dem Podium sitzen neben dem in Geilenkirchen niedergelassenen Arzt Dr. Horst Gillessen Dr. Achim Dohmen, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie des Geilenkirchener St.-Elisabeth-Krankenhauses, Dr. Marcus Wainwright, in Übach-Palenberg niedergelassener Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, und Katja Kucharek, Physiotherapeutin in der Geilenkirchener Praxis von Raymond Olislagers.

Nach einführenden Referaten können Sie, liebe Leser, Fragen an die Referenten stellen. Moderiert wird die Veranstaltung von unserem Redakteur Thorsten Pracht, der Eintritt ist frei.

„Wir sind Bewegungsmenschen, mit Sport müssen wir uns die Beweglichkeit erhalten. Ist der Mensch beweglich und leistungsfähig, hat er Spaß am Sport und bleibt dabei“, sagt Gillessen. Es ist aber nicht nur die Lebensfreude, die der Sportler hat: „Durch Sport verbessert sich der Stoffwechsel, der Blutdruck sinkt, das Gewicht wird besser kontrolliert“, erklärt der Internist die gesundheitlichen Aspekte.

Zwei- bis dreimal in der Woche jeweils eine halbe Stunde reichen laut Gillessen schon, um die Gesundheit zu erhalten. Sicherlich, so sagt er, beginnt der körperliche Abbau mit etwa 25 Jahren. „Zuerst langsam und vorsichtig. Wann dann der Knick kommt, haben wir durch Bewegung selbst in der Hand. Wir bereiten unser Alter selbst vor.“

„Herz, Kreislauf und Bewegungsapparat müssen trainiert werden, ansonsten altert der Mensch schneller“, sagt auch Dr. Achim Dohmen. „Es ist nie zu spät, mit Sport zu beginnen. Ich kenne übergewichtige Menschen, die nach einem Herzinfarkt zwischen ihrem 50. und 60. Lebensjahr ihren Lebensstil umgestellt und ein Risikoprofil von gesunden Menschen erreicht haben“, erläutert der Chefarzt und stellt fest: „Bewegung ist das Maß aller Dinge.“

Auf eine Definition von alt will sich Dohmen nicht festlegen. „Manche Menschen sind mit 40 Jahren alt, andere sind mit 70 Jahren noch fit. Man ist so alt wie man sich fühlt. Oft aber ist der Austritt aus dem Berufsleben mit einem Leistungsknick verbunden.“ Idealerweise fange man deshalb so früh wie möglich an, Sport zu treiben.

Wer nie Sport getrieben habe, solle dies mit seinem Arzt abklären. „Hohe Belastung ist nicht immer gut. Man muss im Alter auf seine Knie, Hüften und auf sein Herz hören.“ Fußball als Einstieg ins Sportlerleben eines älteren Menschen hält Dohmen nicht für ideal, der Chefarzt weist auf hohes Verletzungsrisiko, hohe Spitzenbelastung, hohe Aufregung, hohen Blutdruck und großen Ehrgeiz als negative Faktoren hin.

Auch beim Skifahren sei die Verletzungsgefahr bei älteren Menschen wesentlich größer als bei jungen Menschen. Ideal hingegen seien Radfahren und Training im Fitnessstudio. Ein- bis zweistündige Spaziergänge brächten einen Trainingseffekt für den ganzen Körper. „Und wer sich bewegt, erkrankt seltener an Demenz.“

Mindestens zweimal in der Woche Sport empfiehlt Dohmen. „Je öfter desto besser. Denn Übergewicht ist genauso schädlich wie das Rauchen. Übergewicht wirkt sich auf Gelenke, Knochen, Muskeln, Herz, Kreislauf und Stoffwechsel aus“, erklärt Dohmen.

Durch Sport entwickelten sich Glücksgefühle, der Mensch fühle sich besser, und das Hungergefühl werde unterdrückt. „Jeder sollte sich die Zeit nehmen, Sport zu treiben. Viele ältere Menschen sind heute richtig fit“, hat der Geilenkirchener Chefarzt festgestellt.

„Sport ist nichts anderes als die Pflege des Bewegungsapparates. Mit einem gepflegten Bewegungsapparat kann man wesentlich besser Erkrankungen schmerzlos ertragen“, erklärt der in Übach-Palenberg niedergelassene Orthopäde Dr. Marcus Wainwright. In der Kombination Erkrankung und unsportlicher Körper sieht der Facharzt ein Problem.

Er kennt aus seiner Praxis einen 50-jährigen Leistungssportler, der trotz eines Verschleißes im Knie immer noch Medaillen im Kampfsport holt. „Ein vergleichbarer Nichtsportler müsste in dieser Situation mit einem künstlichen Knie versorgt werden“, versichert er und geht auf die in der Bevölkerung weit verbreiteten Rückenschmerzen ein: „Der häufigste Grund für Rückenschmerzen ist ein untrainiertes Rückenkorsett.“

Im beruflichen Alltag werde dem Rücken viel abgerungen. Einige 100 000 Jahre lang sei das menschliche Leben ein tägliches Training gewesen. „Wir laufen nicht mehr, wir jagen nicht mehr, wir klettern nicht mehr auf Bäume. Aber wir haben noch den gleichen Körper.“

Zwei- bis dreimal in der Woche Sport empfiehlt er mindestens, um eine gute Fitness zu erreichen. „Es gibt kein Zuviel an Sport.“ Wainwright rät zu einer Mischung aus Cardio-Programm und Krafttraining.

„Fünf Kilometer mit dem Hund spazieren gehen, ist sicherlich gesund, bei Rückenproblemen hilft das aber nicht. Und auch Schwimmen hat nichts mit dem Rücken zu tun, das ist ein Mythos.“

Der Anfänger sollte sich in seinem Ehrgeiz zurückhalten. „Mit einem untrainierten Körper sollte man kleine Brötchen backen.“ Wichtig ist für den Orthopäden eine qualifizierte Anleitung, entweder durch einen Trainer im Studio oder durch das Studium guter Fachliteratur. Sport dürfe keine Pflichtveranstaltung sein, Sport solle Freude machen.

„Die Freude kommt dann, wenn ich Erfolg habe, wenn ich erlebe, dass ich beweglicher bin und keine Schmerzen habe. Das Schöne ist, dass unser Körper formbar ist.“ Zeitmangel hält der Orthopäde nur für eine Ausrede und erinnert an das Motto mancher Amerikaner: „Sie sagen: ‚Ich will erfolgreich sein, ich will Millionen verdienen. Das kann ich nur, wenn ich fit bin‘. Diese Manager arbeiten bis zu 15 Stunden am Tag, mittags aber verbringen sie eine Stunde im Fitnessstudio“, sagt Wainwright und erklärt: „Durch Sport ist man leistungs- und widerstandsfähiger und damit gegen körperlichen und geistigen Stress gewappnet.“

„Kraft, Mobilität, Gleichgewicht, Reaktion und Koordination sind Prozesse, die das Leben beeinflussen und trainierbar sind“, sagt die Physiotherapeutin Katja Kucharek. „Erst einmal müssen die Menschen überhaupt in Bewegung kommen, dann müssen sie Spaß daran haben, sonst machen sie keinen Sport“, hat auch sie festgestellt. Dabei betont sie: „Wenn man beweglich ist und Kraft hat, ist das Verletzungsrisiko geringer, und der Verschleiß kann aufgehalten werden.“

Gerade ältere Menschen sollten ihrer Meinung nach die Schnelligkeit trainieren. „So bleibt die Reaktionsfähigkeit im Alter erhalten. Denn die Körperbeherrschung nimmt im Alter ab, die Unfallgefahr steigt, es besteht Sturzgefahr.“

Die Knochendichte, erklärt die Physiotherapeutin, nehme im Alter ab. „Durch Druck und Zug bleiben die Knochen fest. Das erreicht man durch Bewegung und dosiertes Krafttraining. Außerdem verkürzen sich die Muskeln bei Nichtgebrauch.“

Verkürzte Muskeln könnten keine Kraft aufbauen und nicht reagieren. Den Alterungsprozess könne man mit Sport nicht aufhalten, aber man könne die Lebensqualität verbessern.

„Ein Senior kann durch Krafttraining das Leistungsniveau eines untrainierten 20-Jährigen erreichen“, sagt Katja Kucharek. Auch im Seniorenalter könne der Mensch Jugendsünden ausgleichen. „Ein bisschen Verschleiß hat jeder, der aber sollte niemanden vom Sport abhalten.“

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