Marathon über Via Belgica: Historische Strecke, frischer Schweiß

Von: Markus Bienwald
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Mehr als 600 Starter machten schon die Premiere des „Maastricht Marathon über die Via Belgica“ zum fünftgrößten Marathon der Niederlande. Foto: Markus Bienwald
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Die bronzenen Schildkröten auf der Rimburger Brücke beobachteten auf ihre Art und Weise das Marathon-Geschehen.
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Römisch gewandete Menschen fanden sich am Wegesrand passend zur historischen Strecke natürlich auch.

Übach-Palenberg/Landgraaf/Maastricht. Es gab da zwei, die am Samstagmorgen jedwedes Startsignal zum ersten „Maastricht Marathon über die Via Belgica“ ignorierten. Die beiden bronzenen Schildkröten auf der Rimburger Steinbrücke nämlich, die sich – verabredungsgemäß – scheinbar langsam aufeinander zubewegen, um die vielen kleinen Schritte zur europäischen Integration sinnbildlich darzustellen.

Für alle anderen, die am ersten Marathon dieser Art trotz des etwas sperrigen Titels gerne teilnahmen, war der Startort genau auf der Grenze zwischen dem deutschen Übach-Palenberg und dem niederländischen Landgraaf mit dem gemeinsamen Ortsnamen Rimburg aber eher etwas, das wie im Zeitraffer bunt an ihnen vorbeiflog.

Wie bunt, das konnten neben den Teilnehmern wohl nur die niederländischen Organisatoren dieses schon bei der Premiere fünftgrößten Marathons der Niederlande beschreiben. „Via Belgica bietet eine ideale Gelegenheit, unserer reichen römischen Geschichte eine neue Zukunft zu geben“, hieß es dazu in schönen Worten auf der eigens eingerichteten Homepage zum Marathon. Für Mike Broers von „Comotion Events“ war es am Samstag aber eher harte Arbeit, den genau 42,195 Kilometern vom Startpunkt an der Rimburger Brücke bis zum Ziel in Maastricht – übrigens ebenfalls an einer steinernen Brücke gelegen – Leben einzuhauchen. Da freute es ihn, dass die Teilnehmer schon am Samstagabend viel Lob für den ersten Marathon dieser Art fanden. „Super Marathon, ich habe das sehr genossen“, schrieb beispielsweise ein User namens „Marcel“ über das Ereignis.

Und das hatte es tatsächlich in sich, denn weit über 600 Teilnehmer gingen an den Start, darunter viele Profis, aber auch Amateure und Menschen, die den Marathon als Herausforderung sahen. Gerade für Letztere hatte das Organisationsteam ein paar Schrittmacher eingeladen, die mit farblich unterschiedlichen Luftballons gekennzeichnet für Zielzeiten von drei bis fünf Stunden standen. So hatten Lianne Havesaath und Henk Geilen beispielsweise die schwarzen Ballons bei sich und wollten in viereinhalb Stunden am Ziel sein, während der Italiener Gaetano Covizzi mit weißen Ballons für die rund eine Stunde kürzere Zeit Pate stand.

Läuferlast bestens verkraftet

Dass die Brücke auf der deutsch-niederländischen Grenze die Läuferlast bestens verkraftete, war von vornherein klar. Und schon als die beiden Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch aus Übach-Palenberg und Raymond Vlecken aus Landgraaf zum Start tuteten, lichtete sich das anfangs noch dicht gedrängte Feld schnell. Das setzte sich bei den Streckenabschnitten mit einem „Berg“ im Namen fort. Die entsprechenden Steigungen sorgten bei der nach Ansicht der Veranstalter schönsten und wahrscheinlich auch hügeligsten Marathonstrecke der Niederlande dafür, dass die Spreu sich weiter vom Weizen trennte. Gut, dass der Tag nicht mit tropischen Witterungsbedingungen gesegnet war.

Wer es sich am Wegesrand einfach mal gutgehen lassen wollte, hatte dazu Gelegenheit. Es gab überall etwas zu sehen, die Café-Inhaber hatten ihre Terrassen schon früh auf den Ansturm der Zuschauer eingerichtet, und natürlich war am Ziel in Maastricht wie immer richtig was los.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch fand übrigens noch eine augenzwinkernde Analogie zum historischen Geschehen, das den Landstrich von Übach-Palenberg bis Maastricht einst prägte. „Der Marathon hat bekanntlich seinen Ursprung in Griechenland, die Via Belgica ist römisch, das Ringen um den Sieg am Ziel in Maastricht könnte man folglich auch griechisch-römisch nennen“, schlussfolgerte der Verwaltungschef. Natürlich freute sich Jungnitsch wie auch Amtskollege Vlecken über die schöne Tatsache, ein solches Ereignis in der Stadt zu haben. Und Raymond Vlecken richtete an historischer Stelle den Blick auch in die Zukunft: „Ich hoffe, dass dieses Ereignis zum festen Bestandteil des sportlichen Angebots unserer Region wird.“

Den Schildkröten von der Brücke soll es recht sein. Denn später am Tage, als nur noch Freizeitsportler und Grenzgänger ihre bronzenen Körper passierten und die eigens für den Start angebrachten Einzäunungen und gelben Warnwesten wieder abgelegt waren, kehrte für sie die gewohnte Ruhe ein. Und sie durften wieder das tun, wofür sie dereinst im Rahmen der Euregionale 2008 einmal aufgestellt wurden: scheinbar langsam aufeinander zugehen, viele kleine Schritte zur europäischen Zusammenkunft wagend.

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