Übach-Palenberg - Marienberg: „Ein weiterer Sargnagel für Palenberg”

Marienberg: „Ein weiterer Sargnagel für Palenberg”

Von: mabie
Letzte Aktualisierung:
Der Neubau im eventuell künft
Der Neubau im eventuell künftigen Nahversorgungszentrum von Marienberg ist schon gut erkennbar. Hier könnten künftig auch Arztpraxen einziehen. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Die Geschäftslage Marienberg ist schon seit vielen Jahren ein Zankapfel zwischen den Parteien. Neues Feuer unter dem Kessel machte nun die Vorstellung von Planungen im Ausschuss für Stadtentwicklung, Infrastruktur und Marketing.

So will der bestehende „Lidl”-Markt seine Verkaufsfläche um 200 Quadratmeter erweitern, allerdings ohne das Sortiment auszubauen. Dazu ist seit einiger Zeit schon der Rohbau eines neuen Geschäftshauses auf dem Grundstück an der Ecke Marienstraße/Grenzweg zu bewundern. Hier sollen neben dem bestehenden Geldinstitut, das in größere Räume umziehen wird, auch Arztpraxen, eventuell eine Apotheke oder ein Reformhaus untergebracht werden. Unterm Strich, so die Planungen der Stadtverwaltung, soll Marienberg neben den Hauptzentren Übach und Palenberg sowie dem bestehenden Nahversorgungszentrum (NVZ) Boscheln zum zweiten NVZ wachsen.

Der Knackpunkt an diesen Planungen ist allerdings, dass die Bezirksregierung (BR) Köln die Ausweisung Marienbergs als (NVZ) bislang nicht akzeptiert. Grund für die Verweigerung des so genannten „Testats” als NVZ, das vor allem planerische Vorteile bei anstehenden Entscheidungen und Fragen rund um den Bebauungsplan hat, ist, dass die BR bislang das Angebot an öffentlichen und privaten Versorgungs- und Dienstleistungseinrichtungen der Verwaltung, Bildung, Kultur, Gesundheit, Freizeit und des Einzelhandels als „derzeit nicht ausreichend” ansieht.

Falls die Stadt Übach-Palenberg dennoch das NVZ in Marienberg schaffen wolle, müsse das geschehen, ohne das Zentrum Palenberg zu schädigen, so der weitere Standpunkt der BR Köln. An dieser Stelle kommt der an verschiedenen Orten in Übach-Palenberg gefragte Gutacher Dr. Rainer Kummer ins Spiel. Er hat ein Entwicklungskonzept vorgelegt, nach dem sich der zentrumsverträgliche Ausbau Marienbergs zu einem NVZ umsetzen lassen soll.

So sprach sich Dr. Kummer in der Ausschusssitzung für ein Wachstum des als „Ankermarktes” gesehenen „Lidl” aus. „Im Grunde geht es dabei um eine bauliche Veränderung bei gleichbleibendem Sortiment”, so Kummer, „denn so können größere Kühlmöbel und Europaletten besser im Discountmarkt untergebracht werden. Die größeren Kühlmöbel hätten den Vorteil, dass sie weniger oft nachgefüllt werden müssen und der Aufbau von Europaletten verkürze die Wege und spare Arbeit beim Einräumen des Geschäftes ein. Dazu empfahl Dr. Kummer die Ansiedlung so genannter nicht zentrenrelevanter Geschäftsbereiche, wie zum Beispiel Apotheke, Reformhaus, Blumengeschäft, Gastronomie, Arztpraxen, Reinigung oder Reisebüro. „Es geht nur um Bereiche der Grundversorgung”, bekräftigte der Gutachter, „und mögliche Synergien zwischen bestimmten Nutzungsformen”.

