Mathe-Ass Emilie Wolff liebt es, knifflige Aufgaben zu lösen

Von: Rainer Herwartz
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Die zehnjährige Emilie Wolff ist stolz auf ihren Hauptgewinn aus dem bundesweit ausgeschriebenen Mathematik-Wettbewerb der Berliner Humboldt-Universiät. Die hochbegabte Grundschülerin wechselt im Sommer von der Sonnenscheinschule aufs Kreisgymnasium. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Dicke Hornbrille, antiquierte Frisur, angestaubte Klamotten und als beste Freundin allenfalls ‘ne Puppe auf dem Bett im ordentlich aufgeräumten Kinderzimmer. So stellen sich wohl viele das kleine Mathe-Ass vor, das immer schon den Zeigefinger in die Luft reckt, noch bevor die Lehrerin ihre Frage überhaupt zu Ende formuliert hat.

In einschlägigen amerikanischen Sitcoms werden derlei „Nerds“ und ihre Macken ja auch zur Freude aller genussvoll in Szene gesetzt. Doch mit diesen skurrilen Typen verbindet die zehnjährige Emilie Wolff nur eines – ihr blitzgescheiter Kopf. Das hübsche, fröhliche Mädchen, dass derzeit noch die vierte Klasse der Sonnenscheinschule besucht, ist ein wahres Multitalent.

Seine größte Leidenschaft gehört jedoch der Mathematik. Beim sogenannten Känguru-Wettbewerb 2016, der vom Institut für Mathematik der Humboldt-Universität in Berlin ausgerichtet wird, hat Emilie die in 90 Minuten gestellten Aufgaben ohne einen einzigen Punktabzug gelöst. Im Klartext: Das gelang unter 130.489 Teilnehmern der selben Altersstufe gerade einmal 83 Kindern.

Gezielte Förderung

„Im Mathematikunterricht in der vierten Klasse bilden wir leistungshomogene Gruppen“, sagt Emilies Lehrerin, Konrektorin Martina Zerr. „Das heißt, aus allen vier Klassen werden die Schüler nach Leistungsstand zusammengefasst. Hintergrund ist eine bessere, gezieltere Förderung sowohl der stärkeren als auch der schwächeren Schüler.“

Schon seit rund fünf Jahren bewähre sich das Modell. „Weil die Kinder im ,Mathe-Profi-Kurs‘ so leistungsstark sind und über eine schnelle Auffassungsgabe verfügen, können wir uns viel ausführlicher mit Knobelaufgaben und schwierigen Sachaufgaben befassen“, sagt Zerr. „Im Rahmen des Unterrichts nehme ich dann mit dem kompletten Kurs, etwa 20 Kinder, jedes Jahr an zwei Mathematik-Wettbewerben teil. Neben dem Känguru-Wettbewerb ist dies auch der landesweite Mathematik-Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler der vierten Klassen in NRW. Auf Kreisebene war Emilie auch hier die Beste mit 39 von 40 möglichen Punkten. Auf Landesebene holte sie immerhin noch einen beachtlichen siebten Platz.

Wer Emilie gegenübersitzt, merkt schnell, dass diese junge Dame mit den großen strahlenden Augen ihre Welt offenbar nicht nur neugierig, sondern auch mit jeder Menge Verstand und Persönlichkeit unter die Lupe nimmt. „Alles, was Emilie macht, macht sie wirklich mit Begeisterung“, sagt Zerr und kann ihre eigene Begeisterung über die Vorzeige-Schülerin nicht verhehlen. Und das Tollste, diese braucht für die Top-Resultate nicht einmal zu büffeln, bis der Arzt kommt. „Tja, ihr fällt das so in den Schoß“, sagt Zerr.

„Seit dem dritten Schuljahr bekomme ich Noten und habe nur Einsen auf dem Zeugnis“, bestätigt Emilie. Selbst in Sport. Für sie scheint die Schule einfach ein riesiger Spaß zu sein. Mittlerweile jedenfalls. In den ersten beiden Schuljahren hätten sie manche Mitschüler schon ein bisschen schief angemacht, wegen ihres schulischen Erfolges, aber das sei vorbei. Alle haben sich daran gewöhnt, dass Emilie halt mächtig was auf dem Kasten hat.

Zusatzaufgaben gern erledigt

Der Profi-Kurs mache ihr sehr viel Freude, sagt sie. „Manchmal haben wir früher in Mathematik zwei Wochen an einem Thema gearbeitet, weil einige es noch nicht verstanden hatten und ich hatte es schon nach einem oder zwei Tagen begriffen.“ Schon damals bekam sie dann von ihrer Lehrerin zusätzlich ein paar knifflige Aufgaben, damit sich das kleine Mädchen nicht langweilte. „Ich liebe Knobelaufgaben, bei denen man um ein paar Ecken denken und auch mal was ausprobieren muss.“

Aber nun mal Hand aufs Herz, von wem hat Emilie denn nun ihre Intelligenz vor allem in Sachen Mathe, vom Vater oder von der Mutter? Die Kleine ist um keine Antwort verlegen: „Jetzt ist Papa besser, der arbeitet ja bei der Bank, aber Mama sagt, sie sei in der Grundschule besser gewesen.“ Ob sie denn auch beide stolz seien auf ihr Töchterchen? „Meine Eltern sind wohl eher überrascht, weil ich ja gar nichts dafür tue“, sagt Emilie und strahlt wieder mit der Sonne um die Wette.

Ab dem nächsten Schuljahr wird Emilie, die in ihrer Freizeit Geige spielt, in Schafhausen als Tanzmariechen über die Bühne wirbelt und die Ballettschule Kostova besucht, zum Kreisgymnasium in Heinsberg wechseln. „Ich freue mich aufs Gymnasium, bin aber auch traurig, dass ich hier weg muss“, sagt sie.

Das wird ihrer Mathelehrerin wohl ebenso gehen. Und das, obwohl Emilie sie beim Ausrechnen des Känguru-Wettbewerbs sogar um eine Aufgabe geschlagen hat. „Ach, das musste ja jetzt kommen“, lacht Martina Zerr.

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