Live-Hörspiel: Humor in Mimik, Gestik und Stimme

Von: Renate Kolodzey
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Wolfgang Rosen und Isabella Archan fesseln und faszinieren ihre Zuhörer im Erzählcafé Beeck. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. Angekündigt war ein „Live-Hörspiel-Vergnügen“, und es war in der Tat für die Zuschauer ein großes Vergnügen, den beiden Akteuren des Abends zuzuhören und zuzusehen. „Viermal im Jahr bin ich im Erzählcafé Beeck“, erzählt Wolfgang Rosen, auch bekannt als „Der Bühnenhörspieler“.

„Auf Wunsch des Inhabers, Harald Rutte, präsentiere ich heute ‚Heiteres für die kalte Jahreszeit‘ zusammen mit Isabella Archan, einer Schauspielerin und Autorin.“ Man kenne sich schon lange, betonte Archan. „Wir haben uns vor Jahren über die künstlerische Arbeit kennengelernt, sofort gut verstanden und schon vieles zusammen gemacht.“

Rosen hatte alles sorgsam vorbereitet und sein Mischpult mit Effekten, Scheinwerfern, Lesepulten, Lautsprechern, Mikrofonen und Leseleuchten aufgebaut. „Mein neuer Bühnenstuhl hat noch keinen Namen“, flachste er, „ich warte auf Ihre Vorschläge!“ Er begrüßte die Gäste herzlich und stellte die „bezaubernde Isabella Archan“ vor, die sich revanchierte und ihrerseits den „bezaubernden Wolfgang Rosen“ präsentierte. Die Leute schmunzelten, das Eis war gebrochen.

„Du Schatzi, bist Du eigentlich richtig glücklich mit mir?“, säuselte Archan und schlüpfte in die Rolle einer Ehefrau, die von ihrem Gatten keine wirklich zufriedenstellende Antwort auf diese Frage erhält. Sie schnurrte, fauchte und grantelte mit hinreißender Mimik und Gestik, und Rosen raspelte Süßholz, dass es eine Wonne war, brummte, murrte und grollte mit großem körperlichen Einsatz, so dass die Besucher ihre helle Freude hatten und aus dem Lachen nicht herauskamen, was sie mit wiederholtem Szenenapplaus honorierten.

Keine Verschnaufpause

Nachdem die beiden sich wieder vertragen hatten, gönnte Archan den Gästen jedoch keine Verschnaufpause und rezitierte mit österreichischem Akzent ungemein amüsant eine Passage aus ihrem Krimi „Tote haben kein Zahnweh“: Bei der Passage „Badefreuden“ geht es um eine Frau, deren „Wade gerade eintaucht in das heiße Nass, die kommenden Wonnen ahnend“, von ihrem Mann gestört wird, sich seiner kurzerhand durch Ertränken entledigt, um am Ende, als sie mit ihm gemeinsam in der Wanne liegt, festzustellen: „Besser ein Bad zu zweit als überhaupt keine Entspannung!“

Schelmisch rief sie ins Publikum: „Wenn ich so in die Runde schaue, sehe ich, dass ihr Männer ganz schön Angst bekommen habt. Immer schön lieb sein zu euren Frauen, dann passiert auch nichts!“

Nach stürmischem Beifall schnappte sich Rosen von der, wie er sich ausdrückte, „wortlüsternen Isabella“ das Mikrofon und entführte die Anwesenden nach Rom, „eine meine Lieblingsstädte – nach Alsdorf, Geilenkirchen und Übach-Palenberg!“

Untermalt von italienischen Klängen, schilderte er aus seinem Buch „Dolomo?“ ungemein witzig, wie er einmal auf der Suche nach einem Zahnarzt war und von einem uralten „Dottore“ behandelt wurde, was ihn im antiken Rom jedoch nicht weiter verwunderte. Er verstand es, den Arzt mit schlurfenden Schritten und Gebärden so zu visualisieren, dass die Gäste glaubten, direkt neben dem Behandlungsstuhl zu stehen und Tränen lachten.

Auch in den folgenden Geschichten zeigten die beiden Akteure ihre Wandlungsfähigkeit und wie grandios sie miteinander harmonieren. Zum Beispiel bei dem szenischen Vorlesen eines Backrezeptes, das sie auf dreierlei Art vortrugen: erst nüchtern und sachlich, dann streitend in abgehacktem Wortstil und am Schluss süß flötend wie ein Liebespaar, sei es bei „Die Mörder-Mitzi“, „Amontillado“, „Die Erschaffung des Mannes“, „Das perfekte Paar“, „Weisheiten“ oder „Geschlechterkampf“.

Applaus für originelle Darbietung

Das Publikum amüsierte sich köstlich – ein Gag jagte den anderen, und auch die Pause bot nur eine kurze Chance zur Entspannung der Lachmuskeln. So war es nicht verwunderlich, dass sich die Protagonisten am Schluss über einen Riesenapplaus in überaus gelöster Stimmung für ihre pfiffige, originelle Darbietung freuen konnten.

Ein weiterer Termin ist das „Jazz-Krimi-Hörspiel im Atelier“: Wolfgang Rosen und die Band Just4fun präsentieren mit Humor und Livemusik spannende Krimis der 1940er- und 1950er-Jahre am 29. Januar um 20 Uhr im Schaffrathhaus, Theodor-Seipp-Straße 118 in Alsdorf.

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