Übach-Palenberg - Licht und Schatten: Das Jahr 2016 in Übach-Palenberg

Licht und Schatten: Das Jahr 2016 in Übach-Palenberg

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
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Ein Jahr in Bildern: Das Schloss Zweibrüggen stand im Mittelpunkt der Propaganda-Affäre. Foto: Jan Mönch (8), Markus Bienwald (2), dpa(1)
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An der B221 ließ die NEW Windräder wachsen.
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Ob die Fußgängerbrücke ins Wurmtal noch zu retten ist, wird sich 2017 zeigen.
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Ebenfalls für Gesprächsstoff sorgen wird das Neubaugebiet im Marienberger Südwesten – da gilt jede Wette.
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Einen Sieg vor Gericht fuhr die Stadt ein, als es um die Baugenehmigung für den Einkaufspark ging.
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Das Baugebiet Beyelsfeld wurde erschlossen.
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Endlich abgestellt wurde die Geruchsbelästigung durch die Firma Polythex.
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Nördlich der Stadt plant Lidl weitere Projekte.

Übach-Palenberg. Zumindest im näheren Umfeld gibt es wohl keine Stadt, in der Licht und Schatten so dicht beieinander liegen wie in Übach-Palenberg. Auf der Sonnenseite steht die Stadt bei der wirtschaftlichen Entwicklung, der lokalen Paradedisziplin.

Und auch über einen ansehnlichen Veranstaltungskalender können die Einheimischen sich trotz klammer Kasse und dank Sponsorenhilfe freuen. Wenig erfreulich war indes, dass das Debakel um die Wasserversorgung sich auch in diesem Jahr fortsetzte. Und dann war da natürlich noch die Affäre um einen Schlossbewohner...

Januar: Beim Neujahrsempfang im PZ bezeichnet Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch die weitere Konsolidierung der Stadtfinanzen als „vorrangige Aufgabe“. Die Anwohner des Neubaugebiets Beyelsfeld bäumen sich ein letztes Mal auf und erwägen den Rechtsweg, sie wollen geschützte Arten entdeckt haben. Selbst Ökoverbände bestätigen dies jedoch nicht. Wenig später erhalten die beiden Bauunternehmen Dohmen und Schlun den Zuschlag für die Tiefbauarbeiten, es kann losgehen. An der Bundesstraße 221 wachsen neue Windräder in den Himmel. Das Aachener Verwaltungsgericht weist eine Klage von Anwohnern gegen die Baugenehmigung für den Einkaufspark Magnus ab. Am Schwimmerfünfkampf im Ü-Bad nehmen 300 Aktive teil. Im Stadtkern schlagen Geldautomatensprenger zu – in Hörweite zur Polizeiwache, die nachts aber unbesetzt ist.

Februar: Der Monat beginnt mit guten Nachrichten: Mit 24854 Einwohnern (Stichtag: 31. Dezember 2015) ist Übach-Palenberg so groß wie nie. Die Stadt verlängert die Ausschreibung ihrer Wasserkonzessionen um drei Monate. Die UWG beklagt, dass viele Bürger sich unsicher fühlten, und fordert eine Aufstockung des Polizeiaufgebots. Trotz Hundewetters feiern die Übach-Palenberger den Fettdonnerstag auf dem Rathausplatz, auch der Rosenmontagszug fällt farbenfroh aus. Eine Falschmeldung über eine Kindesentführung macht auf Facebook die Runde und verunsichert viele Eltern – die Meldung ist drei Jahre alt und plötzlich aus der Versenkung aufgetaucht. Die Stadt befindet sich in Verhandlungen über einen Vergleich im Derivatestreit. Der Rat gibt grünes Licht für das Boarding-Hotel unweit des Rathausplatzes. Die Stadt beschließt, gemeinsam mit der niederländischen Partnerstadt Landgraaf Druck in Sachen Tihange zu machen.

März: Lidl baut in Boscheln ein riesiges Hochregallager. Wichtige Personalie beim größten Sportverein der Stadt: Tim Böven wird Vorsitzender des VfR Übach-Palenberg. Der Rat verabschiedet eine geänderte Fassung des Haushalts. Die Polizei veröffentlicht ihre Kriminalitätsstatistik: In Übach-Palenberg werden die zweitmeisten Straftaten im Kreis Heinsberg registriert. Viele engagierte Bürger beteiligen sich am Frühjahrsputz. Das Stadthotel soll für Flüchtlinge angemietet werden, später zerschlägt der Plan sich jedoch.

April: Die B221n, auch bekannt als „Ortsumgehung Scherpenseel“, ist im Bundesverkehrswegeplan unter „vordringlicher Bedarf“ vorgesehen. Der Bauausschuss beschließt die Vergrößerung des Netto-Markts in Boscheln und die Sanierung des Bucksbergs. Die Stadt einigt sich im Derivatestreit mit der Ersten Abwicklungsanstalt auf einen Vergleich über 13 Millionen Euro. Stadt und CDU feiern das Ergebnis, SPD und Grüne toben – denn auf einem noch höheren Betrag bleibt die Stadt sitzen. Die bemerkenswerte gelebte Demokratie am Carolus-Magnus-Gymnasium lockt ein japanisches Fernsehteam nach Übach-Palenberg. Sabine Jacobs und Ralf Wierzbowski erhalten den Marlies-Seeliger-Crumbiegel-Preis. Die Stadt bläst zur Jagd auf Presseinformanten: Einem „Maulwurf“, der Interna an unsere Zeitung gegeben hat, soll der Garaus gemacht werden. Lidl rüstet weiter auf: Bei der Tochterfirma Bonback soll es bald 13 statt vier Backstraßen geben.

Mai: Einige Bauern sehen sich durch die B221n in ihrer Existenz gefährdet, auch die Bürger aus Geilenkirchen-Grotenrath rebellieren gegen die Pläne. Die Belegschaft von Saurer.Schlafhorst beteiligt sich an den Warnstreiks der IG Metall. Das Maiblütenfest trifft auf gute Resonanz. Zwei Radsportclubs brechen von Übach-Palenberg aus auf in die französische Partnerstadt Rosny-sous-Bois. Die Frist für die Interessenbekundung in Sachen Wasserkonzessionen ist abgelaufen. Die UWG sammelt 1000 Unterschriften für mehr Polizeipräsenz. Die CDU weiht ihren schönen Waldlehrpfad neu ein. Innenminister Ralf Jäger setzt sich als Gesprächspartner bei der SPD auf die „Rote Couch“. Musiksommer und Winzerfest finden erstmals zeitgleich statt, vier Tage lang wird gefeiert. Unsere Zeitung enthüllt eklatante Brandschutzmängel am Gymnasium.

Juni: Die Familientage im Ü-Bad sind wieder ein wildes Vergnügen. Das Unternehmen Neuman & Esser wird 125 Jahre alt, Spanset feiert 50-Jähriges. Bei Lidl ist kein Ende in Sicht: Pläne für weitere Ansiedlungen werden bekannt, auch sie sind gigantisch. Der Konzern will offenbar seinen Online-Handel von Übach-Palenberg aus bestreiten. Unsere Zeitung enthüllt die dubiose Zusammenarbeit der Stadt mit dem sogenannten Journalisten und Politikberater Hartmut Urban, die Propaganda-Affäre kommt ins Rollen. Die Empörung ist groß, die Kommunalaufsicht schaltet sich ein, Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch verwickelt sich nach und nach in Widersprüche. Rund zwei Wochen nach dem ersten Bericht beendet die Stadt die Zusammenarbeit mit Urban. Es wird bekannt, dass Teile des Daches des Ü-Bades schrottreif sind. Die Stadt einigt sich mit dem Kreiswasserwerk auf einen Vergleich und muss 182 000 Euro zahlen. Hintergrund sind nicht eingehaltene Zusagen und dadurch entstandene Kosten in Zusammenhang mit der Vergabe der Wasserkonzessionen. Die Oppositionsfraktionen kündigen Beschwerde bei der Bezirksregierung an, diese wird später jedoch abgewiesen. Die Kreispolizei teilt dem Rat mit, dass keine verstärkte Polizeipräsenz nötig sei. Schwere Unwetter suchen die Region heim, auch Übach-Palenberg ist betroffen.

Juli: Der BMX-, Skate- und Scooter-Contest auf der Anlage an der Otto-von-Hubach-Straße bietet atemberaubende Stunts. In der Propaganda-Affäre ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen Bürgermeister Jungnitsch, eine Hausdurchsuchung im Rathaus findet statt.

August: In der Propaganda-Affäre kommen nach und nach weitere Details ans Licht, so wurde Hartmut Urban zeitweise auch aus der Kasse der CDU bezahlt. Eine Bürgerinitiative, die den Bürgermeister abwählen will, gründet sich, es soll jedoch bei einer einzelnen Versammlung bleiben. Die Oppositionsfraktionen unterstützen das Bündnis nicht.

September: Spatenstich beim TC Kleben: Das Technologiezentrum steckt drei Millionen Euro in einen Neubau und liefert einen weiteren Baustein beim wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt. Denkmalschützern allerdings schmeckt das gar nicht, denn der Neubau entsteht unmittelbar neben Waschkaue und Carolus-Magnus-Centrum. Die Stadt gibt bekannt, dass wohl 2017 mit dem Bau des Boarding Hotels begonnen werden kann. Die Politik debattiert wieder einmal über die Fußgängerbrücke ins Wurmtal. Ein Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt bescheinigt der Stadt ein herausragendes wirtschaftliches Wachstum, allerdings ebenso einen Investitionsstau in Sachen Straßen und Kanäle. Die Stadt gibt bekannt, dass sie plant, die Bücherei künftig mit Ehrenamtlern am Leben zu halten – wenn das nicht klappt, ist die Einrichtung nicht mehr zu retten. Das Kaiser-Karl-Fest verwandelt Palenberg in eine Partymeile. Bürgermeister Jungnitsch erstattet Anzeige gegen den unbekannten „Maulwurf“, der Interna an die Presse gegeben hat.

Oktober: Eines der großen Aufregerthemen wird zu den Akten gelegt: Die Firma Polythex installiert eine sogenannte thermische Nachverbrennungsanlage, nach Jahren der Geruchsbelästigung haben die Anwohner Ruhe. Selten dürfte die Vorfreude auf die nächste Grillsaison größer gewesen sein. Der Seniorennachmittag wird wieder ein tolles Ereignis für die älteren Übach-Palenberger. Stürmischer geht es beim Oktoberfest an der Borsigstraße zu, tausende Liter Bier fließen in die feiernde Meute. Lidl-Investitionen: An der Schokofabrik wird eine neue Brücke gebaut. Große Freude im Rathaus: Der Rat beschließt die Vergabe der Wasserkonzessionen an Enwor, eine gemeinsame Gesellschaft soll gegründet werden, die Stadt außerdem Gesellschafter bei Enwor werden. Auch deshalb kann Bürgermeister Jungnitsch einen ausgeglichenen Haushalt einbringen. 3000 Besucher feiern bei der „Kölschen Nacht“ des Festausschusses Übach-Palenberger Karnevalsvereine.

November: In Sachen Fußgängerbrücke greift die Stadt nach dem letzten Strohhalm: Fördergelder könnten doch noch einen Neubau möglich machen. Propaganda-Affäre: Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen Bürgermeister Jungnitsch ein. Die Privat-Musikkapelle Scherpenseel wird mit dem Kunst- und Kulturpreis ausgezeichnet. Der Markt „Geschmackvoll – Design trifft Genuss“, veranstaltet von der Euregio Messen GmbH, sorgt für volles Haus in der Waschkaue. „Der Sport-, Spiel- und Spaß-Tag“ im Ü-Bad bietet wieder ein großes Spektakel. Der Rat verabschiedet einstimmig den Haushalt. Die App „Loboni“, mit der sich Bonuspunkte für den lokalen Einzelhandel sammeln lassen, geht an den Start.

Dezember: Die Staatsanwaltschaft teilt auf Anfrage mit, dass die „Maulwurfsjagd“ wegen der Weitergabe von Interna an unsere Zeitung beendet sei. Das Kölner Landgericht erlässt eine einstweilige Verfügung gegen den Ratsbeschluss zur Vergabe der Wasserkonzessionen an Enwor. Die Stadt will das nicht hinnehmen und geht in Revision. Der Nikolausmarkt, 2015 erstmals veranstaltet, gerät wieder klein, aber fein. Die Stadt macht Pläne zu einem riesigen Neubaugebiet in Marienberg bekannt. Der Politik geht das zu schnell, sie vertagt jede Entscheidung auf das kommende Jahr.

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