Liedermacher Manfred Siebald: Inspiration aus Alltag und Bibel

Von: Christina Kolodzey
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Manfred Siebald inmitten der sechs Gitarren seines Konzertes. Foto: Christina Kolodzey

Übach-Palenberg. „Den holen wir nach Boscheln!“, nahmen sich Carmen Jürgens und Ronja Rahn fest vor, als sie vor zwei Jahren in Jüchen dem Konzert Manfred Sie-balds, einem der bekanntesten christlichen Liedermacher Deutschlands, lauschten. Gesagt, getan.

Mehr als 2500 Vorstellungen hat der aus Mainz stammende habilitierte Sprachwissenschaftler bisher im In- und Ausland gegeben – und nun warten die Menschen in dem 60 Jahre alten Gotteshaus auf ihn: Aus der Eifel, Düren, Eschweiler, Aachen und natürlich der näheren Umgebung sind fast 200 Interessierte herbeigeströmt, unter ihnen auch Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch nebst Gattin.

Die Inspiration für seine Werke holt sich das Multitalent „aus allem, was mir tagtäglich begegnet, und aus der Bibel“. Von Kindesbeinen an erhielt er Geigen- und Klavierunterricht, das Gitarrespielen habe er sich jedoch als Jugendlicher selbst beigebracht, „um eine Jugendgruppe, die ich betreute, zu motivieren“. Er selbst bezeichnet sich als „evangelisch-lutherischer Christ“. Pastor Roland Böhme erwähnt beim Willkommens-Gruß, dass Siebalds Lieder schon seit den 80er Jahren in der Gemeinde gesungen würden und zwölf seiner Titel im freikirchlichen Gesangbuch stünden.

Licht aus, Spot an

Gedämpftes Licht im weitläufigen Kirchenraum, nur das Kreuz ist angestrahlt. Licht aus, Spot an – die Bühne gehört dem salopp gekleideten 66-jährigen Künstler. Lächelnd tritt er ans Mikrofon. In seiner Nähe befinden sich sechs unterschiedliche Gitarren, mit denen er seine Songs, allesamt selbst komponiert, begleiten wird.

„Ich finde es gar nicht selbstverständlich, dass Sie heute bei so schönem Wetter hier sind!“, ruft er in den Saal und leitet damit das erste Stück „Das wäre doch nicht nötig gewesen“ ein. Gleich zu Beginn zieht er das Publikum mit seiner schwungvoll und virtuos vorgetragenen Darbietung, deren Text bis in die hintersten Reihen klar und deutlich zu verstehen ist, in seinen Bann, was reichlich Beifall zur Folge hat.

Mit dem fröhlichen „In der Nacht der neuen Jahre“ verweist er auf Silvester und die guten Vorsätze, die sich viele vornehmen, doch „ein grauer Vogel pickt jeden einzelnen Entschluss – mit sichtlichem Genuss!“. Er merkt an, dass viele Vorsätze vielleicht gar nicht gut seien, man ehrlich zu sich selbst sein solle und sich nicht ständig mit anderen vergleichen dürfe. „Das tröstet mich“ bringt feinsinnig mit seiner angenehmen Baritonstimme zum Ausdruck, dass jeder Mensch wertvoll und unvergleichlich ist.

Der unaufdringliche Meister der leisen Töne prangert die Oberflächlichkeit an, doch nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Humor. Man merkt ihm seine tiefe, innere Überzeugung an, er wirkt authentisch. „Jeder fragt dich, wie es dir geht“, doch es gäbe nur wenige, die dies wirklich wissen wollten. Das Leben werde nicht wertvoller durch Reichtum.

Er selbst arbeite gerade an seiner zweiten Million – weil es mit der ersten nicht so geklappt habe. Aus diesem Grunde habe er den holländischen Anlageberater Keith Vermeeren – auf Deutsch ‚Kies vermehren‘ – um Rat gefragt. Dieser meinte: „Was soll ich dir Bess‘res raten: Kauf Tomaten!“. Mitreißend und mit viel Spielfreude vorgetragen, animiert er die schmunzelnden Gäste zu ausgelassenem Füßewippen.

Den Blickwinkel eines afrikanischen Studenten auf unser Land schildert er wiederum in „Land ohne Lächeln“ und fordert die Zuhörer zum Mitsingen auf: „Heile dieses Land“. Textsicher und lautstark leisten die Gäste gerne Folge. Von Lied zu Lied steigert sich die Begeisterung. Die lebensfrohe Einstellung des charismatischen Musikers und seine scharfsinnige Beobachtungsgabe mit tiefsinnigen Wortspielereien fasziniert die Besucher, gibt ihnen ernsthafte Impulse, den Alltag zu bewältigen. So ist es nicht verwunderlich, dass er für das zweistündige Konzert Jubel und wahre Beifallsstürme erntet und sich die Zuschauer Zugabe um Zugabe vehement erklatschen.

Anschließend erfüllt er bereitwillig Autogrammwünsche und freut sich, dass die Spenden des Abends den stolzen Betrag von 1817 Euros für das christliche Kinderhilfswerk „Compassion“ ergeben haben, in dessen Aufsichtsrat er sitzt, wodurch sichergestellt sei, dass das Geld bei den Kindern ankommt.

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