Lagerfeuer und unterhaltsame Literatur auf Kraudorfer Obstwiese

Von: Renate Kolodzey
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Zu später Stunde wurden die Lesungen der einzelnen Dichterinnen vom Vollmond und einem knisternden Lagerfeuer beleuchtet. Foto: Renate Kolodzey
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Die Autorinnen Heidi Hensgens, Heike Dahlmanns, Beatrix Hötger-Schiffers (vorne, v. l.), Margarete Kaiser und Autor Kurt Lehmkuhl. Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen. „Hoffentlich können wir diesmal unsere Lesung draußen halten und müssen nicht vor Regen in die Scheune flüchten wie vergangenes Jahr!“, wünschte sich die Organisatorin Beatrix-Hötger-Schiffers zu Beginn.

Sie sollte nicht enttäuscht werden: Ein wunderschöner, lauer Sommerabend wie aus dem Bilderbuch wartete in Kraudorf auf die Literaturfreunde, die es sich auf der urigen Streuobstwiese der Familie Schiffers mit Apfel-, Pflaumen- und Birnbäumen gemütlich gemacht hatten.

Auf Holzbänken, Garten-, Strand- und Liegestühlen warteten rund 50 neugierige Gäste auf die Akteure. „Doppelt so viele wie vergangenes Jahr!“, vermerkte Kurt Lehmkuhl zufrieden. Er moderierte die Veranstaltung und steuerte auch selbst eigene heitere Texte bei. In seiner Schreibwerkstatt bei der Heinsberger Volkshochschule hatten sich die vier Autorinnen des Abends kennengelernt.

Den Anfang machte Margarete Kaiser aus Heinsberg, und Lehmkuhl verriet augenzwinkernd über ihren ersten Auftritt: „Sie war aufgeregt und hatte Schnäpschen für alle mitgebracht – das war eine dufte Lesung!“ Diesmal erzählte sie in Reimen, die die Leute schmunzeln ließen, über den „liebestollen Peter“: Dieser Frauenheld liebte sich unbeschwert durchs Leben, bis er an seine Grenzen stieß: „Als sie’s trieben wie die Wilden, in natürlichen Gefilden, wird er plötzlich ziemlich rot – bricht zusammen und ist tot!“ Gleichzeitig mit Peters Ableben begannen in der heraufziehenden Dämmerung liebestolle Frösche im nahen Teich lautstark nach ihren Partnerinnen zu quaken.

Nun zog Beatrix Hötger-Schiffers das Publikum mit einer dramatischen Geschichte in ihren Bann: Marlene, eine ältere Dame, hat ein Déjà-vu-Erlebnis, als sie einen Knall hört. Dieses Geräusch erinnert sie an ihre große Liebe, die sich überraschend von ihr trennen wollte. Ein dumpfer Schlag, ein herabfallender Körper und jede Menge Blut – Marlene hatte ihren Liebhaber ins Jenseits befördert.

„Ist das nicht merkwürdig, dass die Liebe so oft mit dem Tod endet?“, fragte Lehmkuhl in die Runde. „Ein bisschen Action muss ja sein!“, schallte es ihm schlagfertig aus dem Publikum entgegen. Als würden sie dem zustimmen, hörte man auf einer nahen Weide Pferde schnauben, und Vögel zwitscherten die letzten Töne ihres Abendliedes.

Neben Resten von alten Baumstämmen ging die romantische Lesung mit originellen Gedichten von Heike Dahlmanns aus Gangelt weiter. Politisch interessiert fasst sie ihre Meinung in hintergründige, augenzwinkernde Verse. So ist ihr Fazit über das „Trumpeltier“: „Man kann auf diesem Erdenrund deshalb nur hoffend beten, dass dieses Wesen kunterbunt, nicht zündet die Raketen!“ Wie zur Bestätigung schlug dumpf die Glocke einer benachbarten Kirchturmuhr und vereinzelte Fledermäuse schwirrten über die Köpfe der Zuschauer.

Langsam wurde es immer dunkler, und erste Sterne zeigten sich am Firmament. Dazu lugte hinter den Bäumen ein prächtiger Vollmond hervor und tauchte die Szenerie in ein mildes Licht.

Genau richtig für Heidi Hensges aus Heinsberg und ihren Bestseller „Ein Herz aus Marmelade“: Martina ist im Begriff, sich einen Weisheitszahn ziehen lassen. Der Zahnarzt gefällt ihr ausnehmend gut, sie himmelt ihn an. Es macht sich an die Arbeit, beugt sich über sie, und … Genau an dieser spannenden Stelle unterbrach Lehmkuhl die Geschichte: „Pause! Wie’s weitergeht, erfahren Sie später.“

Nun wurden Schwedenfeuer, Laternen und ein kleines Lagerfeuer angezündet, was die Atmosphäre noch anheimelnder machte. Nach der Lesung ließen daher viele Gäste den Abend am knisternden Lagerfeuer bei einem Glas Wein ausklingen. „Wer nicht dabei war, glaubt’s nicht!“, konstatierte restlos begeistert Angelika Hannemann aus Bochum. Zudem freute sich Hötger-Schiffers über einen Erlös von 240 Euro, der an das Hospiz in Erkelenz geht.

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