„Lions Quest”: Damit Gefühle für Schüler kein Fremdwort sind

Von: Stefan Schaum
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Schritt für Schritt: Auf Zetteln notieren die Lehrer die Dinge, die sie mit Schülern üben wollen. Foto: Stefan Schaum

Übach-Palenberg. Das Ganze dauert keine zwei Sekunden: Ein Schüler rempelt im Vorübergehen auf dem Schulhof versehentlich einen anderen an. Der dreht sich um und sagt kein Wort - sondern schlägt gleich zu. Mitten ins Gesicht.

Der Getroffene geht zu Boden, der Schläger geht weiter. Er denkt sich rein gar nichts dabei, für ihn ist das in Ordnung so. Hat der andere doch verdient, was muss der auch so blöd rumlaufen? Solche Szenen hat Günther Hennig schon häufig beobachten müssen. Nicht bloß im Berliner Brennpunkt, wo er als Lehrer arbeitet. Auch auf dem Land, wo er Kollegen den Rücken stärkt und ihnen immer wieder sagt, dass die Schüler von heute viel mehr als bloß Deutsch und Mathe lernen müssen.

„Schüler müssen vor allem lernen, sich selbst und die Gefühle anderer zu verstehen. Respekt und Mitgefühl ist der jungen Generation zunehmend fremd geworden. Da wachsen Jugendliche heran, die sich ausschließlich um sich selbst kümmern. Die sind oft richtig gefühlskalt.” Dieser Entwicklung will er als Anleiter in dem Projekt „Lions Quest” entgegensteuern. Jüngst ist er deshalb an der Gesamtschule in Übach-Palenberg zu Gast.

Zwei Tage lang sitzen Lehrer vor ihm und hören, dass sie die soziale Kompetenz der Schüler mehr fördern müssen, die emotionale Reife. Dass sie nicht nur Lehrer sein sollen, sondern vor allem als Erzieher gefragt sind. Auch aus der Alsdorfer und der Stolberger Gesamtschule sowie der Aachener Montessori-Schule sind Lehrer gekommen.

In Rollenspielen üben sie, wie sie mit ihren Schülern über Dinge sprechen können, die die Jugendlichen bewegen. Über Gefühle, die sie nicht gern preisgeben oder womöglich gar nicht kennen. Die Lehrer begrüßen diese Anleitung. „Wir merken seit Jahren, dass wir in dieser Hinsicht immer mehr gefordert sind. Aber wir werden im Studium ja nicht zu Therapeuten ausgebildet, wir brauchen Rüstzeug”, sagt Sabine Opdenberg, Lehrerin aus Stolberg.

Einen Teil dieses Rüstzeugs gibt es im Seminar, vertiefende Dinge finden sich in einer Arbeitsmappe. Natürlich werden zwei Tage nicht ausreichen, alle Fragen der Lehrer zu klären. Doch sie sind ein Anfang, wie der Seminarleiter weiß. „Es ist wichtig, dass dieses Thema mehr und mehr in die Schulen und in die Öffentlichkeit kommt.” Dabei gehöre es zunächst einmal ganz woanders hin: in die Familien.

„Viele Eltern sind heute in der Erziehung überfordert oder gleichgültig”, sagt Matthias Mrotzek, Lehrer an der Gesamtschule Übach-Palenberg. „Und es ist leider so, dass diese Eltern zunehmend ihre Probleme auf uns abwälzen und sagen: macht mal.” Ob ihn das ärgert? Sicher. Doch sieht auch er täglich im Klassenzimmer, dass es Kinder gibt, um die man sich einfach mehr kümmern muss.

Im Stich lassen will er sie nicht. So geht es vielen Kollegen, die „Lions Quest”-Seminare sind gefragt. Die jüngste Fortbildung in Übach-Palenberg wurde von den Lions Clubs Baesweiler sowie Übach-Palenberg und Geilenkirchen finanziert. Es ist bereits deren vierte Kooperation in dieser Sache. Und wenn Günther Hennig sich hinstellt und sagt: „Die Gefühlsverwahrlosung nimmt noch zu”, ist klar: Es wird nicht die letzte gewesen sein.
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