Künstlerin Kiki Bragard: Bunt, freundlich und fröhlich

Von: Udo Stüßer
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„Eruption“ hat sie ihr linkes Bild, das 1996 in Tokio entstanden ist, genannt. Das rechte Bild, das einen Ausschnitt von Tokio zeigt, ist teilweise gesprüht, die Gebäude sind mit Acrylfarben gemalt. Foto: Udo Stüßer

Übach-Palenberg. Kiki Bragard ist um die ganze Welt gereist, lebte und arbeitete in London, kämpfte in New York, Los Angeles und Las Vegas. Ihre Kunstwerke sind so wie die Künstlerin selbst. Der ehemalige Wrestling-Star hat mit der Kampfkunst längst abgeschlossen. Jetzt malt sie in Palenberg.

Sie war Wrestling-Star, Bodyguard und Malerin in Tokio. Sie war eine ausgezeichnete Kampfsportlerin, die das Ultimate Fighting, das Submission Wrestling und das Muay-Thai-Kickboxen beherrschte und in Japan vor bis zu 15.000 Zuschauern kämpfte. Die Japanisch sprechende Frau war viele Jahre Bodyguard und Assistentin des berühmten japanischen Kampfsportlers und Filmschauspielers Fujiwara.

14 Jahre lang war Kiki Bragard unterwegs, hatte überall Kisten und Koffer untergebracht. Dann aber war sie das Reisen, das Kämpfen und die Großstädte leid. Sie sammelte ihre Kisten und Koffer in der ganzen Welt ein, zog im Jahr 2001 in ihre alte Heimatstadt Herzogenrath, dann in den Übach-Palenberger Stadtteil Boscheln. Das Kapitel Kampfkunst hat sie längst zugeschlagen, aber das zweite Kapitel, die Kunst, hält sie heute noch in Atem.

Aufgeschlagen hatte sie dieses zweite Kapitel in ihrer Tokio-Zeit. Fujiwara, ihr Chef, war nicht nur ein hervorragender Kämpfer, sondern auch kreativer Künstler. Er zeichnete Karikaturen und töpferte. Als Kiki Bragard in Tokio eine eigene Wohnung mit vielen weißen Wänden bezog, griff sie zu Acrylfarben und Pinsel und malte ihr erstes eigenes Bild.

Fujiwara wettete: „Deine Bilder will keiner sehen, die stellt keiner aus.“ Diese Wette hat er ganz klar verloren. Kiki Bragard hat sich in der Kunstwelt durchgesetzt, im Jahre 2010 zog sie nach Aachen und eröffnete ein Atelier. Doch die freischaffende Kunstmalerin brauchte Platz, viel Platz.

Jetzt ist sie zurück in Übach-Palenberg. Vor wenigen Tagen hat sie ein Haus im Palenberger Mühlenweg bezogen und freut sich auf neue kleinere und größere Projekte. „Ich male, was mir am Herzen liegt, wo ich gewesen bin, wo ich hin möchte, wo ich nicht hin komme und was die Kunden wünschen“, sagt sie. Schaut man auf ihre Werke, so stellt der Betrachter fest: Sie malt, wie sie selbst ist. Bunt, freundlich und immer fröhlich.

Anfangs malte sie abstrakt, es ging um die Harmonie der Farben, dann brachte sie die verschiedensten Materialien auf die Leinwand: Holzlatten wurden auf die Leinwand genagelt, Wachs und Fliesenkleber hinzugefügt, das Ganze mit Acrylfarben abstrakt bemalt. Aber so ganz abstrakt waren die Bilder dennoch nicht. Mit viel Fantasie kann man die Straßen von Florida, grüne Palmen und Zitronen als Idee dahinter erkennen. Und wenn sie erklärt, dass das Luxuskaufhaus Sony Plaza am Sojo Square in Tokio die Vorlage für eines ihrer Bilder ist, erntet sie die Zustimmung des Betrachters.

Kiki Bragard malt Städte, abstrakte Städte, die im Laufe der Zeit immer figurativer wurden. Mit der Kamera durchstreift sie Düsseldorf, Wuppertal und Brüssel, stellt die Städte so dar, dass man sie erkennt, ergänzt sie aber um Details, die nicht der Wirklichkeit entsprechen. „Ich liebe Städte, ich möchte ihre Seele entdecken. Das Flair einer Stadt inspiriert mich. Schöne Ecken, hässliche Winkel und runtergekommene Fabrikgebäude haben ihren Charme.“

Herrlich anzusehen sind ihre Collagen, beispielsweise die von Übach-Palenberg, die Schloss Zweibrüggen, Rimburg, den Wasserturm, das Carolus-Magnus-Gymnasium und das Rathaus zeigen. Auch die vor Jahren in Rimburg gestohlenen Schildkröten hat sie hinzugefügt. Das Original hängt im Gymnasium, im Jahre 2013 hat jeder Abiturient einen Druck bekommen. Und wer solche Kunstwerke in Kleinformat mag, kann sie bei Kiki Bragard in Grußkartengröße bestellen.

Seit dieser Woche stellt sie ihre Bilder im Tokyo Metropolitan Art Museum in Tokio aus, andere Werke sind derzeit in Wuppertal und auf Rügen zu sehen. Eine Dauerausstellung hat sie im Bistro-Café Insulaner im Frankenberger Viertel in Aachen. In Tokio werden derzeit Bilder aus ihrer Serie „Intermezzo“ ausgestellt, witzige Selbstporträts, Fiktion gepaart mit Realität. Kiki Bragard mit Pferd, Kiki Bragard mit einem frechen Grinsen und wirrem Haar. Mögen ihre Bilder immer fröhlich wirken, so darf das Schwarz nicht fehlen. Kleine schwarze Linien als Umrandung von Körpern und Bauten sind ihr Markenzeichen. „Mich faszinieren schöne Farben und schöne Städte, die Freude möchte ich teilen“, sagt sie.

Schön bunt ist auch ihre You-Serie, aber die Bilder wirken böse, krawallig, eine freche Mischung aus Fiktion und Wahrheit. „Hinter den fröhlichen Farben steckt eine böse Fassade“, sagt sie.

Mehr als 600 Bilder

Mehr als 600 Bilder hat Kiki Bragard gemalt. „Ich möchte Freude vermitteln, es ist schön, wenn Menschen von Farben und Inhalten begeistert sind, wenn die Menschen morgens aufstehen und Glücksgefühle haben oder wenn schöne Erinnerungen wach werden“, sagt sie.

Wie vielseitig die Künstlerin ist, zeigt, dass sie jetzt mit einem für sie neuen Stil arbeitet. Neben den Pinseln kommen jetzt auch Sprühdosen zum Einsatz. Während beispielsweise die Golden Gate Bridge oder das Feuerwerk in Dubai mit Aquarellfarben gemalt sind, wurde der Hintergrund gesprüht. Und auch Donna Summers Lippen sind aus der Sprühdose entstanden.

Gemeinsam mit ihrem Manager Roland Schöneberg arbeitet sie an neuen Projekten. Im Oktober stellt sie in Brüssel aus, im November in Nosaka. Geplant ist auch die Herausgabe eines Kunstbuches über den Aachener Einzelhandel. „Hiermit möchte ich die unternehmerische Vielfalt unserer Region künstlerisch aufarbeiten“, sagt sie.

Wer sich näher über die Kunst von Kiki Bragard informieren möchte, kann sie nach Voranmeldung unter Telefon 0162/7444447 in ihrem Atelier in Palenberg, Mühlenweg 13, besuchen.

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