Gangelt - Lutz Vorbach in Gangelt: „Mercator und die Zeit des Humanismus”

Lutz Vorbach in Gangelt: „Mercator und die Zeit des Humanismus”

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Friedrich Wilhelm Krücken fan
Friedrich Wilhelm Krücken fand in Gangelt ein begeistertes Publikum, als er das von ihm rekonstruierte Modell eines Doppelglobus (Himmel und Erde) erläuterte. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Während hinter dem Rathaus die Sonne nach einem schönen Tag unterging, berichtete im Forum Lutz Vorbach von der bleiernen Zeit des Mittelaltern und dem Aufblühen der Renaissance, die Zeit, in die Gerhard Mercator, eigentlich Gerard De Kremer, hineingeboren wurde.

Wie schon in seinem ersten Mercator-Vortrag verstand es Lutz Vorbach auch diesmal wieder, die geschichtlich belegten Ereignisse aus der damals bekannten Welt immer wieder mit Mercator zu verstricken und dabei auch einen Blick auf Gangelt und seine Bürger zu werfen.

„Mercator und die Zeit des Humanismus” lautete das Thema des Abends, zu dem Bürgermeister Bernhard Tholen Lutz Vorbach willkommen hieß. Für den Vortragenden war es eine besondere Ehre, im einigermaßen gut gefüllten Forum auch Friedrich Wilhelm Krücken begrüßen zu dürfen, der ein ausgewiesener Mercator-Kenner ist.

1452 entwickelte Johannes Gutenberg den Buchdruck, 40 Jahre später stolperte Columbus auf der Suche nach Indien über Amerika, und 1519 begann der Portugiese Magellan die erste Weltumsegelung. Von da an stand fest, dass die Erde eine Kugel ist. Die Zeit, als das Spekulieren über diese Tatsache noch mit dem Tode bedroht war, bildete für Lutz Vorbach den Rahmen seiner Ausführungen. Er sprach über Kaiser Karl V., der ja auch mit Gangelt zu hatte, über die Bedrohung für das Reich - auch für Gangelt - durch die Türken und arbeite die Geschichte vom spanischen Kreuz, das heute wieder am Heinsberger Tor steht, ein.

Als Mercator am 5. März 1512 in Rupelmonde geboren wurde, brachen die Menschen nach den Jahrhunderten des Stillstands in eine neue Zeit auf. Die Geographie orientierte sich immer noch am Weltbild des Ptolemäus. Der aber war bereits seit etwa 1300 Jahre tot. Erst Mercator sollte dieses Werk systematisch verbessern, ergänzen und am Ende seinen Stempel aufdrücken.

Zu lange hatte Neugierde als lasterhaft gegolten; es war sündhaft, nach Verborgenem zu forschen. Endlich neue Fragen: Lenkte Gott allein die Geschichte oder konnte sie durch den Menschen beeinflusst werden? Zeigte sich in einer verlorenen Schlacht tatsächlich der Zorn Gottes oder eher die Unfähigkeit des Feldherrn? War Armut tatsächlich schicksalhaft, oder hatte es jeder einzelne Mensch durch Müßiggang und Faulheit selbst zu verantworten? In welchem Maße also war der Mensch verantwortlich und nicht Gott? Der „neue Mensch” entwickelte sich. Lutz Vorbach berichtete mit Begeisterung und illustriert mit Folien vom Aufbruch, von Martin Luther und von der wachsenden Neugier der Menschen.

„Da es über den Abschied der Kremers aus Gangelt keinen historischen Beleg gibt, möchte ich Ihre Phantasie etwas bemühen”, umschrieb Vorbach den nun folgenden literarischen Teil. Man wisse, dass die Kremers 1517 ein zweites Mal den beschwerlichen Weg nach Rupelmonde auf sich nahmen, um Gangelt für immer zu verlassen. Vermutlich wanderten sie dieses Mal im Sommer, denn da waren die unbefestigten Wege trocken. Auch führten Maas und Schelde, die es ja zu überqueren galt, kein Eis.

Lutz Vorbach fasste das beschwerliche Leben der Familie, die Geldnot, die sozialen Probleme und die Aussichtslosigkeit in wenige, prägnante Worte. Der tiefe Glaube, der Gerhard Mercator durch sein Leben tragen sollte, die leitende Hand des Onkel Ghisbert und der Einfluss der „Brüder vom gemeinsamen Geist” waren Eckpunkte im Leben des jungen Mannes.

Mit Friedrich Wilhelm Krücken ist sich Vorbach in der Annahme einig, dass Mercator sein Studium in Löwen abgebrochen und sich autodidaktisch in den Disziplinen weitergebildet hat, die er für sein späteres Wirken brauchte. Der Kartograph und Mathematiker Gemma Frisius war Mercators letzter Lehrmeister, den er bald überflügeln sollte. Der, der einige Zeit seiner Kindheit in Gangelt verbrachte, lernte schnell die Regeln dessen, was man heute Marketing nennt, und erhielt Aufträge vom eingangs erwähnten Kaiser Karl V. Da schrieb man das Jahr 1541. 1544 wurde Mercator eingekerkert. „Lutherei” lautete wohl der Verdacht, der nicht wenigen seiner Leidensgenossen den Tod brachte. Mercator nutzte diese Zeit und stellt 1546 dar, dass der magnetische Pol sich nicht, wie bis dahin angenommen, irgendwo am Himmel befindet. Er müsse auf dem Erdball in der Nähe des Nordpols liegen.

Wie stolz Mercator auf seine Erkenntnis war, kann man daran erkennen, dass er sich auf dem heute bekanntesten Bild als „Entdecker” der richtigen Lage des magnetischen Pols darstellen lässt.

„Mercators philosophische Weltsicht” lautet das Thema des dritten und letzten Vortrages am 3. November. Dabei erwartet die Gäste dann etwas ganz Besonderes: Zusammen mit Ralf Orths arbeitet Lutz Vorbach an einer grafischen Rekonstruktion Gangelts mit seinen Befestigungsanlagen.
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