Geilenkirchen - Martin Luther: Ein ganz Großer, auch dank seiner Frau

Martin Luther: Ein ganz Großer, auch dank seiner Frau

Von: Sonja Essers
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Martin Luther mal anders: In diesem Jahr feiern die Protestanten das Reformationsjubiläum. Vor 500 Jahren schlug Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg. Foto: dpa
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Johannes de Kleine ist Öffentlichkeitsbeauftragter des Kirchenkreises Jülich. Foto: Sonja Essers

Geilenkirchen. Was am 31. Oktober 1517 in Wittenberg geschah, prägt den Alltag von fast 23 Millionen Menschen in Deutschland noch heute. Sie gehören der evangelischen Kirche an und wissen, dass an besagtem Datum Martin Luther seine 95 Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg schlug und damit die Reformation einläutete. Es war die Geburtsstunde der evangelischen Kirche.

Das ist nun knapp 500 Jahre her. Doch welche Rolle spielt das Thema Reformation heute eigentlich noch?

„Reformation ist in der Kirche immer aktuell und ein ständiges Bestehen. Das heißt, dass man sich ständig fragen sollte, ob das, was man tut, auch richtig ist. Es ist ein ständiges Erneuern“, sagt Johannes de Kleine. Er ist Öffentlichkeitsbeauftragter des Kirchenkreises Jülich, dem auch die Gemeinden Geilenkirchen, Übach-Palenberg und Gangelt angehören.

Andere Reformatoren

Insgesamt haben die evangelischen Kirchengemeinden Gangelt, Geilenkirchen und Übach-Palenberg sowie Selfkant und Waldfeucht – zusammen bilden die Gemeinden eine von fünf Regionen im Kirchenkreis Jülich – 11.800 Gemeindemitglieder. Zum Vergleich: Insgesamt 23.000 Mitglieder umfasst die evangelische Gemeinde zu Düren und gehört damit zu den größten Gemeinden in der Region. In Aachen und der Städteregion ist der Protestantismus gemessen an der Gesamtbevölkerung weniger verbreitet. Dort leben heute rund 30.000 Protestanten.

Luther und seine Thesen spielen in Geilenkirchen jedoch nur eine untergeordnete Rolle. „Wir wurden in dieser Region von anderen Reformatoren beeinflusst“, sagt Johannes de Kleine und nennt Johannes Calvin als Beispiel. Luther habe zwar das Startdatum festgelegt, jedoch von Sachsen aus gearbeitet. „Johannes Calvin hat unsere Gegend maßgeblich beeinflusst“, sagt de Kleine. Um an sein Wirken zu erinnern, wurde 2009 in Übach-Palenberg – am 500. Geburtstag von Johannes Calvin – eine Straße nach dem Theologen benannt. Auch Martin Luther, Friedrich Bonhoeffer und Johann Amos Comenius sind im Straßenverzeichnis zu finden. „Das zeigt, dass die Vielfalt der evangelischen Kirche sich nicht nur auf einen Menschen bezieht“, sagt de Kleine.

Johannes Calvin begründete seine Lehre, den so genannten Calvinismus. Ein wesentlicher Unterschied zur Lehre Martin Luthers ist der Gedanke der Prädestination. Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Vorbestimmung. Es bezeichnet die Auffassung, dass das Schicksal eines Menschen von Gott vorbestimmt ist. Calvin vertrat in seiner Lehre die Auffassung, dass es eine doppelte Prädestination gebe. Seiner Meinung nach sei der Mensch für Himmel oder Hölle vorbestimmt. Zudem beruhe Gottes Erwählung zur Errettung bestimmter Menschen einzig auf seinem freien Willen. Glaube und Buße seien als das Ergebnis, jedoch nicht als Grund für diese Erwählung zu verstehen.

Heute beschäftige man sich in der evangelischen Kirche mit anderen Themen. Dazu zähle beispielsweise die Sprache. „Wie muss die Kirche ihre Sprache verändern, um die Menschen auch im Alltag zu erreichen?“, fragt de Kleine und nennt als Beispiel den Umgang mit jungen Menschen. Schließlich sei es eine besondere Herausforderung, Jugendliche für die Themen Kirche und Religion zu begeistern. „Deshalb müssen die Menschen, die in der Kirche arbeiten, auch ständig an sich arbeiten“, sagt er.

Fünf Regionen

Wichtig sei auch das Miteinander. Der Kirchenkreis Jülich besteht derzeit aus 19 Kirchengemeinden, die in fünf Regionen eingeteilt sind. „Die Kirche braucht regionale Zusammenarbeit. Bestimmte Aufgaben können die Regionen nur zusammen leisten“, sagt de Kleine. Anlässlich des Reformationsjubiläums hat sich der Kirchenkreis Jülich mit den Kirchenkreisen Aachen, Gladbach-Neuss und Krefeld-Viersen zusammengeschlossen. Unter anderem feiern die vier Kirchenkreise ein Fest der Begegnung zusammen im Brückenkopf-Park Jülich (siehe Infobox). Natürlich bietet auch die Kirchengemeinde Geilenkirchen verschiedene Veranstaltungen an. Auf eine freut sich de Kleine besonders.

Im Juni wird eine Ausstellung eröffnet, die sich dem Thema Frauen der Reformation widmet. Schließlich gebe es einige Beispiele wie Katharina Zell oder auch Luthers Ehefrau, Katharina von Bora. Auch sie habe die Reformation maßgeblich geprägt, sagt Johannes de Kleine. Luther habe sich geweigert, für seine Bücher Geld zu verlangen, seine Frau musste das Geld heranschaffen. „Ohne sie wäre Luther jämmerlich verhungert. Er war nämlich kein einsamer Kämpfer. Er konnte nur erfolgreich sein, weil er die Rückendeckung seiner Frau hatte“, sagt de Kleine.

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