Machtdemonstration in Kutten: Bandidos vor Gericht

Von: Stefan Reiners
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Vor dem Besuch in der Geilenkirchener Diskothek soll „Kuttenzwang“ angeordnet worden sein. Foto: dpa

Geilenkirchen. Es war schon ein sehr ungewohntes Bild, das sich dem Besucher des Geilenkirchener Amtsgerichts bot. Im und um das Gebäude standen zahlreiche Polizeibeamte, und vor dem Einlass wurden Jacken und Taschen akribisch kontrolliert.

Das hatte aber durchaus seine Berechtigung, fand doch an diesem Morgen der erste Hauptverhandlungstag gegen vier Angeklagte statt, die dem Rockermilieu zugehörig sein sollen, namentlich den Bandidos und deren Unterstützervereinigungen. Besonders brisant: es soll ein Vorfall aus dem seit vielen Jahren bestehenden, immer wieder aufflammenden Dauerkonflikt zu den rivalisierenden Hells Angels gewesen sein.

Nur drei der Angeklagten – Alfred B. (64 Jahre, Rentner), Frank W. (50 Jahre, Bauhelfer) und Georg G. (61 Jahre, Elektriker) – waren erschienen, äußerten sich jedoch weder selbst noch durch ihre Strafverteidiger zur Sache.

Laut Anklage des vom Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Corinna Waßmuth zu bewertenden Sachverhalts soll am 5. August 2011 zunächst ein Treffen der Bandidos stattgefunden haben. Hierbei sei besprochen worden, dass die Mitglieder des von einer Geilenkirchener Diskothek beauftragten Sicherheitsdienstes sämtlich den Hells Angels oder deren Unterstützern angehörten.

Dies stelle einen „Verstoß“ gegen das erst kurz zuvor zwischen den rivalisierenden Rockerbanden vereinbarte Revierabkommen dar, demzufolge die eine Gruppe keine Aktivitäten im Revier der anderen aufnehme. Es sei daher beschlossen worden, umgehend diese Diskothek zu besuchen und durch geschlossenes Auftreten Macht zu demonstrieren, um „die Tür zu übernehmen“ und von da an selber die Security zu stellen. Auf diese Weise sei beabsichtigt gewesen, für die Bandidos eine neue lukrative Einnahmequelle zu schaffen. Teilnahme an dieser Aktion sei für alle Mitglieder Pflicht gewesen und Kuttenzwang angeordnet worden.

Zur Untermauerung der Anklage wurden Überwachungsvideos gezeigt, auf denen das Auftauchen der etwa 15 Bandidos vor dem Eingang der Diskothek gegen 23 Uhr zu sehen war. Zu einer tätlichen Auseinandersetzung kam es an diesem Abend nicht. Es wurden jedoch massive Drohungen ausgesprochen, die von „Ich kann dich auch gleich hier platt machen“ bis zu „Wir können hier jetzt in die Tür schießen“ reichten.

Vor dem Landgericht Aachen wurden die Haupttäter aufgrund dieses Sachverhalts wegen versuchter räuberischer Erpressung bereits zu Haftstrafen von bis zu vier Jahren rechtskräftig verurteilt. Zu diesen Taten sollen die nun am Amtsgericht Angeklagten Beihilfe geleistet haben, indem sie als Gruppe auftraten und Solidarität und Macht demonstrierten. Der Blick auf die (nahezu) kahl geschorenen Köpfe und die sichtbaren Tätowierungen der Angeklagten lässt dies vorstellbar erscheinen. Festzustellen, ob sie denn tatsächlich vor über fünf Jahren dabei waren, ist nun Aufgabe des Schöffengerichts.

Es geht um viel für die Angeklagten, denn auch für die Beihilfe können längere Haftstrafen verhängt werden. Das Verfahren wird am kommenden Montag um 13 Uhr fortgesetzt.

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