Gangelt-Birgden - Marode Gebäude: Ratsleute fühlen sich übers Ohr gehauen

Marode Gebäude: Ratsleute fühlen sich übers Ohr gehauen

Von: Jan Mönch
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Vorne blättert der Putz ab, hinten ist das Dach teils abgedeckt, und es klaffen Löcher im Mauerwerk. Es würde sicherlich niemanden stören, wenn das alte Hofgebäude bald von der Ecke Gaterstraße/Paulssträßchen verschwinden könnte. Foto: Jan Mönch
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Vorne blättert der Putz ab, hinten ist das Dach teils abgedeckt und es klaffen Löcher im Mauerwerk. Es würde sicherlich niemanden stören, wenn das alte Hofgebäude bald von der Ecke Gaterstraße/Paulssträßchen verschwinden könnte. Foto: Jan Mönch

Gangelt-Birgden. Wenn man es wohlwollend ausdrücken möchte, kann man die beiden Gebäude als Ruinen bezeichnen, jeder in Birgden wird froh sein, wenn sie endlich weg sind. Dieses Ziel ist zum Greifen nahe, es gibt einen Beschluss aus der Politik und einen Investor, der den alten Gutshof an der Ecke Gaterstraße/Paulssträßchen abreißen und etwas Neues hinstellen möchte, moderne Wohnbebauung nämlich.

Eigentlich könnten alle glücklich sein, doch so ist es nicht, zumindest Teile der Politik wollen ihren Beschluss rückgängig machen.

Die Gründe hierfür liegen eine ganze Weile zurück, nämlich im Jahr 1992. Damals traten Anwohner der Gaterstraße Teile ihrer Grundstücke ab, damit neues Bauland entstehen kann, deshalb gibt es heute die Straße Im Unkelsfeld. Verbunden wurde dies damals mit der Zusage, dass ein gehöriges Stück Abstand zwischen der alten und der neuen Bebauung bleibt. An der Gaterstraße durfte also nur bis in eine Tiefe von 30 Metern gebaut werden, so legte man damals, 1992, die Baugrenzen fest.

24 Jahre ist das her, vor Ort hat sich viel verändert. Die Gebäude sind lange fertig, aus neuen Nachbarn sind alte Bekannte geworden. Jetzt sollen auch die maroden Gebäude Gaterstraße 2 und 4 verschwinden. Der Bauausschuss machte hierfür im Dezember den Weg frei – und hob mit der Bebauungsplanänderung auch die alte Zusage an die Bewohner der Gaterstraße auf. Der versprochene Abstand zwischen alter und neuer Bebauung wäre im Bereich der Häuser 2 und 4 hinfällig. Der Vorteil für den Investor ist klar: Er hätte mehr Platz zum Bauen.

Formaljuristisch ist das zunächst mal in Ordnung. Bebauungspläne sind nicht in Stein gemeißelt, sie dürfen durchaus unter Zustimmung der Entscheidungsträger geändert werden. Zu einer zweifelhaften Angelegenheit wird das Ganze allerdings dann, wenn die Entscheidungsträger gar nicht wissen, was sie entscheiden, und einige von ihnen sagen, dass genau dies hier der Fall gewesen sei.

Zunächst fiel auch niemandem etwas auf. Dann wurde die geplante Änderung des Bebauungsplans im Amtsblatt veröffentlicht. Und einer sah dann doch hin: Josef Philippen, Anwohner, Finanzbeamter und Besitzer eines gut gepflegten Aktenbestandes. Rasch hatte er die alten Unterlagen hervorgekramt. „Wenn mir das nicht aufgefallen wäre, wäre der neue Beschluss schon rechtskräftig“, sagt Philippen. Und er stellt klar: „Ohne die Zusage hätten die anderen Anwohner und ich unsere Grundstücke Anfang der 90er gar nicht abgegeben.“

Damit konfrontierte Philippen nun verschiedene Ratsleute. Die waren bestürzt: Ihnen sei nicht klar gewesen, dass sie mit der Bebauungsplanänderung eine alte Zusage für nichtig erklären. Die Fraktionen der Freien Wähler (FW) sowie der Unabhängigen Bürger (UB) haben nun Einspruch gegen die Bebauungsplanänderung erhoben, die sie zuvor selbst mitgetragen haben, außerdem insgesamt mehr als ein Dutzend Nachbarn. „Wir haben nicht alle Fakten auf den Tisch bekommen, uns wurde eine gut klingende Sitzungsvorlage untergejubelt“, schimpft der UB-Vorsitzende Roger Schröder. Zudem bemängelt er, dass es sich bei dem Investor um CDU-Mitglied Leo Vaßen handelt. Das sei doch Klüngel.

Vaßen sitzt auch im Bauausschuss, hatte sich bei der Abstimmung aber, wie es sich gehört, für befangen erklärt. Er sagt zu unserer Zeitung, dass er die Aufregung nicht recht verstehe. Durch sein Bauvorhaben sei Schattenwurf in die Gärten des Unkelsfeldes allerhöchstens in den frühen Morgenstunden zu erwarten. Und es stimme auch nicht, dass es ihm darum gehe, mehr Fläche zu überbauen – sie solle nur mehr in die Länge gehen. Antrag auf Änderung des Bebauungsplans zu stellen, das sei jedenfalls legitim.

Doch in der Nachbarschaft scheint sich die Ablehnung des Vorhabens durchgesetzt zu haben. Selbst der ehemalige Besitzer eines der beiden zum Abriss vorgesehenen Gebäude ist mittlerweile unglücklich. Im Kaufvertrag, verhandelt im Sommer 2014, steht, dass er auf rechtliche Schritte verzichtet, sollte die Baugrenze verschoben werden. Der alte Eigentümer dachte sich nichts dabei und unterschrieb.

Nun befürchtet er, selbst zugebaut zu werden – denn er wohnt weiterhin nebenan. Vaßen sagt, dass er diesen Passus lediglich auf Empfehlung des Kreisbauamtes habe einfließen lassen.

Bürgermeister Bernhard Tholen beteuert, dass ihm der Beschluss von 1992 nicht bekannt war, „das war vor meiner Zeit“, sagt er. Der Bebauungsplan muss nun wieder in Bauausschuss und Rat, er und die Verwaltung würden sich natürlich nach dem Ergebnis richten, zu dem die Birgdener Ratsgruppe und die Fraktionen kommen. Jetzt wüssten ja alle Bescheid und könnten ihre Entscheidung fällen.

Das Thema geht erst nach der Sommerpause, also wohl im September, wieder durch die Gremien.

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