„Kulturagenten“: Schüler entdecken ihr kreatives Potenzial

Von: Danielle Schippers
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Gemeinsam mit den beiden Künstlern Jochen Jung (2.v.r.) und Bodo Buchmann (r.) haben Schüler der neunten Jahrgangsstufe 3D-Bilder angefertigt, die das Thema Arbeitswelt haben sollten. Foto: Danielle Schippers

Übach-Palenberg. Schüler der neunten Jahrgangsstufe der Willy-Brandt-Gesamtschule haben gemeinsam mit den beiden Künstlern Bodo Buchmann und Jochen Jung in einem besonderen Projekt außergewöhnliche Werke erarbeitet: 3D-Bilder. Sie können von hinten beleuchtet werden. Am Ende des Projekts sollen alle Objekte zu einer drei Meter hohen Stele zusammengefügt werden.

Obwohl das Projekt unter dem Thema Arbeitswelt stand, waren der Fantasie doch keine Grenzen gesetzt. Künstler Jochen Jung erklärt: „Beim Thema Arbeitswelt denken einige schon weiter – und bedienten die Begriffe Freizeit, oder nationale Identität. Beides hängt doch irgendwie mit dem Berufsleben zusammen – die Freizeit in den Pausen, und die Nationalität spielt auch eine bedeutende Rolle.“

So haben die Schüler nicht nur Plastiken von einer Stechuhr, einem Schlüssel oder einem Euro gefertigt, sondern auch von einem Garten, einer Shisha oder einer türkischen Flagge.

Am Ende ein großes Ganzes

So wie die einzelnen 3D-Bilder später einmal zusammengefügt werden und dann ein großes Kunstwerk ergeben, funktioniert auch das bundesweite Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“. Seit September 2011 läuft es in der Übach-Palenberger Gesamtschule. Der Kurs, in dem die Bilder entstanden sind, ist Teil eines Gesamtkonzeptes, in dem erfahrene Künstler in Schulen die Kinder und Jugendlichen näher an Kultur und Kunst heranführen sollen.

An dem Bundes- und Landesprogramm „Kulturagenten für kreative Schulen“ nimmt die Willy-Brandt-Gesamtschule gemeinsam mit der Europaschule Gesamtschule Herzogenrath und der Roda-Schule Herzogenrath teil. Die Projektphase steht unter dem Leitmotiv „Ich, du, wir – eine kulturelle Begegnung“.

An der Gesamtschule in Übach-Palenberg engagieren sich Carla Springer und Katrin Eickholt für die Koordination des Projekts.

Derzeit laufen an der Gesamtschule insgesamt sieben kreative Kurse, in denen völlig unterschiedliche Richtungen der Kunst realisiert werden.

Bettina Lauber, Tanzpädagogin aus Herzogenrath, leitet den Kurs „TanzKultur schaffen – Räume der Begegnung(en)“ für alle Jahrgangstufen. Hier erarbeiten die Schüler Choreografien. Um Freundschaft und um Respekt geht es im Kurs „Respekt Alter!“ des Aachener Regisseurs Sebastian Jacobs. Respekt, das ist ein Begriff, den Jugendliche ständig benutzen. Trotzdem haben sie keine klare Vorstellung, was er überhaupt bedeutet. Jacobs möchte den Begriff inhaltlich szenisch mit den Jugendlichen untersuchen.

Auch die Jüngsten der Schule sollen an Kunst herangeführt werden. In der fünften Klasse bietet Hedwig Klee, Künstlerin und Architektin aus Übach-Palenberg, den Kurs „Vielfalt der Farben – Vielfalt der Menschen“ an. Schüler sollen Kreativität und Phantasie entwickeln, basierend auf den Grundfarben und Mischtönen. Klee und ihre Schüler haben bereits eine Ausstellung im Schloss Zweibrüggen besucht. „Für viele unserer Schüler ist das die erste Berührung mit Kunst außer dem üblichen Bilder malen im Unterricht. Hier sehen sie, dass ein Projekt eines Konzepts und geplanten Handelns bedarf“, sagt Heike Schlösser, stellvertretende Schulleiterin.

Einen weiteren Kurs für die 8. Klassen bietet der Theaterpädagoge Christian Gardt an. „Irgendwie anders“ lautet der Titel. Dabei sollen die Teilnehmer „Formen von Andersartigkeit“ erforschen. Zu diesem Zweck hat Gardt die Schüler in Gruppen eingeteilt, darunter Schauspiel, Film, Dramaturgie.

Sarah Niepenberg, Künstlerin und studierte Textildesignerin aus Aachen, leitet den Kurs „Bin ich schön?“ für die Jahrgangsstufe 7. Für Jugendliche ist das Aussehen sehr wichtig. Sie entdecken sich, ihren Charakter, ihren Körper und setzen sich ins Verhältnis mit ihrer Umwelt. Oft definieren sie sich über ihre Kleidung. In dem Kurs geht es um Vorbilder und Textilien. „Wir hatten zu Beginn nur weiße T-Shirts und ganz viele verschiedene Materialien, Knöpfe, Stoffe und Farben. Und dann sollten wir etwas herstellen, zum Beispiel zum Thema Superhelden, Fabelwesen, Adlige oder Obdachlose“, resümiert Theresa Calvia (13).

Die Ergebnisse des Projekts sind auf mehreren Ebenen interessant. Die Lehrer und Künstler sehen viele positive Aspekte des Kulturprogramms.

Für die Schüler ist die kreative Arbeit mit den Künstlern eine völlig neue Situation. Nichts desto trotz kommen die Kurse bei ihnen gut an. Bettina Lauber, die Tanzpädagogin, erkennt das Potenzial für die Schüler: „Für sie ist ein solcher Unterricht bereichernd.“ Und sie verweist auf den weiteren Zusammenhang des ganzen Projekts: „Kreatives Potenzial und Selbstbewusstsein hängen eng zusammen. Jeder soll und kann in so einem Projekt so sein wie er ist, es gibt nichts Falsches.“

„Der Sinn dieses Projektes ist sehr langfristig ausgelegt. Irgendwann sollen die Jugendlichen eine Haltung einnehmen und Respekt haben, vor sich und anderen“, sagt Agnes Bläsen-Jansen.

Im Juli sollen bei einem Kulturfest die Ergebnisse aller Kurse vorgestellt werden.

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