Geilenkirchen - Lesung im Amtsgericht: Neues Buch zum NSU vorgestellt

Lesung im Amtsgericht: Neues Buch zum NSU vorgestellt

Von: Anna Petra Thomas
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Wo sonst die Richter ihren Platz haben, las Horst Eckert aus seinem neuen Roman. Foto: Anna Petra Thomas

Geilenkirchen. Was seit drei Jahren in München vor dem Oberlandesgericht beherrschendes Thema ist, wurde jetzt auch im kleinen Geilenkirchener Amtsgericht verhandelt, in gewisser Weise zumindest. Zu Gast war der Düsseldorfer Schriftsteller Horst Eckert mit seinem neuen Roman Wolfsspinne, in dem er den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) unter die Lupe nimmt.

Eingeladen hatten die Heinsberger Buchhandlung Gollenstede und Amtsgerichts-Direktorin Corinna Waßmuth. Als eine „dicke Sache“ bezeichnete Waßmuth diesen Prozess in ihrer Begrüßung zur zweiten Lesung dieser Art im Gericht. Wenn man etwa versuche, einen Termin mit einem der im NSU-Prozess derzeit tätigen Rechtsanwälte zu bekommen, erhalte man die Nachricht, dass er für die nächsten drei Jahre ausgebucht sei.

Eckert stellte sich dem Publikum zunächst mit einer kurzen Biographie vor. Politikwissenschaftler sei er und habe zunächst als Journalist gearbeitet. Vor allem aber sei er „eine Leseratte. Das bildet und man kommt ein Gespür dafür, wie Bücher gebaut sind.“ Seine Unzufriedenheit mit für ihn schlecht „gebauten“ Büchern habe ihn dazu getrieben, zunächst im Nebenjob, mittlerweile aber nur noch als Schriftsteller zu arbeiten.

Am Anfang habe er nur unterhalten wollen, sagte er. Im Laufe der Zeit habe er aber doch gemerkt, dass seine Krimis „auch was Politisches“ haben. Er stellt seine Hauptperson vor, die jetzt nach Schwarzlicht und Schattenboxer bereits im dritten Buch mit dem Titel Wolfsspinne ermittelt. Es ist der Düsseldorfer Hauptkommissar Vincent Veih. Sein Cousin zweiten Grades im Buch ist Ronny Vogt, der für den Verfassungsschutz den NSU beobachtet hat.

Als er vom Tod von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erfahren habe, sei für ihn klar gewesen, dazu selbst zu recherchieren, erklärte Eckert dem Publikum. „Ein paar Wochen später war mir klar, dass auch mit dem Verfassungsschutz was nicht stimmt.“ Dass Akten geschreddert worden seien, könne man nicht als Panne bezeichnen. „Wer schreddert, der hat was zu verbergen“, betonte Eckert.

Obwohl das Buch zwischen den Spielorten Eisenach 2011 und Düsseldorf 2015 hin und her springt, las Eckert im ersten Teil seiner Lesung nur von den Ereignissen in Eisenach 2011 und verwarf darin die These, dass sich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt selbst umgebracht haben. Nach der Pause ging es weiter in Düsseldorf, wo Veih den Mord an einer Wirtin untersucht und den Zusammenhang zu einem Drogenring. „Wie das alles zusammenhängt, müssen Sie dann selbst nachlesen“, sagte er und schloss damit seine Lesung.

Das Publikum war begeistert von der Geschichte, die wie immer von Eckert akribisch recherchiert und pointiert geschrieben war und tatsächlich so hätte geschehen können.

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