„Mangelnde Transparenz”: Kirchenvorstand in Teveren tritt zurück

Von: Wilfried Rhein
Letzte Aktualisierung:
Für rund 1400 Katholiken in d
Für rund 1400 Katholiken in der Pfarre von Teveren steht die St.-Willibrord-Kirche offen. Fernab von den skralen Handlungen gibt es aber einen Zwist zwischen Pfarrer und Kirchenvorstand. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Teveren. Im November sollte der Kirchenvorstand der Pfarre St. Willibrord im Stadtteil Teveren neu gewählt werden. Das wird er nicht.

Sechs von sieben der nicht klerikalen Angehörigen des Gremiums sind zurückgetreten, fünf von ihnen sogar in einem geschlossenen Akt. Worum es geht? Es geht um Geld. Um welche Summe? „Das können wir nicht prüfen”, sagt eine der betroffenen Personen.

Hintergrund ist der mathematische Schlüssel von Beitragsumlagen aus den elf Gemeinden in der neuen Pfarrgemeinschaft, mit denen sich der Geilenkirchener KGV (Katholischer Gemeindeverband) St. Bonifatius refinanziert. Da fehle es an „Transparenz”, wie die Summen zustande kämen, monieren die Kirchenvorständler aus Teveren.

Dass der Umlageschlüssel mehrheitlich im Rund der elf Pfarreien akzeptiert worden sei, ändere nichts an der Wissenslücke, mit der man sich in St. Willibrord plage. Es sei nicht so, „dass dieser Schlüssel für alle nachvollziehbar erklärt worden ist”, gibt ein Betroffener preis.

Man vermisse die ausführliche Information zu diesem Vorgang, kritisieren die zurückgetretenen Kirchenvorstände den Vorsitzenden des Gremiums, von Amts wegen Pfarrer Peter Frisch, der auch Leiter des Gemeindeverbandes ist. Wie also sollte Teveren sich bei der Entscheidung verhalten, wenn es um die Zuweisungen geht für Personal- und Sachkosten sowie einen Sockelbetrag für den KGV?

Die Gruppe der vom Vorstandsamt zurückgetretenen Katholiken wirft Pfarrer Frisch „eine unsinnige Inszenierung” vor, unter solchen Umständen eine Festlegung zum Haushaltsvorschlag des Gemeindeverbandes zu erwarten.

Der Kirchenvorstand ist ein Gremium nach staatlichem Recht. Anders als der Pfarrgemeinderat, der nach Kirchenrecht eingesetzt ist und sich für pastorale Aufgaben zuständig erklärt, regelt der Kirchenvorstand die Finanzgeschäfte der Pfarre, verwaltet das Kirchenvermögen. So will es das Landesgesetz aus dem Jahr 1924. Steht ein solches Verhalten dem Kirchenvorstand gegenüber mit den Regelungen dieses Gesetzes im Einklang? Diese Frage ist bei den Zurückgetretenen aus Teveren offen.

Das hat man Peter Frisch anlässlich der Rücktrittsformulierung auch mitgeteilt: „Es mag unser persönlicher Eindruck sein, aber wir haben seit der Konstituierung des Kirchenvorstands den Eindruck, dass eine wirkliche Mitarbeit und vor allem ein Mitdenken seitens der Vorstandsmitglieder nicht gewünscht sind.” Das fände man schade, heißt es weiter, da die Betroffenen ihre Ämter so verstanden haben, das Bestmögliche für die Gemeinde zu erreichen.

Nun sei ein „gedeihliches und konstruktives Miteinander” in dieser Situation wohl nicht mehr möglich, begründen die zwei Damen und drei Herren - nur noch einer verbleibt im Teverener Kirchenvorstand - das Ende ihrer Mitarbeit im Verwaltungsgremium.

Dass ihn der Rücktritt erreicht hat, bekundete Pfarrer Frisch in einem Brief, den er zwei Wochen später beim Samstagabend-Gottesdienst in St. Willibrord verlesen ließ. Dass man diese Form und keinerlei persönliche Anrede gewählt habe, empfindet der Ex-Kirchenvorstand der 1400-Seelen-Gemeinde Teveren ebenfalls „nicht fair”.

Pfarrer Peter Frisch bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung den Rücktritt des Kirchenvorstands in Teveren „bis auf eine Person”. Er betonte, es handele sich um ein Ehrenamt, eine Verpflichtung zur Amtsausübung bestehe nicht. Es gebe auch kein „mitteilbares Wissen” in diesem Zusamenhang, „die Themen werden intern behandelt”, so der Pfarrer. Nur so viel, dass es um „interne Prozesse mit Auswirkungen auf den Kirchengemeindeverband” gehe.

Der Seelsorger bestätigte auch, dass das Bischöfliche Generalvikariat in Aachen von der Entwicklung unterrichtet worden sei. Denn es gehe ja um die fortlaufende Vermögensverwaltung in der Pfarre St. Willibrord. Es sei nun zu kurzfristig, um die Ämter durch Neuwahl im November zu besetzen.

Das Bistum versuche schnellstmöglich einen Vermögensverwalter zu finden, versicherte Diözesan-Sprecher Josef Heinrichs. Das werde, so die Übung, kein Mitarbeiter des Bistums sein, sondern eine fachlich versierte Person „aus Verwaltungszentren”. Jener Experte agiere wie der Kirchenvorstand, wenn es beispielsweise um das Bezahlen von Rechnungen geht. Folglich unterliegt er auch dem Staatsrecht und muss, vom Generalvikar in Aachen ernannt, auch vom Regierungspräsidium in Köln bestätigt werden.

Auf die Ursache des Zwistes in Teveren angesprochen, nämlich des Umlageschlüssels für die Gemeinden zur Finanzierung des KGV, versicherte Josef Heinrichs, dem werde nachgegangen. Eine Abstimmung mit dem zuständigen Pfarrer, hieß es, sei auch Anliegen des eingesetzten Vermögensverwalters.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert