Mandolinenorchester Birgden: „Wandervögel” lassen Puppen tanzen

Von: Johannes Gottwald
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Das Birgdener Mandolinenorches
Das Birgdener Mandolinenorchester bot im Schloss Zweibrüggen ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm. Foto: Georg Schmitz

Übach-Palenberg. Das Rokoko-schloss Zweibrüggen erstrahlte in magisch blauem Licht. Anlass dafür war aber keineswegs eine verspätete Halloween-Party, sondern das Konzert des Mandolinenorchesters Birgden unter Leitung von Christel Haak. Sogar ein kleines Jubiläum konnte man an diesem Abend feiern: Schon seit zehn Jahren musizieren die Birgdener „Wandervögel” regelmäßig in Zweibrüggen.

Etwa 100 Zuhörer konnte Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch im großen Saal des Schlosses begrüßen und überreichte dem Vorsitzenden Ludwig Dohmen eine historische Dachschindel der alten Karlskapelle.

Auf das Publikum wartete danach ein heiteres und abwechslungsreiches Programm, das vorwiegend im Bereich der leichten Muse angesiedelt war, aber klassische Elemente keineswegs aussparte. Dies zeigte sich sogleich im einleitenden „Au temps de Pierre et Colombine”, das vom Arrangeur M. Ritter als Paraphrase über den ersten Satz der g-moll-Symphonie KV 550 von Wolfgang Amadeus Mozart gestaltet war.

Beim Hören dieser Version konnte man sich tatsächlich eine romantische Liebesnacht mit heimlichem Necken und Jagen vorstellen - ob allerdings Mozart selbst bei der Komposition dieses düsteren Spätwerkes an Pierre und Colombine gedacht hat, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Dagegen machte die Ouvertüre „Poesia Alpestre” von M. Salvetti Simone aus ihrer programmatischen Vorlage kein Hehl. Schon der Titel deutete an, dass der Komponist von der italienischen Alpenlandschaft mit ihren vergletscherten Gipfeln, schroffen Kalkfelsen, saftig-grünen Matten und rauschenden Bergbächen inspiriert wurde.

Genauso präsentierte sich auch die Musik - mal grandios-pathetisch, aber zuweilen auch unwirklich zart. Dagegen ließen die „Wandervögel” im nachfolgenden Stück „Marionetten” die Puppen tanzen - die leichtfüßig-wiegende Rhythmik ließ daran keinen Zweifel.

Für vier Mitglieder des Orchesters bedeutete dieser Abend eine Feuertaufe: Natalie Jansen, Anzi Maccogiani, Luisa und Jonas Merkelbach waren zum ersten Mal dabei. Den „Olga-Blues” musizierten sie auf bravouröse Weise ganz alleine und ernteten dafür verdienten Sonderapplaus. Auch bei dem schwungvollen „Mandolinen-Express” zeigte das Birgdener Orchester seine große musikalische Klasse mit vorzüglichem Zusammenspiel und schöner Ausgewogenheit des Klanges.

Temperamentvoll zog der „Entertainer” von Scott Joplin vorüber und in den „Plucking Strings” von Julis Steffaro wurden die Bäuche der Gitarren und Mandolinen sogar als Schlagzeug eingesetzt. Nach der Pause brachte das Stück „Milena” von Mario Maciocchi zunächst schwermütige, leicht orientalisch angehauchte Klänge, die sich dann aber später in heiteres Dur auflösten.

In der Fantasie über ein Thema aus der Romanze in F-Dur von Beethoven entlockte Christel Haak ihrem Orchester wundervoll zarte, romantische Töne. Auch der Solist Hubert Meehsen begeisterte auf der Mandoline mit brillianter, aber nie aufdringlicher Virtuosität. Von herbstlicher Stimmung und dezenter, fernöstlicher Harmonik durchweht war der „Song of Japanese Autumn” von Yasuo Kuwahara.

Die „Elisabethan-Serenade” von Ronald Binge entstand 1952 anlässlich der Thronbesteigung von Königin Elizabeth II. Damals herrschte in England Aufbruchsstimmung und die Hoffnung auf ein neues „elisabethanisches Zeitalter, was auch in der optimistischen Klangsprache des Stückes zum Ausdruck kommt.

Nochmals in die Südalpen entführte anschließend der Konzertwalzer „Fior Trentino”. Einen Höhepunkt des Abends bildeten die beiden Solovorträge des Baritons Arnold Schmitz, der zunächst im „Abend mit Paul Lincke” auf prachtvolle Weise bekannte Operetten-Melodien zu Gehör brachte - selbstverständlich durfte dabei die weltbekannte „Berliner Luft” aus der „Frau Luna” nicht fehlen.

Das nachfolgende „My Way” war dagegen von schwärmerischer Lyrik erfüllt. Den Schlusspunkt des Konzertes setzte der schmissige „Äquator-Marsch” von Albert van de Velde, der einen fulminanten Kehraus bildete. Am Ende gab es stürmischen Beifall für die „Wandervögel”, die sich auch bei ihrem zehnten Auftritt in Zweibrüggen mit unverbrauchter Frische und voller Spielfreude präsentierten.
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