Letzte Chance Therapiezentrum Loherhof

Von: Udo Stüßer
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Manche Menschen wollen mit Alk
Manche Menschen wollen mit Alkohol ihre Probleme verdrängen und sich die Welt schön trinken. Foto: imago

Geilenkirchen. Schwierigkeiten in der Schule. Später Probleme, mit Frauen in Kontakt zu treten. Mit ein paar Gläsern Bier fällt es leichter. Schließlich lernt Peter (Name von der Redaktion geändert) doch eine Frau kennen. Die Hochzeitsglocken läuten. Der Alkoholkonsum wird größer.

Peter schaut immer tiefer ins Glas, er wird auffällig in seinem Job. Ohne Alkohol übersteht er den Tag nicht mehr. Er wird arbeitslos. Und er trinkt mehr. Hat Peter getrunken, wird er gewalttätig, schlägt Frau und Kinder. Sie lässt sich scheiden, er wird obdachlos.

Der jahrelange Alkoholkonsum fordert seinen Tribut. Der körperliche Verfall schreitet ständig voran. Doch irgendwann trifft Peter eine Entscheidung: Er will leben. Und er will anders leben. Peter hat im letzten Moment noch einmal die Kurve gekriegt. Im AHG Therapiezentrum Loherhof hat er eine neue Heimat gefunden.

Vor zehn Jahren wurde das heutige Therapiezentrum Loherhof als „Soziotherapeutisches Heim Loherhof” gegründet. Chronisch Suchtkranke sollten hier therapiert werden. Vorwiegend handelte es sich um Alkohol- und Medikamentenabhängige. 26 Menschen wurden anfangs stationär aufgenommen.

„Der Klient muss hier erst einmal zur Ruhe kommen und stabilisiert werden. Dann sind eine sinnvoller Beschäftigung, eine Tagesstruktur, gesunde Ernährung und Sportangebote wichtig”, erklärt Dipl.-Sozialarbeiter und Psychologischer Psychotherapeut Hans-Rainer Hubbes, seit sieben Jahren Leiter dieser Einrichtung, während seine Stellvertreterin Dipl.-Sozialpädagogin Gabriele Härter, auf die erhebliche körperliche Schädigung durch jahrzehntelangen Alkoholkonsum hinweist: „Die Leber ist geschädigt, das Korsokov-Syndrom ähnelt einer demenz, Gedächtnisstörungen und Orientierungslosigkeit sind weitere Folgen”, sagt sie.

Geht man durch den weitläufigen Garten des Therapiezentrums trifft man auf Menschen, die sich nur mit Hilfe eines Rollators oder im Rollstuhl fortbewegen. Die Nerven in den Beinen sind dermaßen geschädigt, dass sie nicht mehr selbstständig gehen können.Die Folge von etwa 25 Bier und zwei Flaschen Schnaps täglich. Oft haben die Klienten mehrere Krankenhausaufenthalte hinter sich, eine psychiatrische Behandlung ist heute noch erforderlich.

„Alkoholmissbrauch sorgt für Hirnschädigungen. Es kommt zur Störung der Psyche. Halluzinationen, Paranoia und Aggressionen sind die Folgen”, weiß Gabriele Härter. Deshalb müssen die Therapeuten oftmals mit Psychopharmaka regulierend eingreifen und arbeiten auch eng mit der Psychiatrischen Institutsambulanz der Gangelter Einrichtungen zusammen.

30 Menschen - Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Hauswirtschafterinnen, Krankenschwestern und Verwaltungskräfte sind im Therapiezentrum beschäftigt und sorgen sich um das Wohl ihrer 75 stationären und ambulanten Klienten. „Wir nennen diese Menschen Klienten, weil wir damit ihre Eigenverantwortung betonen. Jeder ist eigenverantwortlich für sein Leben. Unsere Klienten haben ihre Autonomie nicht verloren”, betont Hubbes, der mit seinem Team die „Ressourcen der Klienten betonen und ausbauen will”.

Im Jahre 2004 wurde von den Kostenträgern die Parole „Ambulant vor stationär” ausgerufen. Damit fiel für das „Soziotherapeutische Heim Loherhof” der Startschuss für das ambulante betreute Wohnen. Und mit dem neuen Namen „Soziotherapeutisches Zentrum” sollte der neuen Entwicklung Rechnung getragen werden. „Manche Menschen leben ein Leben lang hier. Andere gehen den nächsten Schritt und wechseln in das benachbarte heimnahe betreute Wohnen. Sie sind in unsere Tagesstruktur eingebunden, leben aber in ihrer eigenen Wohnung.Kommen sie in ihrer Freizeit in eine Krise finden sie bei uns rund um die Uhr einen Ansprechpartner”, erklärt Gabriele Härter.

Der nächste Schritt wäre das betreute Wohnen. Hubbes: „Unser Ziele ist, dass unsere Klienten ihren Alltag bewältigen können, dass sie am Leben teilhaben und wieder ein Mitglied der Gesellschaft werden.” Gleichzeitig bedauert der Psychotherapeut: „Die wenigsten schaffen es ganz ohne Betreuung. Wenn einer ganz alleine in seiner Wohnung sitzt, ist der Griff zur Flasche schnell getan.”

Ambulante Angebote finden Betroffene heute auch in der Außenstelle „Zum Kniepbusch” in Geilenkirchen, im „Treff am Jakobsweg” in Aachen und im „Treff im Obertorhaus” in Düren. Dabei erklären Hubbes und Härter unisono: „Unterschiedliche Suchtkranke in unterschiedlichen Lebenssituationen brauchen unterschiedliche Hilfen.”

Wie unterschiedlich die im Therapiezentrum lebenden Menschen sind, zeigen deren Lebensläufe. Da findet man nicht nur den Hilfsarbeiter, der bis vor kurzem auf der Straße lebte, da werden auch der Gymnasiallehrer, der verwaltungsdirektor, der Chefeinkäufer therapiert. „Sucht hat immer eine Geschichte. Diese Menschen wollten mit Alkohol ihre Probleme verdrängen und sich die Welt schön trinken. Und es macht Freude zu sehen, wie manche Menschen hier eine neue Lebensperspektive entwickeln”, sagt Hubbes.

Denn oft ist das Therapiezentrum Loherhof für sie die letzte Auffangmöglichkeit. Hier treten soziale Kontakte an die Sterlle von Alkohol. „Wer hier noch einmal die Kurve bekommt, hat sie noch vor dem Grab bekommen”, sagt Hubbes.

Zehnjähriges wird mit Sommerfest gefeiert

Zehn Jahre Arbeit für chronisch suchtkranke Menschen: das Therapiezentrum Loherhof feiert dies mit einem Sommerfest am Freitag, 9. September, von 13 bis 18 Uhr.

Im Mittelpunkt steht ein musikalisches Grußwort der Hausband Mozaik und Mitwirkung von Bürgermeister Thomas Fiedler.

Auch das leibliche Wohl kommt an diesem Tag nicht zu kurz: Kaffee, Kuchen und Grillen stehen auf dem Programm.

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