Marc Eschweiler: Aus Scherpenseel in die Champions League

Von: Thorsten Pracht
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Am Aachener Tivoli kommentiert
Am Aachener Tivoli kommentierte der 38-Jährige bis 2009 alle Heimspiele der Alemannia für 100,5 Das Hitradio. Foto: Andreas Steindl

Übach-Palenberg. Den Fußball hat Marc Eschweiler in die Wiege gelegt bekommen. „Ich bin mitten in die Weltmeisterschaft 1974 hineingeboren”, sagt er. Wenn jetzt eine WM oder EM ansteht, dann moderiert der 38-Jährige Sondersendungen bei WDR-Event.

Oder er analysiert als Experte im TV-Sender Phoenix die Aussagen des Bundestrainers in den DFB-Pressekonferenzen.

Marc Eschweiler ist Fußball-Reporter, einer von gerade mal acht beim WDR-Hörfunk, und übt damit nicht nur seinen persönlichen, sondern auch den Traum-Beruf vieler junger Kicker aus. Als 2011 die Bundesliga-Saison abgepfiffen wurde und 80.000 Menschen den neuen Deutschen Meister Borussia Dortmund feierten, stand er mit dem Mikrofon in der Hand gerade mal zwei Meter von Kult-Trainer Jürgen Klopp entfernt - Gänsehaut-Momente auch für den Profi.

„Ich war schon immer auf Fußball eingestellt”, sagt er mit der Stimme, die einem aus dem Radio so geläufig ist. Vater Heinz war Amateur-Fußballer und Landesliga-Schiedsrichter, der Sportplatz des Heimatvereins SV 09 Scherpenseel-Grotenrath gerade mal 500 Meter vom Elternhaus entfernt. In Übach-Palenberg absolvierte Marc die Realschule, ging anschließend in die Lehre als Radio- und Fernsehtechniker.

Irgendwann übernimmt er von seinem Vater den Job, sonntags die Ergebnisse der Amateurligen für den ehemaligen Lokalsender Welle West telefonisch abzufragen - der Grundstein für den Wechsel in den Journalismus. Bald wird aus dem Telefon-Job mehr, plötzlich steht Marc auf dem Nürburgring und berichtet live von einem Rennen. „Ich glaube, ich habe nur wirres Zeug gefaselt”, erinnert er sich lachend. So schlecht kann die erste Reportage nicht gewesen sein, nach dem Volontariat bei Antenne AC wechselt er zu 100,5 Das Hitradio.

Als Tom Adrian, das Pseudonym ist ein Wunsch des Senders, erreichen seine Reportagen von den Alemannia-Spielen im UEFA-Pokal und der anschließenden Aufstiegs-Saison Kult-Charakter. „Fußball lebt nun mal von der Leidenschaft. Und das muss man im Radio auch transportieren”, sagt der Kommentator über seinen mitreißenden Stil. Anfang 2009 zieht es ihn zu Hitradio FFH nach Frankfurt, allerdings ganz nüchtern als Mann für die Nachrichten. Ein Anruf von WDR2-Sportchefin Sabine Töpperwien wirft die Pläne, „ein paar Jährchen in Frankfurt zu bleiben”, schnell wieder über den Haufen.

Die Liebe zum Fußball siegt, er heuert in Köln an und meldet sich wenig später beim Pokalspiel FSV Frankfurt gegen Borussia Mönchengladbach erstmals im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Einen Monat später folgt das erste Bundesliga-Spiel, Marc Eschweiler wird regelmäßiger Teilnehmer der legendären Bundesliga-Konferenz am Samstagnachmittag. „Die habe ich schon mit meinem Vater immer in der Küche gehört. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einer von diesen Kommentatoren werde. Ich fand meine eigene Stimme eigentlich immer doof”, sagt der Mann aus Scherpenseel.

Sechs bis acht Live-Spiele stehen monatlich auf dem Plan, zusätzlich zu Redaktionsdiensten und der Recherchearbeit, die zum Reporter-Job einfach dazu gehört: „Wenn ein Spieler eingewechselt wird, dann musst du als Reporter natürlich draufhaben, dass dieser Spieler vor zwei Jahren gegen denselben Gegner mal vom Platz geflogen ist.” Bei bis zu 40 Einblendungen à 45 Sekunden pro Spiel wird die Konzentration maximal gefordert.

In der Bundesliga sind eben alle Landesanstalten der ARD live dabei und rufen reihum den Reporter vor Ort. Dabei geht es oft heiß her. Die chaotischen Szenen während der Spielunterbrechung im Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin kommentierte Eschweiler fast 30 Minuten lang live. „Wir wussten ja nicht, wie es weiter geht. Also sind wir einfach draufgeblieben”, erinnert er sich.

Mit Dortmund nach Piräus, mit Schalke nach Lissabon - inzwischen ist Marc Eschweiler in der Champions League angekommen. „Das ist einfach etwas Besonderes. Die Spanier brüllen noch Gol, Gol, Gol, wenn ich schon das ganze Tor geschildert habe” - die Südländer nehmen den Fußball halt noch eine Spur emotionaler.

Zwischen Dortmund, Madrid und Trondheim kommt er mehrmals in der Woche in seinen Heimatort Scherpenseel, seit 14 Monaten meist in Begleitung seines Töchterchens. Zu Germania Teveren, wo er Jahre lang als Stadionsprecher fungierte, bestehen weiterhin lose Kontakte. Der Reisende in Sachen Fußball hängt eben an seiner Heimat: „In Übach-Palenberg und Geilenkirchen kenne ich mich immer noch besser aus als in Aachen, auch wenn ich da schon seit zehn Jahren wohne.”
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