Mahnmal erinnert an die vielen toten Soldaten ohne Grab

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An der Gedenkstätte: Bernhard Gombert (2.v.r.), Odilia (r.) und Margarete Gombert sowie Zeitzeuge Heinz Dahnke. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Lindern. „So etwas darf es nie wieder geben“, brachte es Bernhard Gombert auf den Punkt. Die Aussage des 80-jährigen Seniors aus Kalterherberg bezog sich auf den Zweiten Weltkrieg und Kriege im Allgemeinen, die unendlich viele Tote gefordert hatten. Bernhard Gombert nahm am Samstag in Lindern an der Einweihung eines Gedenkkreuzes für seinen im Krieg ums Leben gekommenen Bruder Alois teil.

Die Interdisziplinäre Forschungsgruppe für Zeitgeschichte (ZIF) hatte die Initiative ergriffen und sich des Schicksals des im Alter von nur 17 Jahren bei Lindern gefallenen Alois Gombert angenommen (wir berichteten). Auch heute noch sind die sterblichen Überreste des jungen Kriegsopfers nicht gefunden, aber seit wenigen Jahren liegt sein Schicksal nicht mehr im Dunkeln. Dank des Augenzeugen Heinz Dahnke steht nun zweifelsfrei fest, dass Alois Gombert am 16. Dezember 1944 bei Lindern ums Leben kam. „Wir haben die Umstände des Todes von Alois Gombert recherchiert und sind zu diesem Ergebnis gekommen“, sagt Berthold Thomas von der ZIF.

Am Samstag wurde nun im Schnittpunkt Frankenstraße/Beecker Weg ein Kreuz in der Nähe des Sterbeortes von Alois Gombert enthüllt, das auch an die vielen jungen Soldaten erinnern soll, die im Raum Geilenkirchen ein ähnliches Schicksal erlitten. Zu der feierlichen Zeremonie waren neben Bürgermeister Thomas Fiedler, Vertretern des VDK, der Bundeswehr und der Reservistenkameradschaft Awacs auch Angehörige der Familie Gombert gekommen. Dazu gehörten auch sein jüngster und einzig noch lebender Bruder Bernhard sowie die Schwägerinnen Margarete und Odilia Gombert. Zeitzeuge Heinz Dahnke war ebenfalls aus Hamburg angereist, um der Einweihung des Gedenkkreuzes beizuwohnen.

„Wir stehen hier an einer Stelle, an der in Zukunft dieses Kreuz die Menschen daran erinnern soll, dass sich auch hier deutsche und amerikanische Soldaten in schweren Kämpfen gegenüberstanden und beide Seiten hohe Verluste zu beklagen hatten“, begann Oberstleutnant Mario Cremer vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr seine kurze Rede. Am 29. November 1944 habe der Angriff auf Lindern begonnen. Alleine die 340. VGD habe an einem Tag über 600 Soldaten verloren. Die hier Gefallenen seien im Laufe der Jahrzehnte im Nebel der Geschichte untergegangen. „Jetzt gibt es hier durch die Aufstellung dieses Kreuzes einen Bezugspunkt, einen Ort zum Nachdenken, der daran erinnern soll, wie wertvoll ein Leben in Freiheit, Frieden und Wohlstand ist“, so Mario Cremer.

Bürgermeister Thomas Fiedler fand es richtig, den gefallenen Soldaten ein Andenken zu bewahren. „Wir sind eine Stadt, in der die Kämpfe getobt haben, mindestens 150 Soldaten liegen noch auf Geilenkirchener Boden, irgendwo, ohne Grab“, sagte Fiedler. Alois Gombert, der schon mit 17 Jahren sein Leben habe lassen müssen, personifiziere jetzt all das Schreckliche, was hier geschehen sei. Bewegend erzählte Augenzeuge Dahnke von den damaligen Ereignissen. Mit Alois Gombert sei er gut bekannt gewesen, sie seien zusammen an die Westfront gekommen. „Wir hatten aber an der Front wenig Gelegenheit, uns über Privates zu unterhalten“, berichtete Dahnke.

„Dann kam der 16. Dezember 1944, es war stockdunkel. Aber da war der Feind, den wir gar nicht gesehen haben“, fuhr der heute 86-jährige Dahnke fort. Sie hätten Deckung gesucht und dann sei ein Schuss gefallen, und es habe einen Aufschrei gegeben. „Das war Alois, der hatte einen Schuss abbekommen“, blickt Heinz Dahnke auf den schlimmen Moment zurück. „Dann kam auch noch Phosphor hinterher und dabei ist Alois gestorben“, so der Zeitzeuge weiter. Lange habe er, Dahnke nach der Familie Gombert gesucht, bis er 2006 erstmals gehört habe, dass es einen Ort Kalterherberg gibt, und da sei ihm einiges klar geworden. Martin Gadow vom VDK-Bezirksverband richtete auch ein paar Worte an die Anwesenden, bevor die Angehörigen des gefallenen Soldaten Blumen an dem schmiedeeisernen Gedenkkreuz ablegten.

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