Geilenkirchen - Manche Vereine haben keinen einzigen Jungschiedsrichter mehr

Manche Vereine haben keinen einzigen Jungschiedsrichter mehr

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
4573713.jpg
Er steht ohne Jungschiedsrichter da: Markus Diederen, Jugendleiter des FC Germania Bauchem. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. 160 Kinder und Jugendliche aus über 30 Nationen spielen in der Fußballabteilung des FC Germania Bauchem in neun Mannschaften. Jugendleiter Markus Diederen freut sich über die Unterstützung von 13 Trainern und Betreuern. Doch woran es mangelt, sind die Jungschiedsrichter. Keinen einzigen jugendlichen Schiri hat er auf seiner Vereinsliste.

Mit Andreas Seidler steht ihm lediglich ein Seniorenschiedsrichter zur Seite. Bei den Nachwuchsfußballern heißt es lediglich: kein Interesse. Dabei empfiehlt der Fußballverband, pro Jugendmannschaft einen Unparteiischen zu stellen. Während der Verband diese Forderung im Jugendbereich auch wirklich nur als Empfehlung sieht, ist sie im Seniorenbereich Pflicht. Und da der Germania aus Bauchem mit zwei Seniorenmannschaften ein Schiedsrichter fehlt, hagelt es Strafe: 40 Euro im Monat muss der Club an den Fußballverband abführen.

Doch mit diesem Problem stehen die Germania-Verantwortlichen nicht alleine da: Wirft man einen Blick in die Amtlichen Mitteilungen des Fußballverbandes, so muss man feststellen, dass neben Bauchem auch der FSV Geilenkirchen, Immendorf und Würm-Lindern keinen einzigen Jungschiedsrichter stellen. Aus rund 60 Jugendmannschaften in der Stadt Geilenkirchen kommen gerade mal zehn junge Unparteiische. Doch das war einmal ganz anders.

„Früher hatten wir immer zwischen drei und sechs Jungschiedsrichter in unseren Reihen“, blickt Bauchems Jugendleiter Markus Diederen, auch Geschäftsführer des Gesamtvereins und Trainer der C-Junioren und B-Mädchen, auf bessere Zeiten zurück. Bereits bei den C-Jugendlichen, also bei den 14 und 15 Jahre alten Spielern, macht Diederen Werbung für das Schiedsrichteramt. „Ein bis zwei Spieler hatten sich immer dafür interessiert. Die hatten auch Spaß an der Sache. Und den einen oder anderen konnten wir bis in die Senioren hinein retten“, sagt er. Doch seit einem Jahr herrscht Flaute.

Mit Christoph Wagner hat der letzte Jungschiedsrichter die Pfeife beiseite gelegt. „Entweder haben die Jugendlichen keine Zeit oder kein Interesse“, hat Diederen feststellen müssen. Sicherlich habe jeder Verein auch einen Schiedsrichterbeauftragten, der natürlich Werbung für dieses Hobby mache. „Unser Schiedsrichterbeauftragter Felix Kirschbaum wohnt seit zwei Jahren in London“, erwartet Diederen keine große Hilfe von dieser Seite. Hingegen freut sich der 37-Jährige, dass er noch ausreichend Jugendtrainer aus den eigenen Reihen rekrutieren kann. Immerhin hat er in den vergangenen Jahren noch sechs Betreuer gewinnen können.

„Wenn man dieses Amt ausübt, muss man es mit Herzblut machen. Wenn man es für Geld machen will, ist man fehl am Platze“, erklärt der Bauchemer. Zwölf Euro gibt es für die Leitung eines Spiels der D- und C-Junioren, 17 Euro für den Schiri bei den A- und B-Jugendlichen. Wesentlich mehr, so weiß der Jugendleiter auch, könnten die Vereine gar nicht bezahlen. „Von daher ist die Entlohnung schon okay.“

Aber nicht nur, dass es zu wenig Schiedsrichter gibt, ist für die Vereine problematisch, auch die Disziplin der jungen Unparteiischen lässt oftmals zu wünschen übrig. So manches Mal erscheinen die vom Fußballkreis Heinsberg angesetzten Schiedsrichter nicht auf dem Platz. Zwar muss der Verein, dem sie angehören, dafür Strafe zahlen, den zum Spiel angetretenen Mannschaften ist damit aber nicht geholfen. Dann müssen halt die Trainer zur Pfeife greifen. „In 99 Prozent der Fälle pfeifen die Betreuer gut“, hat Diederen festgestellt. Und trotzdem seien Gewalt und verbale Gewalt auf dem Sportplatz einer der Gründe, warum es an Schiedsrichtern mangelt.

„Der Verband hat jetzt einen respektvollen Umgang miteinander gefordert“, sagt Diederen. Für ihn sind das gemeinsame Auflaufen der Mannschaften, der Sportgruß in der Mitte, die Begrüßung des Schiedsrichters und das Zusammentreffen nach dem Spiel in der Mitte Selbstverständlichkeiten. „Aber es hat lange gedauert, bis diese Selbstverständlichkeiten in den Köpfen der Spieler haften blieben.“ Deshalb fordert er: „Wir brauchen mehr Fairness und mehr Respekt gegenüber dem Schiedsrichter, damit der Nachwuchs wieder kommt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert