Leistungsbeweis in neuer Sprache

Von: Georg Schmitz
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Schulleiter Uwe Böken und die
Schulleiter Uwe Böken und die Fachlehrer der Abteilung IV der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule beglückwünschen die jungen Frauen und Männer des Sonderlehrgangs für spät ausgesiedelte Abiturienten zum bestandenen Abitur. Dieser Kurs hatte seine Arbeit noch im Loherhof begonnen. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Es ist zwei Jahre her, da bekamen die Absolventen des ehemaligen Eichendorff-Kollegs erstmals ihre Zeugnisse in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule, ihrem neuen Domizil.

Für das ursprünglich im Loherhof residierende Staatliche Institut für spät ausgesiedelte Abiturienten hat die Stadt Geilenkirchen vor zwei Jahren die Trägerschaft übernommen.

Als Abteilung IV ist der seitens der NRW-Landesregierung 2008 auf den Weg gebrachte Sonderlehrgang nun der Gesamtschule angeschlossen. 13 junge Frauen und Männer osteuropäischer Herkunft haben es diesmal geschafft, sie gehen den Weg in einen neuen beruflichen oder schulischen Lebensabschnitt. Der „Winterjahrgang” der Abiturientia 2011 hielt am Ende der Entlassfeier seine Abi-Zeugnisse in der Hand.

Mit seinen zwei Einschulterminen im Sommer und im Winter wartet die Abteilung IV mit einer Besonderheit auf. Schulleiter Uwe Böken beglückwünschte die Abiturienten mit dem „allerhöchsten Respekt” zu dem Erreichten. Die Abiturientia hatte die Feier unter das Motto „Endlich sind wir nicht mehr dumm, denn das Abi ist jetzt rum”, gestellt. Mit diesem Motto würde aber nicht das ausgedrückt, was Realität sei, meinte Uwe Böken, denn: „Sie alle haben Abschlüsse in Ihren Herkunftsländern absolviert, die leider hier in Deutschland in keiner Form anerkannt werden.” Daher hätten sich die jungen Frauen und Männer aus dem russischen Raum noch den vier Semestern und der abschließenden Prüfung stellen müssen.

Dank galt auch den Kolleginnen und Kollegen, die die Schüler zwei Jahre lang begleitet haben. Ein besonderer Dank galt Klassenlehrer Hans-Götz Pietsch, der nach 34 Jahren am Eichendorff-Kolleg seinen letzten Abi-Jahrgang verabschiedete und Anfang nächsten Jahres in den Ruhestand treten wird.

„Liebe Abiturientinnen, liebe Abiturienten, herzlichen Glückwunsch zur bestandenen Reifeprüfung”, ergriff Abteilungsleiter Ulrich Peinkofer das Wort. Er verwies darauf, dass die Frauen und Männer als letzter Jahrgang noch ihre Ausbildung im alten Schulgebäude am Loherhof begonnen haben. Damit sei nun die Zusammenführung zweier Schulen definitiv vollzogen.

„Dass Sie dumm nach Geilenkirchen gekommen wären, haben Ihre Lehrerinnen und Lehrer niemals zu denken gewagt, auch wenn Sie es ironisierend ab und an einmal leicht angedeutet haben sollten, zwecks pädagogischer Provokation”, sagte Ulrich Peinkofer mit Blick auf das Motto der Abi-Feier. Schließlich hätten die Abiturienten bereits einmal im Herkunftsland die Hochschulzugangsberechtigung erworben und würden eine Sprache beherrschen, die für Westeuropäer nicht leicht zu erlernen sei. Der Stolz der Abiturienten sei berechtigt, denn der Jahrgang hätte mit hervorragenden Noten abgeschlossen.

So gab es mit Buchgeschenken eine individuelle Würdigung der Jahrgangsbesten (in Klammern der Notendurchschnitt) Sergey Feist (1,4), Olga Ebinger (1,5), Alina Sudakowa und Pawlina Weimann (1,6).„Es ist nicht einfach, mit schlechten Deutsch-Kenntnissen die Hochschulreife zu erlangen”, gab Klassensprecherin Tatiana Kopylova zu, die für ihr soziales Engagement gesondert geehrt wurde.

Von 18 teilnehmenden Schülerinnen und Schülern bestanden 13 das Abitur: Olga Ebinger, Elizaveta Komnik, Nikolay Korolyov, Alexander Kutnetsov, Larisa Pavlova, Marina Yeremeyeva (Geilenkirchen), Natalia Bopp (Aachen), Sergey Feist, Pawlina Weimann (Köln), Sergej Hubelt (Solingen), Tatiana Kopylova (Dormagen), Artem Ruban (Mönchengladbach) und Alina Sudokova (Marl).
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