Kunst- und Kulturpreis: Festliche Verleihung im Schloss Zweibrüggen

Von: Silvia Szymanski
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Preisverleiher, Preisträger u
Preisverleiher, Preisträger und Sponsoren im Rund: (v.l.) Wolfgang Jungnitsch (Bürgermeister), Norbert Frensch (Ausstellungskoordinator), Dr. Richard Nouvertné (Kreissparkasse Heinsberg), Hedi Klee (Künstler-Forum Übach-Palenberg), Hermann-Josef Mispelbaum, Josef Gülpers (Laudator), Klaus Dieter Kroll (Raiffeisenbank Heinsberg).

Übach-Palenberg. Dass Schloss Zweibrüggen öffnete seine Türen für einen kulturelles Höhepunkt. In freundlicher, festlich angeregter Atmosphäre fanden sich zahlreiche kunstsinnige Gäste von nah und fern ein, um einen der renommiertesten Kulturschaffenden der Stadt zu feiern: Hermann-Josef Mispelbaum.

Nach einer leichten, eleganten musikalischen Einstimmung der Wassenberger Jazzcombo „Wassenjazz” begrüßte Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch rund 120 Gäste, die zur Verleihung des Kunst- und Kulturpreises der Stadt Übach-Palenberg gekommen waren. Nachdem der Preis in seinem ersten Jahr 2011 an den Übach-Palenberger Musiker Prof. Reinhold Bohrer gegangen war, erhielt ihn in diesem Jahr der Künstler Hermann-Josef Mispelbaum.

Der Kunstschaffende wurde 1944 in Übach-Palenberg geboren. Nach seiner Lehre im väterlichen Maler- und Anstreicherbetrieb und dem Besuch der Werkkunstschule in Aachen studierte er Freie Kunst an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf, an der Hermann-Josef Mispelbaum 1977 selbst einen Lehrauftrag erhielt. Er war bei vielen wichtigen Ausstellungen vertreten und erhielt zahlreiche Preise. 1990 wurde er mit dem mit einem Aufenthaltsstipendium in Florenz verbundenen Villa-Romana-Preis geehrt.

Seit 2004 orientierte sich Hermann-Josef Mispelbaum zunehmend wieder zurück nach Übach-Palenberg, wo er auch wohnt. Nach einer großen Retrospektive in Mülheim an der Ruhr (2004) und einer viel beachteten Werkschau in der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster (2011) zeigt bis zum 7. Oktober 2012 das Künstler-Forum Übach-Palenberg eine breite Mischung seiner frühen Arbeiten, Zeichnungen der zurück liegenden fünf Jahre und neue Skulpturen.

„Trotz der großen nationalen und internationalen Erfolge hat Hermann-Josef Mispelbaum seine Bodenhaftung nicht verloren. Im Gegenteil, er trägt dazu bei, Übach-Palenberg über die Grenzen hinaus bekannt zu machen”, sagte Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch in seiner Eröffnungsrede.

Die Stadt Übach-Palenberg wurde schon in den 1970er und 1980er Jahren auf eine Initiative von Walter Kessler, dem damaligen Direktor des städtischen Gymnasiums, Besitzerin von Werken des Künstlers; ein „Mispelbaum” hängt heute im Büro des Bürgermeisters. Die Entscheidung für Hermann-Josef Mispelbaum als Preisträger war einstimmig ausgefallen. Eine Auswahlkommission, bestehend aus der in diesem Jahr verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des Künstler-Forums, Marlies Seeliger-Crumbiegel, dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde der Kammermusik, Hanns-Paul Jouck, und dem Vorsitzenden des Kulturausschusses im Rat der Stadt Übach-Palenberg, Oliver Walther, hatte Bürgervorschläge gesammelt und eine einstimmige Empfehlung an den Rat ausgesprochen, der dieser gerne gefolgt war. Den Award stiftete der sachkundige Bürger im Kulturausschuss der Stadt, Artur Wörthmann.

Der Kunst- und Kulturpreis der Stadt Übach-Palenberg würdigt Künstler, die mit ihrem Schaffen bemerkenswerte Akzente gesetzt und die kulturelle Identität der Region gestärkt haben, erläuterte in seiner Rede der Vorstand der Raiffeisenbank Heinsberg, Klaus Dieter Kroll. Günter Thiel vom Künstler-Forum Übach-Palenberg war an ihn mit der Idee eines Übach-Palenberger Kulturpreises herangetreten. Die Raiffeisenbank ließ sich begeistern und bot eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren für den von ihr gestifteten, mit 1000 Euro dotierten Preis an.

Ebenfalls engagierte sich die Kreissparkasse Heinsberg mit ihrem Vorstand Dr. Richard Nouvertné: Sie finanzierte in Kooperation mit den Sponsoren Metallbau Schuler, Übach-Palenberg und der Firma Frauenrath, Heinsberg den Katalog zur Ausstellung.

Für diese nicht selbstverständliche Zusammenarbeit dankte die Vorsitzende des Künstler-Forums Übach-Palenberg, Hedi Klee, beiden Banken. Sie hob auch die freundliche kostenlose Bereitstellung der Räume im Schloss durch die Stadt lobend hervor und wünschte der „hervorragenden Ausstellung” rege Besuche zu den Öffnungszeiten.

Der Aachener Kunsthistoriker Josef Gülpers betonte in seiner feinfühligen Laudatio die Existenzialität der Arbeiten Hermann-Josef Mispelbaums, deren Mittelpunkt „das Ich in seinem Schmerz und seiner Angst” sei. Die irrationale, unkontrollierte Wirrnis des Seelischen stehe der Unfassbarkeit der menschlichen Existenz und der gesellschaftlichen Wirklichkeit gegenüber. Diese sehr persönliche und zugleich universelle Problematik formuliere Mispelbaum intuitiv und sicher, mit puristischer Strenge und durchdachter, minimalistischer Reduktion - sowohl in seinen mit Bleistift, Schere und Messer gefertigten Collagen als auch in den aus Gips und poetisch angedeuteten Fundstücken komponierten Montagen.

Josef Gülpers sieht in Mispelbaums zeitlos aktuellem, ausdrucksstarkem Schaffen bei aller Eigenwilligkeit eine Verbindung zu Künstlern wie Bacon, Giacometti, Picasso, Beuys und Dubuffet. „Künstler dieses Formats zieht es zumeist in die großen Städte”, wandte sich der Laudator an das Übach-Palenberger Publikum. „Ich beneide Sie um ihn. Meine Damen und Herren, hegen und pflegen Sie Ihren Künstler!”

Am Ende des Festaktes wünschte Bürgermeister Jungnitsch den Gästen viel Freude beim Betrachten der Ausstellung. „Es ist Ihr Tag”, wandte er sich an Hermann-Josef Mispelbaum.

Der Preisträger bedankte sich herzlich bei allen. So viele seien gekommen - Kollegen, Sammler, alte Freunde. Er sei tief gerührt. Aber nun wolle er das „Wort” an seine Arbeiten weitergeben: „Sie übernehmen der Part der Sprache. Deswegen mache ich sie. Sie sollen reden.”

Die Ausstellung von Zeichnungen und Skulpturen Hermann-Josef Mispelbaums läuft noch bis zum 7. Oktober 2012 im Schloss Zweibrüggen Übach-Palenberg als Veranstaltung des Künstler-Forums Übach-Palenberg. Sie ist geöffnet an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

Am Sonntag, 30. September, findet um 15 Uhr im Schloss Zweibrüggen ein von Live-Musik begleitetes öffentliches Künstlergespräch mit Hermann-Josef Mispelbaum und Josef Gülpers statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

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