Legendärer Lloyd: Ein Traum aus Sperrholz mit zehn PS

Von: Markus Bienwald
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Knut Henning Arendt und seine Frau Monika lieben ihre Arabella, die gerne beim Lloyd-Treffen gesehen wurde. Foto: Markus Bienwald
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Guter Besuch war schon am Eröffnungstag zu verzeichnen. Foto: Markus Bienwald
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„Koralle“ nennt sich die Farbe des süßen Flitzers, der vom Organisationsteam mit Josef und Gudrun Holz, Ralf Neumann, Gottfried und Uschi Schwaner sowie Marion Neumann (v.l.) in die Mitte genommen wurde. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Ziemlich genau vier Jahre ist es her, da zog Arabella bei Knut Henning Arendt ein. Der 63-Jährige konnte nicht widerstehen, der rote Lack machte die Liebe auf den ersten Blick perfekt. „Keine zwei Minuten nach dem Kaufangebot habe ich ‚Ja‘ gesagt“, blickt Arendt zurück.

Und seine Frau Monika war zu keiner Minute eifersüchtig, ganz im Gegenteil, denn über die rote Arabella freut sich die ganze Familie. Am Wochenende durfte sie die weite Welt erkunden, 56 Jahre nachdem sie das Borgward-Werk verlassen hat. Grund für den Ausflug war das „Treffen der Lloyd-Freunde“ in Geilenkirchen, genauer gesagt auf dem weitläufigen Gelände des Sportparks Loherhof. Hier fanden Cheforganisator Gottfried Schwaner und seine Freunde die perfekten Bedingungen für das fröhliche Clubtreffen. „Ein Lloyd erfreut“ hieß es damals in der Werbung, und die „Kleinen“ aus dem Autowerk von Borgward sorgten mehr als ein halbes Jahrhundert nach Einstellung der Fertigung nicht nur bei dem Schirmherrn und Bürgermeister Georg Schmitz für Freude. „Der Anblick des Autos verbreitet sofort gute Laune“, sagte er bei seinen Eröffnungsworten am Freitagabend.

Moonlight-Oldtimertreffen

Auch wenn sich gleichzeitig noch Oldtimer anderer Marken zum leider etwas verregneten „Moonlight-Oldtimertreffen“ zusammenfanden, spielten doch die Lloyds ganz klar die erste Geige. Was sie so begehrens- und liebenswert macht, erklärt Knut Arendt vor allem auch damit, dass hier noch beinahe alles selbst erledigt werden kann. „Ich fahre zwar gerne, aber ich mache noch viel lieber“, sagt er über seine Schrauberleidenschaft.

Dass die kleine Reparatur beim Ur-Lloyd, der mit einer von einer Kunststoffhaut überzogenen Sperrholzkarosserie versehen war, auch mal zur Not mit einem Pflaster ausgeübt werden kann, erläutert wenige Schritte weiter Gudrun Holz. Die Bayerin, die seit vielen Jahren in Merkstein wohnt, kam rein zufällig zum ersten Lloyd in der Familie. „Es war damals ein Notverkauf, und dann ist er immer bei uns geblieben, auch als wir umgezogen sind“, berichtet sie. Gerne blickt sie auf die vergleichsweise simple Technik des Ur-Lloyd. Schmale 300 Kubikzentimeter Hubraum hatte der Motor, der selbst neben einer kleinen Sechs-Volt-Starterbatterie schmächtig wirkt. Und seine zehn Pferdestärken reichten in der damals vom Moped und Motorrad beherrschten Alltags-Kraftfahrerei aus, um automobile Träume anzufachen, wie es heute selbst 20 Mal stärkere Modelle kaum schaffen.

„Der Lloyd war für viele das erste Auto, die erste Familienkutsche“, so Gottfried Schwaner. Er zeigte sich zufrieden mit der Resonanz, allerdings nicht mit dem Wetter. Vor allem freute er sich über die gezeigten Modelle, auch, wenn nicht alle an den gleichzeitig am Wochenende angebotenen Touren in die Region teilnahmen. Und wie sehr sich dabei die Besitzer der kleinen, aber durchaus feinen und selbst im vom Nicht-Kenner vielleicht als rosa, aber in Wahrheit im Farbton „Koralle“ getünchten Wägelchen mit diesen identifizieren, zeigten zum Beispiel Bärbel und Johannes Stein.

Sie reisten nicht nur auf eigener Achse an, sondern warfen sich dem Anlass entsprechend auch in die zeitgenössische Robe, was sie wohl zu einem der meist fotografierten Paare des Wochenendes machte. „Dabei haben wir die Sachen heute einfach mal so aus Jeckerei angezogen“, meint Bärbel Stein. Passend war es aber in jedem Fall, und Spaß machte dieses Treffen auch, denn die einnehmende Wirkung der kleinen Autos, die zwar den Puls des Autoliebhabers beschleunigen, aber ansonsten so herrlich entschleunigend auf den Alltagsstress wirken, blieb bei allen Gästen haften.

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