Lärm und Ärger: Wenn der Nachbar einen Lkw-Fuhrpark hat

Von: Jan Mönch
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Rechts das Einfamilienhäuschen, links das Betriebsgelände: Dazwischen rollt Tag für Tag die Fahrzeugflotte des Unternehmens entlang, darunter auch viele schwere Sattelschlepper und Lastwagen. Foto: Jan Mönch
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Helmut und Veronika Hapke aus Windhausen. Foto: Jan Mönch
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Symbole des Streits: Mit diesen beiden Felsblöcken wurde eine von Helmut Hapkes Grundstücksausfahrten versperrt. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg-Windhausen. Das Fahrzeug neigt sich leicht zur Seite, als es nach rechts um die Ecke biegt und die Einfahrt hinauffährt. Helmut Hapke steht am Straßenrand und sieht dabei zu, wie die Flotte nach und nach geräuschvoll auf das Betriebsgelände zurückkehrt, Lastwagen, Sattelschlepper, Lieferwagen.

Manchmal vergehen ein paar Minuten, bis man aus der Ferne den nächsten sich nähernden Motor vernimmt, manchmal nur wenige Sekunden. So oder so: Die Lkw sind ein echtes Problem für Helmut Hapke.

Windhausen ist ein sehr kleiner Ortsteil von Übach-Palenberg, fährt man aus Richtung Frelenberg kommend die Hasenbuschstraße hinauf, steht fast ganz oben an der Hügelkuppe das Häuschen von Helmut Hapke und seiner Frau Veronika. Direkt nebenan befindet sich das Betriebsgelände der Baugruppe Dohmen.

Beträchtliche Lärmkulisse

Wenn die Fahrzeugflotte sich morgens auf den Weg macht, fährt sie an Helmut Hapkes Schlafzimmer vorbei. Kehrt sie spätnachmittags zurück, sitzt er im Wohnzimmer oder hält sich im Garten auf. Hören kann er die Lkw überall sehr gut, und das ist der Grund, dass Privatmann Hapke und Bauunternehmer Dohmen schon seit geraumer Zeit ziemlichen Ärger miteinander haben.

Oft sei schon zu nachtschlafender Zeit Betrieb, sagt Hapke, manchmal auch sonn- oder feiertags, die Ruhezeiten würden nicht eingehalten. Neben den Lkw-Motoren sorge vor allen Dingen die Befüllung des Tankfahrzeugs für eine beträchtliche Lärmkulisse.

Die Auseinandersetzung ist ziemlich aus dem Ruder gelaufen, die Streitparteien kommunizieren nur noch über Anwälte. Und sie halten auch die Behörden auf Trab. Denn nicht nur Hapke beschwert sich über Dohmen. Dohmen beschwert sich auch über Hapke. Zum Beispiel wegen des Kamins auf Hapkes Haus: von dort gingen „erhebliche Belästigungen und gesundheitliche Gefahren aus, da die Abgase in die Büros der Mitarbeiter eindringen“. Oder über Hapkes Photovoltaikanlage. Gerate diese in Brand, könne dies eine Explosion des Tanklagers der Firma Dohmen auslösen. Die Stadt Übach-Palenberg schilderte diese Bedenken Dohmens in einem Schreiben an den Kreis Heinsberg und bat um „unmittelbare“ Prüfung.

Die Firma Dohmen war lange vor Hapke da, was aber natürlich nichts daran ändert, dass sie sich an die geltenden Ruhezeiten und Grenzwerte zu halten hat. Nach eigener Darstellung tut sie das, sowohl tags als auch nachts. In Ausnahmefällen erhalte man „Einzelgenehmigungen für die Benutzung des öffentlichen Straßenraums auch an Sonn- und Feiertagen“, um etwa auf Autobahnbaustellen arbeiten zu können.

„Unabhängig hiervon wurden bereits im Jahre 2013 freiwillige Maßnahmen unsererseits ergriffen, um den Verkehr über die Hasenbuschstraße zu vermindern, um den nachbarrechtlichen Interessen entgegenzukommen“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme zu den Vorwürfen. Gemeint ist die Schaffung einer weiteren Zufahrt auf der anderen Seite des Geländes, die in Felder mündet. Dennoch würden die „anwaltlichen Auseinandersetzungen (...) bereits seit geraumer Zeit immer wieder initiiert“.

Der Kreis Heinsberg wäre dafür zuständig, eine objektive Klärung der Frage herbeizuführen, ob die Ruhezeiten eingehalten werden. Wie die Behörde auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt, sind Mitarbeiter im Jahre 2013 ein einziges Mal nachts „draußen“ gewesen. In dieser einen Nacht sei jedoch kein Betrieb festgestellt worden. Weitere Maßnahmen wurden nicht ergriffen, um die Vorwürfe von Helmut Hapke zu prüfen. Er erhebt den Vorwurf, dass Stadt und Kreis der Firma eine „Sonderbehandlung“ zuteilwerden ließen.

Vor einiger Zeit wurde ein schmaler Weg, der genau zwischen den beiden Grundstücken verläuft, von der Stadt an Dohmen verkauft. Hapke wurde anschließend durch Dohmens Anwälte ein „Betretungs- und Befahrungsverbot“ ausgesprochen. Nun versperren zwei große Felsblöcke eine von Hapkes zwei Einfahrten, die nämlich auf den Weg mündete. Als Hapke selbst ebenfalls einige Quadratmeter Grund kaufen wollte, um eine neue Einfahrt zu bauen, lehnte die Stadt dies ab und verwies auf die öffentliche Nutzung.

„Und während uns selbst bei der Errichtung eines Gartenhauses durch die Stadt Schwierigkeiten gemacht werden, weil unser Grundstück an ein Gebiet mit Landschaftsschutz grenzt, darf gegenüberliegend eine Tankstelle betrieben werden“, schimpft Hapke. Der Erste Beigeordnete der Stadt, Helmut Mainz, hat Hapke nach dessen Schilderung auch schon vorgeschlagen, doch sein gesamtes Grundstück an Dohmen zu veräußern.

„Führt die Stadt Verhandlungen für die Firma Dohmen?“, fragt Hapke. Die Stadtverwaltung stellte gegenüber unserer Zeitung lediglich fest, dass man seine Neutralität wahre – jeder weitere Kommentar wurde abgelehnt. Hapke fühlt sich im Stich gelassen. Die Lkw rollen weiter.

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