Auf 2000 Quadratmeter geändert

Passend dazu erläuterte Achim Engels von der Stadtverwaltung die textliche Umsetzung im bestehenden Bebauungsplan. Der gebe, so Engels, als Sondergebiet ohne „großartige Änderungen” auch den Bau des bereits bestehenden, dreigeschossigen Geschäftshauses her. Textliche Festsetzungen im Bebauungsplan seien so geändert worden, dass die Verkaufsfläche nun insgesamt 2000 statt der bisherigen 1600 betragen dürfe.

Als erste Wortmeldung richtete sich Corinna Weinhold (UWG) an den Ausschuss. „Sie sagen heute genau das Gegenteil von damals”, wetterte sie und bezog sich dabei auf das im Jahr 2005 vorgelegte Gutachten.

Die Planungen an sich sah sie als „weiteren Sargnagel für Palenberg” an. „Dann haben wir demnächst nicht nur einen, sondern zwei Friedhöfe in Palenberg”, schloss Weinhold. In eine ähnliche Richtung tendierte auch der Ausschussvorsitzende Heiner Weißborn: „Ich glaube, das sind alles Punkte, die scheibchenweise etwas vom Zentrum Palenberg abschneiden”.

Und seine SPD-Parteigenossin Eva-Maria Piez verstärkte diesen persönlichen Eindruck noch. „Ich bin entsetzt, dass wir wieder die gleichen Argumente wie früher vorgesetzt bekommen”, hob sie an. Auch die Worte „Salami-Taktik” seitens der Planenden ließ sie fallen und befürchtete, dass auch in Marienberg der Leerstand von Geschäften Einzug halten könnte. Besonderen Ärger bereitete ihr aber, dass die Stadt schon Tatsachen geschaffen habe, ohne die entsprechenden Gremien einzubinden.

Volker Schlüter, SPD, wurde als ehemaliger Beigeordneter für Planen und Bauen in der Stadt deutlicher. „Ich stelle fest, dass zum Teil schon Tatsachen geschaffen wurden, über die wir heute diskutieren”, so Schlüter. Damit spielte er auf die Sonderbefreiung des Bebauungsplanes hinsichtlich der Einrichtung von Arztpraxen an. „Niemand hier im Raum wird sagen, dass Ärzte an dieser Stelle keinen Sinn machen, insofern ist das Handeln der Verwaltung hier nicht zu kritisieren”, schob Engels gleich nach.

Volker Schlüter ging einen Schritt weiter, regte eine Bürgerbeteiligung für den gesamten Themenkomplex an und sah auch, was in Palenberg geschehen kann. „Palenberg hat verloren und Palenberg wird verlieren”, schloss er.

Ganz andere Töne gab es schließlich von CDU-Sprecher Gerhard Gudduschat. „Ich sage, dass ist eine gute Sache für Marienberg”, bekräftigte er seinen Zuspruch zum Gutachen und den Planungen.

Dr. Rainer Kummer verteidigt sein Konzept

Eine Entscheidung zu diesem Thema ist in der Ausschusssitzung nicht gefallen, sondern wurde in den Haupt- und Finanzausschuss sowie Rat verwiesen.

Dr. Kummer verteidigte sein Gutachten aber schon jetzt. „Aus meiner Sicht droht nicht der Untergang des Abendlandes in Übach-Palenberg”, sagte er zu den Befürchtungen rund um Palenberg. „Ich halte das Konzept als für mit Augenmaß entwickelt”, schloss er.

Das von der Verwaltung in Auftrag gegebene und vom Investor vor Ort bezahlte Gutachten klang auch in den Ohren von Dezernent Hans-Peter Gatzen gut. „Gott sei Dank, dass diese fiese Ecke mal zugebaut wird”, gab er an ihn herangetragene Meinungen wieder.

Zugleich gab Gatzen zu, dass einige Anliegen so noch nicht kundgetan wurden. Gleichzeitig kommentierte er auch die angeregte Bürgerbeteiligung. „Das war bisher nicht vorgesehen, weil wir die Sache von Seiten der Verwaltung als endgültig angesehen haben”, schloss er.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert