Mediennutzung im Unterricht? Lehrer sind sich uneinig

Von: Jessica Küppers
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Keine Mittel für die Hardware: Lehrerin Ileana Frings würde gerne Tablets im Unterricht nutzen. Foto: Küppers

Gangelt/Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Morgens nach dem Aufstehen wird das Smartphone gecheckt, nachmittags schauen viele Kinder auf dem Tablet Youtube-Videos an. Dass die Generation der sogenannten Digital Natives – also derjenigen, die mit den genannten Medien aufwachsen – so etwas wie Medienkompetenz erst lernen müssen, klingt zunächst absurd.

Dennoch stellen die Lehrer in Übach-Palenberg, Geilenkirchen und Gangelt noch viele Lücken im sicheren Umgang mit dem PC fest.

Ileana Frings unterrichtet Informatik und Mathematik am Carolus-Magnus-Gymnasium in Übach-Palenberg und beobachtet häufig, dass ihre Schüler anfangs Probleme beim Erstellen von Ordnerstrukturen und einem Abspeichern von Dateien auf einen Server haben. Welche Fertigkeiten ein Schüler mitbringt, hänge davon ab, ob die Eltern in der Freizeit den Umgang mit dem PC erlauben. Das sei nicht immer der Fall, weil manche Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder stundenlang vor dem Computer sitzen und spielen. Die Verwendung von Tablets und Computern im Unterricht sieht auch Kollegin Sonja Kremer kritisch. „Schule ist noch ein kleiner Raum, in dem die Kinder noch offline sein können“, sagt sie. Sie halte es nicht für notwendig, den Unterricht umzustellen.

Ihr Kollege Christoph Schlagenhof nutzt für seine Unterrichtsstunden hingegen regelmäßig ein Tablet. „Hausaufgaben fotografiere ich ab und werfe die mit dem Beamer an die Wand“, erklärt er. Auch Bilder oder Videos zeige er häufig über das Gerät, wie just an diesem Morgen die Routen der Flüchtlinge mittels einer Grafik.

Dennoch hält er eine komplette Laptopklasse, wie sie beispielsweise an einer Schule in Würselen umgesetzt wurde, nicht für sinnvoll. „Das ist eine Frage des Preises und der Infrastruktur“, sagt er. Wenn zwei Klassen gleichzeitig mit ihrem Computer ins Internet wollen, sei das für die Schule kaum zu bewerkstelligen.

Vor ähnlichen Problemen stehen auch andere Schulen. Die Realschule in Gangelt zum Beispiel investiert als auslaufende Schule kein Geld mehr in neue Technik. Die Schüler der sechs vorhandenen Schulklassen können zwei Computerräume mit Desktop-PCs nutzen. Ulf Drießen, Lehrer für die Fächer Deutsch, Politik und Sozialwissenschaften, sieht in der Nutzung von Rechnern in den Computerräumen sogar einen Nachteil. „Wir müssen über das halbe Schulgelände laufen, um da hoch zu gehen und verlieren dadurch jedes Mal zehn Minuten Unterrichtszeit“, sagt er. Die Vorteile der PC-Nutzung überwiegen jedoch auch aus seiner Sicht, weil man aktuell zu bestimmten Themen recherchieren könne. Solche Aufgabenstellungen müssten jedoch unter Aufsicht bearbeitet werden, weil viele Kinder im Netz sehr leichtgläubig seien. „Die Kinder kennen sich aus, was Spiel und Spaß betrifft“, sagt Drießen. Wie man jedoch mit einem Computer arbeitet und dass man „nicht alles glauben darf, was man im Internet findet“, wissen viele Kinder nicht.

Das bestätigen auch die Lehrer der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule in Geilenkirchen. Was die digitale Ausstattung angeht, ist man dort schon einen Schritt weiter. In acht Klassenräumen hängen sogenannte Smartboards – eine Mischung aus einem herkömmlichen Whiteboard und einem Beamer. Mit diesen Geräten lässt sich mittels einer Handbewegung ein Film genauso abspielen wie eine Excel-Datei öffnen oder ein Text an die Wand werfen.

Zudem soll an der Gesamtschule bald ein digitaler Klassenraum mit 30 bis 32 Laptops eingerichtet werden. Die Hardware dafür ist schon vorhanden, weil die Schule eine Spende bekommen hat. Jetzt warten Lehrer und Schüler auf die Initiative der Stadt, um die Geräte rechtlich sicher anschließen zu können. Zusätzlich können 20 Laptops ausgeliehen werden, und in zwei Informatikräumen stehen je 16 Computer für die Schüler zur Verfügung. „Hardware-mäßig sieht es ganz gut aus“, sagt Manfred Bölingen, der an der Schule Experte für Digitales ist.

Defizite gab es bislang beim Lehrpersonal, das im Bereich des Fachunterrichts Informatik auf drei Lehrkräfte aufgestockt wurde. Pro Schüler sollen mindestens zwei Wochenstunden für den Umgang mit verschiedenen Medien möglich sein, sagt er. Das sei das Minimum. Da die Zeit für Mediennutzung dennoch immer knapp sei, appelliert er auch an die Lehrer anderer Fächer, in ihrem Unterricht Computer zu nutzen. Diese Form des Unterrichts schule nicht nur die Kinder darin, wie sie mit den Rechnern arbeiten können, sondern sei auch aktueller als Schulbücher, die spätestens nach zwei Jahren veraltet seien, sagt er.

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